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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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4. Ostersonntag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Der 4. Sonntag der Osterzeit ist der sogenannte Gute-Hirte-Sonntag. Jesus verwendet das Bild vom Hirten und seinen Schafen. Der Priester soll so ein Hirte sein, auf dessen Stimme die Schafe hören und dem sie folgen.

Machen wir uns ein paar Gedanken über den Priester: Wie soll ein Priester sein? Was sind die Aufgaben eines Priesters? Wie hat sich Jesus den Priester vorgestellt? Was hat er ihm aufgetragen zu tun?

Wenn wir in der Öffentlichkeit die Leute darüber befragen, kommen vielleicht folgende Antworten. Der Priester muss sich um die materielle Not der Menschen kümmern. Er muss den Armen in der Welt helfen. Der Priester muss die sozialen Probleme behandeln und sich gegen die soziale Ungerechtigkeit wenden. Er muss sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Er muss ein Auge auf die Umwelt werfen. Natürlich muss der Priester am Sonntag die Messe feiern und soll dem sonntäglichen Gottesdienst die entsprechende Würze geben. Es soll spannend, cool, abwechslungsreich und interessant sein.

Ich glaube, dass viele Menschen die eine oder andere Antwort geben würden.

Was aber sind die wichtigsten Aufgaben eines Priesters? Welche Prioritäten muss er setzen?

Der hl. Augustinus sagt: Für euch bin ich Bischof (Priester), mit euch bin ich Christ. Der Priester ist also nicht nur ein normaler Getaufter wie jeder andere Christ, sondern er ist hervorgehoben. Er ist ein von Gott Auserwählter. Jesus hat die 12 Apostel auserwählt und zu Menschenfischern gemacht.

Im heutigen Evangelium bringt Jesus das Bild des guten Hirten, der den Schafen den Weg zeigen soll. Was ist die Aufgabe des guten Hirten?

Wir können die Aufgabe des Priesters an Hand zweier Heiliger, die Johannes heißen, gut darstellen: der hl. Johannes der Täufers und der hl. Johannes der Evangelist.

Der heilige Johannes der Täufer hat viel Ähnlichkeit mit der Aufgabe eines Priesters. Er ist der Vorläufer Jesu und weist hin auf einen Größeren. Er ist nicht wert, ihm die Schuhriemen zu öffnen. Er muss kleiner werden, Christus muss wachsen. Das ist eine ganz wichtige Aufgabe des Priesters. Nicht er ist wichtig, sondern er zeigt auf Christus. In besonderer Weise aber hat Johannes die Aufgabe gehabt zu taufen. Es war eine Bußtaufe. Es war eine Aufforderung, die eigenen Sünden zu bekennen und bereuen. Auch der Priester hat diese Aufgabe: Er muss immer wieder hinweisen auf die Umkehr. Er muss das Sakrament der Versöhnung anbieten und spenden. Wenn Jesus als Auferstandener seinen Aposteln, den Bischöfen, erscheint und zu ihnen sagt „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben!“, so hat das seine Bedeutung.

Die zweite Aufgabe kann man anhand des Evangelisten Johannes gut darstellen. Er wird mit einem Kelch dargestellt. Der Legende nach wollte man ihn mit einem vergifteten Trank töten. Als er jedoch diesen Kelch segnete, züngelte eine Schlange hervor, und so wurde die Mordabsicht vereitelt. Beim letzten Abendmahl nahm Jesus den Kelch in die Hand und sprach die Worte: Das ist der Kelch des neuen Bundes, mein Blut, das für euch vergossen wird. Somit steht Johannes für die Feier der hl. Messe. Die Aufgabe des Priesters ist das Geheimnis des Glaubens zu feiern. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ war der Auftrag des Heilandes am Gründonnerstag.

Diese zwei Aufgaben des Priesters sind zentral. Bei jeder Priesterweihe wird der Neupriester vom Bischof gefragt: „Bist du bereit, die Mysterien Christi, besonders die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung, gemäß der kirchlichen Überlieferung zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes in gläubiger Ehrfurcht zu feiern?“ Die Antwort ist: „Ich bin bereit.“ Das hat jeder Priester versprochen. Das erwartet sich die Kirche von einem Priester. Er soll die hl. Beichte hören und die Messe andächtig und ehrfürchtig feiern.

Der Priester bleibt natürlich auch ganz Mensch mit seinen Fehlern und Schwächen. Das muss man nicht erst betonen. Er ist nicht durch die Weihe schon ein Heiliger. Er muss sich genau so bemühen wie jeder andere, aber er hat durch die Weihe einen besonderen Auftrag bekommen, und das ist nicht in erster Linie die soziale Komponente. Es ist keine Frage, dass die Kirche auch hier einen wichtigen Auftrag hat, zu helfen, wo Not am Mann ist, aber da kann jeder Christ und muss jeder Christ mithelfen. Das, was den Priester ausmacht und das, was nur der Priester kann, ist die Messe feiern und die Beichte hören und damit von den Sünden lossprechen. Deshalb ist der Priester etwas besonderes. Da kann er ein noch so großer Sünder sein. Das Siegel der Priesterweihe bleibt. Um so schlimmer ist es, wenn der Priester den Ruf zur Heiligkeit überhört und ein schlechtes Vorbild ist.

Christus hat seine Priester eingesetzt, Gnadenvermittler zu sein, indem er das Meßopfer darbringt und die Beichte abnimmt. Und wenn die Schafe hier auf seine Stimme hören und ihm folgen, ist er wirklich der gute Hirt, so wie sich Jesus das vorstellt. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020