Christi Himmelfahrt A 2026
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Christi Himmelfahrt 2026 A

Messtexte | Word-Dokument

In der Lesung aus der Apostelgeschichte, die uns der heilige Lukas überliefert hat, hörten wir, wie sich die Himmelfahrt Jesu ereignet hat. Lukas beschreibt die Haltung der Apostel in diesem Augenblick: Als Jesus vor ihren Augen emporgehoben wurde und eine Wolke ihn ihren Blicken entzog, standen sie da und schauten unverwandt zum Himmel empor. Da traten zwei Männer in weißen Gewändern zu ihnen und fragten: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“

Diese Szene erinnert uns an den Ostermorgen. Auch damals erschienen zwei Männer in leuchtenden Gewändern und stellten den Frauen eine Frage: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Der Evangelist berichtet: „Die Frauen erschraken und blickten zu Boden.“ Ihr Blick war von Angst, Trauer und Unsicherheit geprägt.

Heute aber, am Fest der Himmelfahrt, schauen die Jünger nach oben. Und obwohl auch dies ein Abschied ist, finden wir keine Verzweiflung bei ihnen. Im Gegenteil: Das Evangelium sagt uns: „Mit großer Freude kehrten sie nach Jerusalem zurück.“ Warum? Weil sie verstanden haben: Jesus verlässt sie nicht wirklich. Er geht zum Vater, aber er lässt die Seinen nicht allein. Er verheißt ihnen den Heiligen Geist, den Beistand, der ihnen Mut, Kraft und Zuversicht schenken wird.

Auch wir müssen deshalb nicht mutlos werden. Christus bleibt bei uns.

Doch wohin richtet sich unser Blick?

Manchmal schauen wir nach oben zum Himmel. Wir sehnen uns nach dem ewigen Glück bei Gott, nach einem Leben ohne Leid und ohne Schmerz. Diese Sehnsucht ist etwas Gutes und Heiliges.

Oft aber schauen wir auch nach unten. Natürlich müssen wir darauf achten, wohin wir gehen, damit wir nicht stolpern oder vom richtigen Weg abkommen. Aber unser Blick darf nicht ein ängstlicher und bedrückter Blick sein, der uns lähmt und mutlos macht.

Ebenso wenig sollen wir ständig zurückschauen. Der Blick zurück ist oft voller Sorgen: Habe ich Fehler gemacht? Was wird aus mir? Verfolgt mich die Vergangenheit? Wer dauernd zurückblickt, verliert leicht den Mut für den Weg nach vorne.

Darum lädt uns Christus ein, den Blick nach vorne zu richten — mit Hoffnung, Vertrauen und Zuversicht. Denn er geht uns voraus.

Im heutigen Evangelium hören wir die letzten Worte Jesu vor seiner Himmelfahrt. Und dabei fällt ein Wort immer wieder auf: das Wort „alle“.

Jesus spricht vom Ganzen — von der Fülle seines Heils.

Erstens sagt er: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.“

Jesus ist der wahre Herr der Welt. Das ist ein großer Trost. Denn auf dieser Erde erleben wir viele Mächtige, die ihre Macht missbrauchen, Kriege führen und Menschen unterdrücken. Doch ihre Macht ist begrenzt. Christus allein besitzt die wahre und endgültige Herrschaft. Deshalb brauchen wir keine Angst zu haben.

Zweitens sagt Jesus: „Geht zu allen Völkern.“

Die Frohe Botschaft ist nicht nur für wenige bestimmt. Alle Menschen sollen erfahren, dass Christus lebt und dass er sie liebt. Darum sendet Jesus auch uns aus. Nicht mit Zwang oder Härte, sondern mit Liebe, Geduld und glaubwürdiger Freude sollen wir Zeugnis geben.

Drittens sagt der Herr: „Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“

Wir dürfen die Botschaft Jesu nicht verkürzen. Zum christlichen Leben gehören nicht nur die schönen und leichten Seiten. Liebe bedeutet manchmal Opfer, Geduld, Vergebung und Treue auch in schweren Zeiten. Der Weg Christi ist nicht immer bequem — aber er führt zum Leben.

Und schließlich sagt Jesus: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Was für ein tröstliches Wort! Christus kommt nicht nur manchmal zu uns. Er bleibt bei uns — jeden Tag unseres Lebens. In Freude und Leid, in Stärke und Schwäche, in Hoffnung und Angst. Das kann nur Gott selbst versprechen.

Diese Worte Jesu umfassen den ganzen Menschen: Leib und Seele, Gegenwart und Zukunft, Erde und Himmel. Darum konnten die Apostel mit Freude weitergehen.

Damals entzog eine Wolke Jesus ihren Blicken. Auch wir sehen ihn heute nicht mit unseren leiblichen Augen. Und doch ist er da — verborgen in der Eucharistie, gegenwärtig in seinem Wort, lebendig in seiner Kirche.

Das ist das Geheimnis unseres Glaubens. Dieses Geheimnis dürfen wir jetzt miteinander feiern. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2026