Fronleichnam A 2026
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Fronleichnam 2026 A

Messtexte | Word-Dokument

Heute an Fronleichnam gehen wir hinaus mit unserer Messerermonstranz und ziehen durch unsere Stadt. Wir tragen Jesus Christus mitten hinein in unseren Alltag, auf unsere Straßen und Plätze. Und wir bitten: Herr, segne unsere Häuser, unsere Familien, unsere Stadt! Gott möge uns beschützen. Bei jedem Altar wird der Priester Station machen und den Segen erteilen. Aber warum tun wir das eigentlich jedes Jahr? Der Priester segnet doch auch bei jeder heiligen Messe. Offenbar gibt es verschiedene Formen und Zeichen des Segens.

Auch nächste Woche bei der Einkaufsnacht wollen wir hier in der Kirche den Segen anbieten unter dem Motto: „Segen findet Stadt“. Das zeigt: Der Mensch braucht den Segen. Vielleicht mehr denn je.

Machen wir uns also einmal Gedanken darüber: Was heißt eigentlich segnen?

Das lateinische Wort für segnen heißt „benedicere“. Wörtlich übersetzt bedeutet es: „dem anderen Gutes sagen“. Segnen heißt also: einem Menschen Gutes zusprechen, ihm Gottes Nähe wünschen, ihm Leben und Schutz erbitten.

Schon bei der Taufe wird das Kind mit dem Kreuzzeichen gesegnet. Eigentlich kann jeder Christ segnen, weil jeder Getaufte Anteil an Christus hat. Früher war das viel selbstverständlicher: Eltern segneten ihre Kinder am Abend mit Weihwasser und einem Kreuzzeichen auf der Stirn. Was für ein schönes Zeichen! Es erinnert an die Taufe und sagt: Du bist nicht allein. Gott geht mit dir.

Wenn wir sagen: „Jesus segne dich“ oder „Gott beschütze dich“, dann sprechen wir dem anderen etwas Gutes zu. Wir wünschen ihm Licht, Frieden und Bewahrung.

Der Priester hat dabei einen besonderen Auftrag. Nach der Priesterweihe spricht man vom sogenannten Primizsegen des Neupriesters. Früher sagte man sogar: Man müsse sich ein Paar Schuhe durchlaufen, um so einen besonderen Segen zu bekommen.

Wenn der Priester in der heiligen Messe mit der Hand segnet, dann knien wir nieder, weil wir Empfangende sind. Wir öffnen uns für Gottes Gnade.

Wenn der Priester die Hände ausbreitet und singend segnet, bekommt der Segen noch mehr Feierlichkeit und Würde.

Wenn bis Erntedank der Wettersegen mit der Kreuzreliquie gespendet wird, dann bitten wir Gott besonders um Schutz für die Felder, für die Natur und für unsere Arbeit.

Und wenn der Priester mit der Monstranz segnet, dann hält er Christus selbst in den Händen. Dann wird noch sichtbarer: Nicht der Priester segnet aus eigener Kraft. Christus segnet. Jesus geht mit uns. Jesus schaut auf unsere Stadt und auf unser Leben.

Es gibt also verschiedene Zeichen und Formen des Segens. Das Gegenteil davon wäre: verfluchen, verwünschen, dem anderen Böses wünschen.

Aber wir brauchen keine Angst zu haben vor dieser Dunkelheit oder bösen Worten. Ich habe es schon erlebt, dass jemand kam und sagte: „Jemand hat mich verwünscht. Ich habe Angst. Mir geht es schlecht.“ Dann versuche ich die Person immer zu trösten und sage: Gott ist stärker als alles Böse. Christus hat den Tod und die Macht der Finsternis besiegt.

Wir haben die Heiligen, die Engel und vor allem Gott auf unserer Seite. Wenn wir die Kraft der Sakramente suchen, wenn wir beichten, beten und uns in der heiligen Kommunion mit Jesus verbinden, dann tragen wir ein geistliches Schutzschild.

Licht ist stärker als die Dunkelheit. Wenn wir in einem finsteren Raum eine Kerze anzünden, dann muss die Finsternis weichen.

Und genau deshalb gehen wir heute hinaus mit Jesus in der Monstranz. Wir tragen das Licht Christi in unsere Stadt hinein. Wir wollen nicht Angst verbreiten, sondern Hoffnung. Nicht Dunkelheit, sondern Licht. Nicht Fluch, sondern Segen.

Vielleicht ist das heute wichtiger denn je: dass Menschen einander wieder öfter Gutes sagen. Dass wir nicht ständig schlecht übereinander reden, sondern einander aufrichten. Dass wir unsere Kinder segnen, unseren Kranken Trost zusprechen, unseren Familien Frieden wünschen.

Bitten wir den Herrn heute an Fronleichnam in besonderer Weise: Segne unsere Stadt. Segne unsere Familien. Segne die Kranken und Einsamen. Segne alle, die Angst haben. Segne unsere Arbeit und unseren Glauben.

Und machen wir uns bewusst: Wo Christus ist, dort wächst Hoffnung. Wo Christus ist, dort weicht die Dunkelheit. Wo Christus ist, dort ist Segen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2026