3. Fastensonntag 2026 A
Messtexte | Word-Dokument
Zwei Sätze aus dem heutigen Evangelium leuchten besonders hell auf. Der erste lautet: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird nicht mehr durstig sein.“
Der zweite: „Die Stunde kommt, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit.“
Beide Worte führen uns mitten hinein in das Herz unseres Glaubens.
1. Das Evangelium berichtet von der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Wasser ist dort nicht nur ein äußeres Thema – es ist ein Bild für das Leben selbst.
Wasser ist lebensnotwendig. Ohne Wasser können wir nicht leben. Wir brauchen es zum Trinken, zum Reinigen, zum Kochen, zum Wachsen der Pflanzen. Wo Wasser fehlt, entsteht Wüste.
Schon auf den ersten Seiten der Bibel begegnet uns das Wasser: „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“ Aus dem Chaos der Urflut schafft Gott eine gute, geordnete Welt. Wasser ist Ursprung des Lebens – und zugleich kann es Gericht bedeuten, denken wir an die Sintflut und die Arche Noachs.
Als das Volk Israel durch die Wüste zog, schenkte Gott Wasser aus dem Felsen. Als Mose mit dem Stab auf den Felsen schlug, strömte Wasser hervor – ein Zeichen: Gott lässt sein Volk nicht verdursten.
Im Neuen Testament wird dieses Bild vertieft: Im ersten Kapitel des Johannesevangeliums tauft Johannes der Täufer im Jordan zur Umkehr.
Im zweiten Kapitel verwandelt Jesus bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein – ein Hinweis auf die Fülle des neuen Bundes.
Im dritten Kapitel spricht Jesus mit Nikodemus über die Wiedergeburt „aus Wasser und Geist“.
Und nun, im vierten Kapitel, begegnet Jesus der Samariterin am Brunnen. Sie kommt mit ihrem leeren Krug – und ahnt nicht, dass sie selbst innerlich durstig ist. Jesus spricht sie auf ihren tieferen Durst an: den Durst nach Liebe, Anerkennung, Sinn, Vergebung.
Dieses lebendige Wasser ist nicht gewöhnliches Wasser. Es ist die Gnade Gottes. Es ist das neue Leben im Heiligen Geist. Es ist die Gemeinschaft mit Christus selbst.
In der heiligen Taufe wird dieses Wasser über uns ausgegossen. Äußerlich ist es schlichtes Wasser – innerlich aber reinigt es unsere Seele und schenkt neues Leben. Doch auch nach der Taufe bleibt in uns eine Sehnsucht: die Sehnsucht nach der ewigen Gemeinschaft mit Gott. Erst im Himmel wird dieser Durst ganz gestillt.
Der zweite Höhepunkt des Evangeliums lautet: „Die Stunde kommt, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit.“
Mit „Geist“ meint Jesus den Heiligen Geist. Mit der „Wahrheit“ meint er sich selbst. Später wird er sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Hier klingt bereits das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit an: Wir beten den Vater an, durch den Sohn, im Heiligen Geist.
Jesus hebt damit nicht die heiligen Orte auf. Er sagt nicht: Tempel und Kirchen sind überflüssig. Ja, wir können überall beten – zu Hause, auf der Straße, in der Natur. Aber die wahre Anbetung geschieht dort in besonderer Weise, wo Christus sakramental gegenwärtig ist.
Wenn wir die heilige Messe feiern, wird Brot und Wein gewandelt. Christus schenkt sich uns im eucharistischen Brot. Dort ist er wahrhaft gegenwärtig – Leib und Blut, Seele und Gottheit. Darum sind unsere Kirchen nicht bloß Versammlungsräume, sondern Orte der Gegenwart Gottes.
Anbetung im Geist und in der Wahrheit bedeutet also: nicht nur äußerliche Riten, nicht nur Worte mit den Lippen, sondern ein Herz, das vom Heiligen Geist erfüllt ist und sich in Christus dem Vater schenkt.
Als Jesus am Brunnen um Wasser bittet, zeigt er seine menschliche Bedürftigkeit. Doch zugleich offenbart sich darin etwas Tieferes: Er dürstet nach dem Glauben dieser Frau. Er dürstet nach ihrer Liebe.
Am Kreuz wird er erneut rufen: „Mich dürstet!“ Dieser Durst ist mehr als körperlicher Durst. Es ist die Sehnsucht Gottes nach dem Menschen.
Die Menschen reichten ihm Essig. Geben wir ihm nicht den Essig unserer Gleichgültigkeit, unserer Halbherzigkeit, unseres kalten Herzens. Geben wir ihm das Wasser unserer Liebe, unseres Glaubens, unserer Hingabe.
Wenn wir heute zur Eucharistie gehen, wenn wir vor dem Tabernakel knien, wenn wir im Gebet unser Herz öffnen, dann stillen wir ein wenig seinen Durst – und zugleich stillt er den unseren.
Denn wer von dem Wasser trinkt, das Christus schenkt, wird in Ewigkeit nicht mehr durstig sein. Amen.
