Dreifaltigkeitssonntag 2026 A
Messtexte | Word-Dokument
Am heutigen Dreifaltigkeitssonntag möchte ich über etwas sprechen, das wir alle kennen und doch oft zu wenig beachten: das Kreuzzeichen.
Vielleicht denkt man zunächst: Darüber gibt es doch nichts Besonderes zu sagen. Jeder kann das Kreuzzeichen. Aber gerade das Selbstverständliche verliert leicht seine Tiefe. Oft machen wir das Kreuzzeichen hastig oder gedankenlos – und vergessen, dass es eigentlich schon ein Gebet ist.
Es gibt dazu eine kleine Begebenheit: Ein junges Mädchen bereitete sich auf die Taufe vor und sagte stolz zum Priester: „Ich kann schon das Kreuzzeichen!“ Der Priester freute sich und bat sie, es vorzumachen. Das Mädchen machte eine völlig ungewöhnliche Handbewegung. Verwundert fragte der Priester: „Wo hast du das denn gelernt?“ Das Mädchen antwortete: „Ich habe die Katholiken genau beobachtet und einfach nachgemacht.“
Diese Geschichte ist lustig, aber sie regt auch zum Nachdenken an. Wie machen eigentlich wir unser Kreuzzeichen? Mit Ehrfurcht? Mit Bewusstsein? Oder nur aus Gewohnheit?
Wir kennen das kleine und das große Kreuzzeichen.
Das kleine Kreuzzeichen machen wir vor dem Evangelium auf Stirn, Mund und Brust. Kindern erklärt man es manchmal mit einem einfachen Satz: „Ich denke an dich. Ich erzähle von dir. Ich spüre: Du bist bei mir.“
Das große Kreuzzeichen führen wir von der Stirn zur Brust und von einer Schulter zur anderen. Dabei sprechen wir die Worte: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Schon darin liegt unser ganzer Glaube zusammengefasst: das Bekenntnis zur Heiligsten Dreifaltigkeit.
Darum ist das Kreuzzeichen nicht bloß ein Anfang oder Abschluss des Gebetes. Es ist selbst Gebet. Es ist ein Bekenntnis zu Gott. Wir beginnen damit die heilige Messe und empfangen am Ende den Segen. Wir machen es beim Betreten und Verlassen der Kirche mit Weihwasser. Das Weihwasser erinnert uns an unsere Taufe.
Schon dem Täufling wird das Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet. Und auch am Ende unseres Lebens begegnet uns dieses Zeichen wieder. Beim Begräbnis spricht der Priester: „Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, sei aufgerichtet über deinem Grab.“
So begleitet uns das Kreuzzeichen vom Anfang unseres Lebens bis zu unserem Tod.
Auch bei der Krankensalbung wird der Mensch mit dem Kreuz bezeichnet. Das Kreuz ist Zeichen des Trostes, der Hoffnung und der Nähe Gottes.
Im Mittelpunkt des Kreuzzeichens steht Jesus Christus. Er hat das Kreuz getragen und uns durch sein Kreuz erlöst. Darum singt die Kirche am Karfreitag: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.“
Das Kreuz ist daher nicht nur ein Erinnerungszeichen. Es ist ein Zeichen des Sieges Christi über Sünde und Tod. Darum war das Kreuzzeichen für Christen zu allen Zeiten auch ein Schutzzeichen gegen das Böse.
Wenn ein Mensch getauft wird, dann bedeutet das: Dieser Mensch gehört Christus. Er gehört nicht mehr der Macht der Finsternis, sondern Gott. So wie ein Brandzeichen früher zeigte, wem ein Tier gehört, so spricht Gott in der Taufe gewissermaßen zu jedem Menschen: „Du gehörst mir.“
Und dieser Gott, zu dem wir gehören, ist die Heiligste Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gott ist keine einsame Macht. Gott ist ewige Liebe. Drei göttliche Personen leben in vollkommener Einheit und Liebe miteinander.
Zu dieser Liebe sind auch wir berufen. Darum machen wir das Kreuzzeichen nicht nur mit der Hand, sondern eigentlich mit unserem ganzen Leben.
Achten wir heute in der heiligen Messe einmal bewusst darauf, wie oft die Dreifaltigkeit in den Gebeten genannt wird. Wir werden staunen, wie sehr unser ganzer Glaube von diesem Geheimnis durchdrungen ist.
Machen wir also unser Kreuzzeichen künftig langsamer, bewusster und mit größerer Ehrfurcht. Denn jedes Kreuzzeichen erinnert uns daran: Wir gehören dem dreifaltigen Gott. Amen.
