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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Palmsonntag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Ein paar Gedanken zum Palmsonntag in dieser schwierigen Coronazeit. Corona heißt auf Deutsch die Krone. Jeder König hat normalerweise eine Krone. Heute am Palmsonntag ließ sich Jesus feiern als König. Jesus bekam seine Königskrone aber erst am Karfreitag: Es war eine Dornenkrone. Ein König ritt früher auf einem Pferd. Jesus aber nahm heute einen Esel. Trotz Esel und ohne Krone waren die Leute so begeistert, dass sie jubelten, Palmzweige wedelten und ihre Kleider auf den Weg ausbreiteten. Sie schrien: Hosanna, dem Sohne Davids. Es war eine große Menge, heißt es im Evangelium. In der momentanen Coronakrise wäre dies nicht möglich gewesen, und daher wäre diese Menschenansammlung am Palmsonntag verboten. So wie es leider verboten ist, auch heute eine öffentliche Messe zu feiern. Zu viele Leute waren damals also unterwegs. Aber der Karfreitag, der Tod Jesu und sein Begräbnis, wäre erlaubt gewesen. Und seine Auferstehung auch! Da war er sogar allein und beim leeren Grab da waren abwechselnd auch nur die erlaubte Personenanzahl: zuerst die Frauen, dann Petrus und Johannes und dann nochmals Maria Magdalena allein. Es waren also nicht mehr als erlaubt. Der Priester und höchsten vier Menschen dürfen die Liturgie feiern. Wer war am Karfreitag alles da, außer die Polizei, die Soldaten. Es waren Jesus (= der Priester), dann die 2 Verbrecher mit einem Mindestabstand von 2 Metern, seine Mutter und Johannes, sein Lieblingsjünger. Dann waren noch ein paar weinende Frauen, die den Mindestabstand auch einhielten und in der Ferne weinten. Und beim Begräbnis waren es dann Nikodemus, Josef von Arimathäa und wiederum Maria und Johannes: der Priester und 4 Personen. Die anderen Apostel waren nicht da, weil es zu gefährlich ist. Sie hatten Angst. So wie es heute auch zu gefährlich ist. Heute ist es ebenfalls zu gefährlich, weil man sich anstecken kann.

Wie war es damals? Damals war es eigentlich auch so, dass es um eine Krankheit ging. Die Krankheit war die Ursünde, die auf der Menschheit lastete. Alle waren davon angesteckt. Diese Krankheit ist so ansteckend gewesen, dass jeder sie schon mit der Empfängnis mitbekam und sich gar nicht wehren konnte, sich nicht schützen konnte. Und Jesus, der Sohn Gottes, kam auf die Erde, um uns von dieser Krankheit zu befreien. Er starb am Kreuz und hat uns dadurch erlöst und geheilt.

Wenn Jesus heute nicht auf einem Pferd reitet, sondern auf einem Esel, ist das vielleicht ein Hinweis, dass er selbst der Esel ist. Ein Esel ist ein Lasttier. Er trägt die Last von uns Menschen. So hat Jesus die Last von uns Menschen getragen und auf sich genommen.

Vielleicht denken sie, ein Esel ist doch unpassend für Jesus. Esel ist doch ein Schimpfwort. Ein Esel ist dumm. Jesus ist insofern für manche Menschen dumm, weil er sich nicht wehrt, weil er ohne Widerstand das alles erträgt, weil er selbst, der ohne Sünde ist, für unsere Sünden leidet.

Deswegen wurden die ersten Christen auch immer wieder verspottet. Jesus, der am Kreuz als Gott stirbt, ist dumm. Er ist ein Esel. Das allererste Kreuz-Bild, das uns überliefert ist, ist eine Wandkritzelei, mit der ein römischer Soldat seinen christlichen Kameraden verspotten wollte. Diese Darstellung zeigt einen mit einem Eselskopf, der am Kreuz hängt. Davor kniet ein Mann, und darunter steht der Satz: „Alexamenos betet seinen Gott an!“ Auch heute kann das vorkommen, dass wir verspottet werden und dass unser Glaube als Eselei, als Dummheit dargestellt wird.

Aber halten wir das aus! Viele Leute verstehen es nicht. Wir wollen aber auch so ein Esel sein. Der Esel hat Jesus getragen und ihm geholfen. Der Esel war bei der Geburt Jesu ganz nahe bei der Krippe. Und wenn wir nahe bei Jesus sind, werden wir nicht angesteckt vom Coronavirus, sondern wir werden befreit vom Erbsündenvirus, der uns hindert in den Himmel zu kommen. Es gibt Leute, die an Corona sterben, leider. Sie sind aber nicht unbedingt ausgeschlossen vom Himmel. Es gibt Leute, die mit der Erbsünde sterben, die mit schweren Sünden sterben, die sind leider ausgeschlossen vom Himmel, wenn ihnen nicht Jesus, die Befreiung davon schenkt.

Wer aber ein Jesus-Esel ist, mit dem wird Jesus nicht nur in Jerusalem einziehen, sondern mit dem wird Jesus in das himmlische Jerusalem einziehen und es wird ein noch viel größer Jubel sein als damals. Sie werden nicht singen „Hosanna, dem Sohne Davids“, sondern „Hosanna, dem Esel, der Jesus gehört“. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020