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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Pfingstsonntag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Das Wort Geisterspiele kannte man im Fußball, wenn eine Mannschaft bestraft wurde, nachdem z.B. Fans randaliert haben, und deswegen das Spiel ohne Zuschauer ausgetragen werden musste. Durch die momentane Situation der Corona Krise gab und gibt es wiederum solche Geisterspiele ohne Zuschauer auf Grund der Ansteckungsgefahr.

In Anlehnung an dieses Wort Geisterspiele wurden besonders von deutschen Liturgiewissenschaftlern heilige Messen als Geistermessen bezeichnet, die der Priester ohne Volk in der Zeit des sogenannten Lockdowns gefeiert hat. Von der Bischofskonferenz wurde diese Zelebration allerdings allen Priester empfohlen, doch meinten manche, dies würde dem heutigen Verständnis von Liturgie widersprechen, weil die hl. Messe doch auf Gemeinschaft ausgerichtet ist.

Diese Gemeinschaft ist beim heiligen Messopfer aber immer da. Auch dann, wenn nicht einmal eine Person anwesend ist, handelt erstens der Priester auch als Stellvertreter des Volkes und wird die Antworten selbst geben. Außerdem ist zweitens eine große unsichtbare Gemeinschaft vorhanden. Es ist der ganze Himmel vertreten mit seinen Engeln und Heiligen und natürlich sehr wohl auch der Heilige Geist. Von diesem Blickwinkel aus ist die Heilige Messe immer eine Heilig-Geistmesse, aber natürlich keine Geistermesse: Bei diesem schrecklichen Wort Geistermesse denken viele an Geisterbahn, Geisterstunde oder Gespenster, und das führt natürlich in die Irre. An Gespenster glauben wir nicht, die angeblich spuken, aber an den Heiligen Geist glauben wir sehr wohl, der an Pfingsten auf die Apostel herabkam.

Was jedoch damals geschehen ist, erinnert sehr wohl die Ungläubigen an Spukgeschichte oder ähnliches. Sicherlich ist das, was geschehen ist, so wie die vielen Wunder in der Bibel ja auch, nicht mit dem Verstand rational nachzuvollziehen, ein übernatürliches Eingreifen Gottes und erfordert unseren Glauben: Man hörte plötzlich ein Brausen vom Himmel und über den Köpfen erschienen Feuerzungen, und sie redeten in fremden Sprachen. Alle Leute konnten sie in ihrer Muttersprache verstehen, sodass viele meinten, sie seien betrunken.

Vielleicht erinnert diese nicht sehr schöne Zeit der Corona Pandemie mit den gewaltigen Einschränkungen auch manche an solche Dinge. Bei uns sind manche ebenfalls ratlos und geraten außer sich. Einer hat diesbezüglich den Satz gesagt: Wann hört denn endlich dieser Spuk auf? Wann ist dieser Spuk endlich vorbei?

Man könnte jetzt das Wort „spuken“ und „spucken“ im doppelten Sinn verwenden. Der Virus spukt herum, besonders wenn man spuckt. Da er durch sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen wird, haben wir diesen Mund-Nasen-Schutz getragen.

Dieser Spuk möge sehr bald aufhören, aber der Heilige Geist möge nicht aufhören. Der Heilige Geist möge auf uns herabkommen und uns mit seinen Gaben beschenken. Er möge der Kirche einen neuen Frühling bescheren. Der Heilige Geist möge wirken in seiner Kirche und den Gläubigen eine große Begeisterung für den Glauben ins Herz legen. Das Wirken des Heiligen Geistes spürt man, wenn die Freude für Gott da ist, wenn wir dankbar sind für den Glauben und wenn wir die Nächstenliebe üben.

Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, ist kein punktuelles Geschehen, das nur damals einmalig passierte, sondern Pfingsten feiern wir jedes Jahr, weil der Heilige Geist weiterwirken will in jedem Menschen. Er ist die Seele der Kirche. Er belebt sie. Jesus hat ihn uns verheißen und gesagt, dass er uns in die ganze Wahrheit einführen wird. Es werden immer wieder neue Probleme an uns herangetragen. Rufen wir immer den Heiligen Geist an, dass er uns eingibt, wie wir handeln sollen, wie wir uns entscheiden sollen und was wir tun sollen! Wer mit dem Heiligen Geist in Verbindung ist, braucht keine Angst haben. Er hat damals den Aposteln die Angst genommen, sodass sie sich nicht mehr fürchteten, und er wird auch uns alle Angst nehmen, sodass wir mutig in die Zukunft blicken dürfen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020