Fest der Heiligen Familie 2025
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Heilige Familie 2025 A

Messtexte | Word-Dokument

Die Heilige Familie hatte es von Anfang an nicht leicht. Noch bevor Maria ihr Kind zur Welt brachte, musste sie die beschwerliche Reise nach Betlehem auf sich nehmen. Kaum war Jesus geboren, folgte bereits die nächste große Belastung: die Flucht nach Ägypten. Angst, Unsicherheit und Entbehrung begleiteten den Beginn dieses Familienlebens.

Von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten erzählt eine schöne, fast kindliche Legende, in der auch der Esel eine Rolle spielt. Er trug Maria mit dem Jesuskind und vieles andere Gepäck. Als sie unterwegs Rast machten, merkte der Esel, dass Josef in der Eile des Aufbruchs vergessen hatte, für ihn Heu mitzunehmen. Hungrig und erschöpft beschwerte er sich bitter. Da er wusste, dass das göttliche Kind die Sprache der Tiere versteht, klagte er ihm sein Leid: Immer schleppe ich schwere Lasten, und niemand denkt daran, dass auch ich Hunger habe.

Schließlich knurrte sein Magen so laut, dass Josef erschrocken meinte, ein wildes Tier sei in der Nähe. In einem unbeobachteten Moment brach das Kind eine Distel ab – mehr gab es dort nicht – und bot sie dem Esel an. Der war beleidigt und murrte: Na gut, ich werde sie fressen – nur weil du das göttliche Kind bist und es gut mit mir meinst. Aber diese Distel wird mich verletzen, und ich werde sterben. Dann seht zu, wie ihr ohne mich nach Ägypten kommt!

Wütend biss er in das Kraut. Doch es war nicht hart, sondern schmeckte süß und gut. Der Esel wurde ganz still. Er vergaß seinen Ärger, schaute das Kind an und legte die Ohren an – ein Zeichen, das bei ihm dasselbe bedeutete, wie wenn wir Menschen die Hände zum Gebet falten. Und so sprach er, in seiner Eselssprache, die das Jesuskind verstand, ein inniges Dankgebet.

Was will uns diese Geschichte sagen?

Der Esel ist hungrig und bekommt etwas, das ihm zunächst nicht gefällt. Doch aus Vertrauen und aus Liebe nimmt er es an – und erfährt, dass es ihm guttut. Vergleichen wir den lastentragenden Esel mit uns selbst. In jeder Familie gibt es Belastungen. Manche tragen schwer an Arbeitslosigkeit oder finanziellen Sorgen. Kinder leiden, wenn Eltern sich nicht mehr verstehen, wenn Streit den Alltag bestimmt. Andere sind belastet durch Krankheit, Einsamkeit oder Ausgrenzung. Jede Familie kennt solche „Lasten“, die getragen werden müssen.

Manchmal gelingt es, darüber zu sprechen und sich gegenseitig zu stützen. Und manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die uns helfen – so wie die Distel. Sie war kein saftiges Heu, aber sie wurde süß. Darum wollen wir die Augen öffnen für kleine Zeichen der Liebe, für unscheinbare Gesten, die Kraft schenken.

Die Distel sagt uns aber noch etwas anderes: Oft meinen wir vorschnell, dass uns etwas nicht guttut, bevor wir es wirklich angenommen haben. Wir weisen Ratschläge zurück, lehnen Hilfe ab oder verschließen uns vor neuen Wegen. Manchmal aber lohnt es sich, etwas auszuprobieren. Vielleicht entdecken wir dann, dass es uns doch stärkt – so wie der Esel, der die Distel kostete.

Und schließlich lernen wir vom Esel noch etwas ganz Wichtiges: das Danken. Sein Dankgebet erinnert uns daran, wie oft wir vergessen, Danke zu sagen – in unseren Familien, im Alltag, Gott gegenüber. Dabei gibt es immer Gründe zur Dankbarkeit, auch wenn nicht alles leicht ist.

Die Heilige Familie ist uns darin Vorbild. Sie haben die Strapazen der Reise getragen, sie sind nicht verzagt angesichts der Flucht. Trotz aller Belastungen war Frieden in dieser Familie, weil Gott im Mittelpunkt stand. Maria und Josef waren dankbar für die Geburt ihres Kindes, für die Geschenke der Weisen, für alles, was Gott an ihnen wirkte. Von Maria heißt es, sie bewahrte alles in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

So wollen auch wir uns neu an das Danken erinnern: an das Gebet, an das Staunen über die Geheimnisse Gottes, die wir in diesen Tagen feiern. Gott ist Mensch geworden, einer von uns, um uns zu retten. Er ist Mensch geworden, um uns Frieden zu bringen.

 

Bewahren wir diesen Frieden in unseren Herzen und Familien – dann können wir ihn auch nach außen ausstrahlen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2026