1. Fastensonntag 2026 A
Messtexte | Word-Dokument
Am ersten Fastensonntag hören wir jedes Jahr das Evangelium von den Versuchungen Jesu in der Wüste – wie es uns der Evangelist Matthäus berichtet (vgl. Mt 4,1–11). Gleich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens wird Jesus in die Wüste geführt. Dort tritt der Versucher an ihn heran. Er will ihn vom Weg des Vaters abbringen, ihn zu Fall bringen.
1. Die Versuchung des Brotes – Maßlosigkeit und innere Leere
Die erste Versuchung lautet: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“
Der Mensch braucht Nahrung. Hunger ist etwas Reales, etwas Drängendes. Doch wir kennen auch das „Zuviel“ – die Maßlosigkeit. Essen und Trinken können zu einem Ersatz werden: Wir versuchen, innere Leere zu füllen, Frust hinunterzuschlucken, Enttäuschungen zu betäuben. Manche greifen zum Alkohol, um Sorgen für einen Moment zu vergessen.
Jesus aber antwortet mit einem Wort aus der Heiligen Schrift:
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“
Damit zeigt er uns: Der Mensch hat nicht nur einen Leib, sondern auch eine Seele. Wir dürfen genießen, wir dürfen dankbar sein für gutes Essen – aber wir sollen Maß halten. Nahrung darf nicht zum Trostpflaster für eine verwundete Seele werden. Was unser Herz wirklich nährt, ist Gottes Wort.
2. Die Versuchung der Selbstdarstellung – Stolz und religiöse Überheblichkeit
In der zweiten Versuchung fordert der Satan Jesus auf, sich vom Tempel herabzustürzen. Engel sollen ihn retten. Es geht um Sensation, um Aufmerksamkeit, um Beifall. Jesus soll seine Vollmacht missbrauchen, um Eindruck zu machen.
Auch diese Gefahr ist uns nicht fremd. Wie leicht wollen wir gut dastehen, bewundert werden, andere übertreffen. Wir überlegen, wie wir ankommen, wie wir wirken, wie wir Applaus bekommen.
Selbst im Religiösen kann sich Stolz einschleichen: Wir bilden uns etwas ein auf unsere Gebete, auf unsere guten Werke, auf unser Fasten. Vielleicht schauen wir dabei innerlich auf andere herab.
Jesus antwortet klar: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“
Gott ist nicht dazu da, unsere Eitelkeit zu stützen. Glaube ist kein Mittel zur Selbstinszenierung, sondern Hingabe und Vertrauen.
3. Die Versuchung von Macht und Besitz – der falsche Glanz
In der dritten Versuchung zeigt der Teufel Jesus alle Reiche der Welt und verspricht sie ihm – wenn er ihn anbetet. Macht, Einfluss, Reichtum: Sie üben eine starke Anziehung aus. Sie können wie ein Sog wirken, der uns unmerklich hineinzieht.
Auch wir kennen die Sehnsucht nach Sicherheit durch Besitz, nach Einfluss, nach Kontrolle. Doch Macht und Geld sind nicht der Weg Jesu – und sie sind nicht der Weg der Kirche. Wer Jesus nachfolgt, weiß: Nicht Besitz und nicht Erfolg sind das Ziel.
Jesus antwortet: „Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“
Alles andere wird zum Götzendienst. Der Kampf bleibt – aber wir sind nicht allein
In allen drei Versuchungen beruft sich Jesus auf die Heilige Schrift. Er bleibt im Wort Gottes verankert. So widersteht er dem Bösen.
Auch wir stehen im Kampf zwischen Gut und Böse. Das Böse darf nicht unterschätzt werden. Der Versucher ist raffiniert. Er tarnt sich. Er erscheint – wie es der Apostel sagt – als Engel des Lichtes. Das Verbotene wird attraktiv verpackt. Die Frucht wirkt schön und verlockend – doch es steckt der verbotene Baum dahinter und das unerlaubte Essen im Paradies führte weg von Gott.
Der Blick auf Jesus schenkt uns Mut. Er ist versucht worden wie wir – und hat standgehalten. Doch der Kampf war nicht einmalig. Nach der Wüste wich der Teufel nur „für eine gewisse Zeit“. Spätestens im Garten Getsemani, am Vorabend seines Leidens, musste Jesus erneut in Angst und innerem Ringen den Willen des Vaters annehmen.
So ist es auch bei uns: Die Versuchung ist nie endgültig überwunden. Der Sieg ist kein Besitz, sondern eine tägliche Entscheidung. Immer neu sind wir gerufen, uns für Gott zu entscheiden.
Die Fastenzeit ist eine besondere Zeit der Wachsamkeit. Jetzt gilt es, dem Bösen zu widersagen, falsche Wege zu verlassen, uns von ungeordneten Neigungen zu lösen und umzukehren. Das schaffen wir nicht aus eigener Kraft. Aber wir dürfen auf Gottes Hilfe vertrauen.
Wenn wir fallen, dürfen wir wieder aufstehen. Wenn wir schwach sind, dürfen wir zu Christus fliehen. Er ist unsere Stärke.
Bitten wir ihn, dass sein Wort in uns lebendig bleibt und uns trägt – heute und alle Tage. Amen.
