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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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2. Ostersonntag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Im heutigen Evangelium können wir ein vierfaches Ostergeschenk feststellen.

1. Das Geschenk der Freude. „Er trat in ihre Mitte. Da freuten sich die Jünger.“ Sie freuten sich, den Auferstandenen sehen zu dürfen. Auch in dieser Zeit der Coronakrise dürfen wir diese Freude über die Auferstehung in unserem Herzen tragen. Die Freude über die Auferstehung wirkt trotzdem über die ganze Welt, auf das ganze Menschengeschlecht. Sie soll auch in uns weiterwirken.

2. Das Geschenk des Friedens. „Friede sei mit euch.“ Das war der Gruß des Auferstandenen an seine Jünger an diesem Abend des Ostertages, als er in ihre Mitte trat und so ihre Furcht vertrieb. Wie notwendig brauchen wir den Frieden und suchen wir den Frieden. Wie sehnt sich die Menschheit nach Frieden! Vielleicht gibt es in den Familien durch die momentane Situation mehr Streit. Der Friede mit Gott und den Menschen ist die Sehnsucht eines jeden Menschenherzens. Jesus selbst kann diesen Frieden geben.

3. Das Geschenk der hl. Beichte. Die Kirche empfiehlt, besonders vor Ostern die heilige Beichte zu empfangen. Es war dieses Jahr nicht so leicht und die Kirche hat hier dispensiert auf Grund der Ansteckungsgefahr. Aber grundsätzlich hat die Beichte hier zu Ostern ihren Ursprung. „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“ Empfangen wir oft dieses Gnadengeschenk, das Geschenk der Versöhnung mit Gott. Er hauchte sie an und sprach: „Empfangt den Heiligen Geist.“ Diese Szene erinnert an die Erschaffung des ersten Menschen. Das Buch Genesis berichtet uns: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“ Der Atem Gottes, der damals den Menschen erschuf, schenkt den Aposteln jetzt die Macht, Sünden zu vergeben und ebenfalls aus schuldig gewordenen Menschen wieder Menschen zu formen, die in der Gnade Gottes erneut leben dürfen.

4. Das Geschenk des Berühren-dürfens und des Glauben-dürfens. Er zeigt die Wundmale und bietet sogar an, sich anfassen zu lassen. Gerade für Thomas war das die Bedingung, die er stellte, um an Jesus zu glauben. Gott sei Dank hat es den Thomas gegeben, der zuerst einmal sehr kritisch war. Es genügt ihm nicht der Beweis des Sehens. Es genügt ihm nicht das Zeugnis der besten Freunde. „Wir haben den Herrn gesehen.“ Das ist zu wenig. Das könnte auch eine Täuschung sein. Er will Jesus berühren. Er will ihn mit seinen Händen anfassen; und zwar an den Stellen, die zum Tode führten. Groß ist die Gnade, die Gott ihm gewährt. Vom Zweifel kommt Thomas direkt zum Glauben und zur Anbetung. Demütig bekennt er: „Mein Herr und mein Gott.“  Dies ist ein ganz großes Glaubenszeugnis von ihm. Alles ist damit ausgesagt. Er kann jetzt an die Auferstehung Jesu glauben. Er kann an die Gottheit Christi glauben. Er ist sein Herr und sein Gott.

Uns ist es nun nicht gegeben, Jesus mit seinem lebendigen Leib zu sehen. Wir dürfen ihn aber sehen mit den Augen des Glaubens im eucharistischen Brot. Er ist dort wirklich gegenwärtig. Noch größeres hat Jesus uns hinterlassen. Wir dürfen ihn kommunizieren.

Dies ist zwar in der momentanen Zeit wieder vielen genommen, weil sie nicht die heiligen Messe besuchen dürfen, aber vielleicht könnte man so sagen. Selig ist, wer nicht kommunizieren darf und kann und trotzdem eine große Sehnsucht nach dem Leib Christi im Herzen trägt. Wir dürfen Jesus in normalen Zeiten in uns aufnehmen. Eine größere Nähe gibt es nicht. Machen wir uns das ganz fest bewusst, welch großes Geschehen das ist, wenn ich bei einer heiligen Messe den Leib Christi zu mir nehme. Und wenn wir in diesen Wochen hoffentlich oft die geistigen Kommunion machen, dann erinnern wir uns daran, was bei einer Kommunion geschieht: Jesus ist da. Und wer nur geistig kommunizieren kann, soll hier auch die Zeit nützen und ganz still mit dem Heiland sprechen, ihm danken und ihm alles sagen: die Probleme, die Freuden, die Schwierigkeiten und die schönen Erlebnisse, einfach alles. Er ist da und will, dass wir mit ihm sprechen, ihn anbeten mit den Worten des hl. Thomas: „Mein Herr und mein Gott.“ Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020