15. Sonntag im Jahreskreis 2026 A
Messtexte | Word-Dokument
In der Lesung an die Gemeinde in Rom kommt heute zweimal das Wort seufzen vor. Es gibt wohl keinen Menschen, der nicht irgendwann einmal seufzt. Manchmal ist es nur ein kurzer Moment der Erschöpfung. Manchmal steckt dahinter eine schwere Krankheit, der Verlust eines geliebten Menschen, Einsamkeit oder die Last der Sorgen. Unser Leben kennt viele schöne Augenblicke – aber es kennt eben auch Leid, Schmerz und Vergänglichkeit.
Der Apostel Paulus verschließt davor nicht die Augen. Er spricht in seinem Brief ganz offen von den „Leiden der gegenwärtigen Zeit“. Er weiß, dass das Leben nicht einfach ist. Er selbst hat Verfolgung, Krankheit und Not erfahren. Und doch sagt er voller Überzeugung: „Die Leiden der gegenwärtigen Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.“
Das ist keine billige Vertröstung. Paulus sagt nicht, dass unser Leid unwichtig wäre. Er sagt vielmehr: Das Ziel, das Gott für uns bereithält, der Himmel, ist so unendlich groß und schön, dass selbst die schwersten Leiden dieser Welt daneben verblassen.
Für Christen endet die Geschichte nicht am Grab. Gott hat uns nicht für die Vergänglichkeit geschaffen, sondern für das ewige Leben. Dort wird es keine Schmerzen mehr geben, keine Krankheit, keine Tränen, keine Angst und keinen Tod. Alles, was unser Herz heute belastet, wird überwunden sein. Wir werden Gott von Angesicht zu Angesicht schauen, in seiner Liebe vollkommen geborgen sein und unendlich glücklich sein.
Diese Hoffnung trägt Christen seit den ersten Jahrhunderten. Sie gibt Kraft, wenn das Leben schwer wird. Sie schenkt Trost, wenn wir Abschied nehmen müssen. Denn wir wissen: Das Letzte ist nicht das Leid, sondern die Herrlichkeit Gottes.
Doch Paulus geht noch einen Schritt weiter. Nicht nur wir Menschen warten auf die Erlösung. Die ganze Schöpfung wartet mit uns.
Er beschreibt die Schöpfung fast wie einen Menschen. Sie seufzt. Sie leidet. Sie befindet sich in Geburtswehen. Wie treffend ist dieses Bild! Es stimmt. Wir erleben eine Welt voller Schönheit – und zugleich eine Welt voller Vergänglichkeit: Pflanzen verwelken, Tiere sterben, Naturkatastrophen erschüttern die Erde. Alles Geschaffene trägt die Spuren dieser Vergänglichkeit.
Aber Paulus sagt: Auch die Schöpfung lebt aus der Hoffnung. Sie wartet auf den Tag, an dem Gott alles neu machen wird. In der Offenbarung spricht Johannes von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Nicht nur der Mensch wird erlöst werden, sondern die ganze Schöpfung wird von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit und Anteil erhalten an der Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Das ist eine wunderbare Perspektive, ein wunderschöner Gedanke. Gottes Heilsplan umfasst nicht nur einzelne Menschen, sondern seine ganze Schöpfung. Alles, was aus seiner Hand hervorgegangen ist, soll zur Vollendung gelangen.
Aber wir seufzen noch. Obwohl wir den Heiligen Geist empfangen haben, sind wir noch unterwegs. Unser Glaube nimmt uns das Leid nicht einfach weg. Christen werden krank, erleben Enttäuschungen und müssen sterben wie alle Menschen.
Aber wir leben, wie gesagt, nicht ohne Hoffnung. Wir wissen, dass jedes Seufzen dieser Welt einmal verstummen wird. Jeder Schmerz wird geheilt. Jede Träne wird abgewischt. Unser sterblicher Leib wird verwandelt werden in einen Leib der Herrlichkeit. Das Leben wird über den Tod siegen, weil Christus den Tod bereits besiegt hat.
Darum dürfen wir schon heute mit Zuversicht leben. Wir müssen uns nicht von Angst oder Hoffnungslosigkeit bestimmen lassen. Wir dürfen das Gute tun, die Schöpfung achten und bewahren und den Menschen mit unserem gelebten Glauben Hoffnung schenken. Denn wir wissen, wohin unser Weg führt.
Paulus lädt uns ein, den Blick über das Heute und Jetzt hinaus zu richten. Unsere gegenwärtigen Leiden sind nicht das letzte Wort. Das letzte Wort spricht Gott. Und dieses Wort lautet Leben.
Bitten wir den Herrn, dass er unseren Glauben an das ewige Leben stärkt. Wir dürfen seufzen, aber in der Hoffnung. Vergessen wir nie: Für uns und für die ganze Schöpfung ist eine Zukunft bereitet, in der es keine Vergänglichkeit mehr gibt, sondern nur noch die Freiheit, die Herrlichkeit und die ewige Freude bei Gott. Amen.
