10. Sonntag im Jahreskreis 2026 A
Messtexte | Word-Dokument
In einer spanischen Kirche wird ein altes Kreuz verehrt. Das Besondere daran ist: Der rechte Arm Christi hat sich vom Kreuz gelöst und neigt sich herab. Dazu erzählt man folgende Geschichte:
Ein großer Sünder kam unter diesem Kreuz zur Beichte. Seine Schuld war schwer, und der Priester zögerte lange, ihm die Lossprechung zu erteilen. Schließlich sprach er ihn doch los, verbunden mit der ernsten Mahnung, nicht mehr zu sündigen. Der Mann versprach es aufrichtig. Eine Zeit lang hielt er durch, doch dann fiel er wieder in seine alten Fehler zurück.Voller Reue kehrte er erneut in den Beichtstuhl zurück. Wieder rang der Priester mit sich, ehe er die Absolution erteilte. Dabei sagte er streng: „Diesmal ist es aber wirklich das letzte Mal!“ Doch nach längerer Zeit wurde der arme Sünder abermals schwach. Wieder kam er reumütig zur Beichte. Jetzt aber zeigte sich der Priester hart: „Nein, jetzt ist es genug. Du fällst immer wieder in dieselben Sünden zurück. Deine Reue kann nicht echt sein.“ Der Mann flehte um Vergebung und beteuerte seine ehrliche Reue. Doch der Priester blieb unerbittlich: „Für dich gibt es keine Verzeihung mehr.“ Da ertönte plötzlich ein klagender Laut vom Kreuz her. Der Priester blickte erschrocken auf und sah, wie sich die rechte Hand Christi vom Nagel löste und das Zeichen der Lossprechung machte. Zugleich hörte er die Worte: „Du hast dein Blut nicht für ihn vergossen.“
Liebe Gläubige, diese Geschichte zeigt uns etwas vom Herzen Jesu. Christus ist der barmherzige Heiland. Er ist gekommen, um Sünder zu retten.
Genau das sehen wir heute im Evangelium. Für die Juden jener Zeit war ein Zöllner ein Mensch von schlechtem Ruf: einer, der mit den römischen Besatzern zusammenarbeitete und oft mehr Steuern eintrieb, als erlaubt war, um sich selbst zu bereichern. Ein Zöllner galt als Sünder und Verräter. Und gerade einen solchen Menschen ruft Jesus in seine Nachfolge: „Folge mir nach!“ Wie hätten wir gehandelt? Hätten wir einem solchen Menschen Vertrauen geschenkt?
Jesus bleibt nicht bei der bloßen Berufung des Matthäus stehen. Er geht sogar mit ihm zum Essen. Matthäus lädt aus Freude seine Freunde ein — Zöllner und andere Sünder. Für die Pharisäer war das ein Skandal. Ein frommer Lehrer durfte sich ihrer Meinung nach mit solchen Leuten nicht einlassen.
Doch Jesus antwortet ihnen: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. … Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“
Der Herr schaut nicht zuerst auf die Vergangenheit eines Menschen, sondern auf sein Herz. Er sieht die Sehnsucht nach Umkehr. Er gibt keinen Menschen verloren.
Matthäus hat diese Liebe Jesu erfahren — und sie hat sein Leben verändert. Er blieb dem Herrn treu und wurde Apostel und Evangelist. Gerade er hat uns das Evangelium überliefert, in dem die Güte und Menschenfreundlichkeit Christi so deutlich aufleuchtet.
Diese Milde Christi gilt auch uns. Jesus verachtet keinen Menschen. Niemand ist für ihn zu weit abgeirrt. Niemand ist ausgeschlossen von seiner Liebe. Er hat ein Herz für die Schwachen, die Verachteten, die Kranken, die Sünder und Ausgestoßenen.
Darum hat er sein Herz am Kreuz öffnen lassen. Aus seiner durchbohrten Seite flossen Blut und Wasser — Zeichen der Erlösung und der Sakramente der Kirche.
Im Monat Juni verehrt die Kirche in besonderer Weise das Heiligste Herz Jesu. Das Herz ist Sinnbild der Liebe. Barmherzig ist der Mensch, der ein Herz für andere hat. Christus hat uns diese göttliche Barmherzigkeit vollkommen vorgelebt.
Darum wollen wir heute voll Vertrauen zu ihm kommen — mit unseren Sünden, unserer Schwäche und unseren inneren Kämpfen. Der Herr weist niemanden ab, der reumütig zu ihm kommt.
Verehren wir dankbar das Herz Jesu, das aus Liebe für uns durchbohrt wurde, damit wir das Leben haben. Amen.
