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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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5. Ostersonntag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Wir hörten im Evangelium die Trostworte Jesu: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ Wörtlicher statt „verwirren“ ist „erschrecken“. Daher könnte man auch übersetzen: „Euer Herz lasse sich nicht schrecken.“ Oder „Euer Herz sei ohne Angst!“ Wir sollen keine Angst haben. Es ist ein Wort Jesu aus den Abschiedsreden, bevor sein Leiden beginnt und auch die große Angst der Apostel beginnt. Wir stehen noch in der Osterzeit und dürfen uns über die Auferstehung Jesu freuen! Doch gerade am Anfang war nicht die Freude da, sondern immer noch die Angst. Sie hatten Angst vor den Römern und vor den Juden, dass es auch ihnen so ergehen könnte wie ihrem Meister. Die Furcht war besonders bei den Aposteln sehr groß. Immer wieder hat Jesus dann gerade als Auferstandener gesagt: „Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.“ Auch die Engel am Grab möchten den Frauen die Angst nehmen und sagen: „Fürchtet euch nicht!“

Das war zu Beginn der Menschwerdung die gleiche Botschaft. „Maria, fürchte dich nicht, denn du hast Gnade bei Gott gefunden.“ Und zu den Hirten sagte der Engel: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude.“

Beim Kommen Jesu, egal ob als Kind bei der Menschwerdung oder bei seinem Erscheinen als Auferstandener, besteht die Gefahr der Angst. Dieser Angst muss vorgebeugt werden, indem der Himmel gleich darauf hinweist, dass du dich nicht fürchten musst. Es ist Jesus, der Sohn Gottes, und wenn er kommt, brauchst du keine Angst haben, sondern dann ist die richtige Reaktion: Vertrauen haben.

Es gibt immer wieder Menschen, die in ihrem Leben Angst haben. In der heutigen Zeit haben die Menschen vielleicht auch große Angst vor Krankheit, Angst vor dem Coronavirus, Angst vor der Ansteckung, Angst um den Arbeitsplatz, Angst vor der Zukunft, Angst um die Familie.

Gegen die Angst gibt es also nur ein Mittel: Vertrauen! Als Jesus einst in der vierten Nachtwache über den See zu den Jüngern kam und sie aufschrien vor Angst, da hat er ihnen zugerufen: „Habt Vertrauen! Ich bin es.“

Ein Kind, das Angst hat, kann z.B. von Mutter getröstet werden, weil es der Mutter vertraut. Das Kind weiß: Die Mutter beschützt mich.

In der Stunde des Abschieds, wo die Jünger vielleicht auch schon die Angst spürten, sagte Jesus zu ihnen: „Euer Herz sei ohne Angst!“ Habt keine Angst! Lasst euch nicht verwirren! Lasst euch nicht aus der Fassung bringen! Vertraut mir, dass alles gut wird.

Jesus spricht dies auch zu uns. „Euer Herz sei ohne Angst!“ Und Jesus weist gleich hin auf die Ewigkeit. Er erinnert an die Wohnungen, die er bereitet hat.

Warum haben viele Märtyrer vor dem Martyrium keine Angst gehabt? Ein Grund ist sicher, weil sie an die ewigen Wohnungen geglaubt haben, weil sie Gott vertraut haben, dass er sie beschützt, und falls sie doch sterben müssen, holt er sie nach dem Tod in die ewige Glückseligkeit.

Die heilige Theresia von Avila hat sich diese Botschaft sehr zu Herzen genommen. In ihrem Brevier fand man nach ihrem Tod ein schönes Gebet, das sehr berühmt wurde: „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles geht vorüber. Gott allein bleibt derselbe. Alles erreicht der Geduldige. Und wer Gott hat, der hat alles. Gott allein genügt.“

Wer Gott hat, der ist beschützt, der braucht keine Ängste und Sorgen haben. Und Gott schaut auch heute auf uns, auf seine Schöpfung und hat alles in seiner Hand. Daher dürfen wir ihm vertrauen und die Angst wird der Freude weichen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020