16. Sonntag im Jahreskreis 2026 A
Messtexte | Word-Dokument
Heute feiern wir den Christophorus-Sonntag und ehren den heiligen Christophorus, den Patron der Reisenden, Pilger und aller Verkehrsteilnehmer.
Der Name Christophorus bedeutet: Christusträger. Dieser Name sollte eigentlich das Lebensprogramm eines jeden Christen sein. Denn jeder Getaufte ist berufen, Christus zu tragen und zu den Menschen zu bringen. Die Legende des heiligen Christophorus zeigt uns, dass dies weit mehr bedeutet, als Christus nur äußerlich oder gleichsam körperlich zu tragen. Rufen wir uns diese alte Erzählung in Erinnerung.
Christophorus war ein Mann von außergewöhnlicher Stärke und gewaltiger Gestalt. Er fasste den Entschluss, dem mächtigsten Herrscher der Welt zu dienen, und machte sich auf die Suche nach ihm.
Zunächst fand er einen König, von dem man sagte, es gebe keinen größeren und mächtigeren Fürsten auf Erden. Der König nahm ihn gerne in seinen Dienst auf. Eines Tages aber sang ein Spielmann am Hof ein Lied, in dem immer wieder der Name des Teufels vorkam. Jedes Mal, wenn der König diesen Namen hörte, bekreuzigte er sich voller Furcht.
Christophorus beobachtete dies und dachte bei sich: „Dieser König kann nicht der Mächtigste sein, wenn er Angst vor dem Teufel hat.“
So machte er sich auf die Suche nach dem Teufel. Unterwegs begegnete er einer Schar von Rittern, und zu dem wildesten und furchterregendsten unter ihnen sagte er: „Ich suche den Herrn der Welt.“ Der Ritter antwortete: „Ich bin derjenige, den du suchst.“
Sogleich schloss sich Christophorus ihm an und diente ihm. Doch als sie gemeinsam weiterzogen, kamen sie an einem Kreuz vorbei. Sobald der Teufel das Kreuz erblickte, verließ er voller Angst den Weg und machte einen weiten Bogen darum.
Verwundert fragte Christophorus ihn nach dem Grund seiner Furcht. Zunächst wollte der Teufel nicht antworten, schließlich aber sagte er: „Ich fürchte mich vor Jesus Christus, der am Kreuz gestorben ist.“
Da erkannte Christophorus: „Dann bist auch du nicht der Mächtigste. Denn wer sich fürchtet, hat einen Herrn über sich. Ich werde Jesus suchen, der größer ist als du.“
Nach langer Suche begegnete er einem Einsiedler, der ihm sagte: „Der Herr, dem du dienen willst, erwartet von dir Gebet und Fasten.“
Christophorus antwortete: „Ich weiß nicht, wie man betet, und ich kann nicht fasten. Ich brauche Nahrung, um meine Kräfte zu erhalten.“
Da sagte der Einsiedler: „In der Nähe fließt ein reißender Strom, in dem viele Menschen beim Überqueren ihr Leben verlieren. Du bist groß und stark. Bleibe dort und trage die Menschen sicher ans andere Ufer. So wirst du Christus dienen.“
Christophorus folgte diesem Rat. Er baute sich am Fluss eine Hütte und nahm einen starken Stab, auf den er sich beim Durchqueren des Wassers stützen konnte. Tag für Tag trug er Menschen durch die gefährlichen Fluten.
Eines Tages hörte er die Stimme eines Kindes, das ihn bat, es auf die andere Seite zu bringen. Christophorus nahm das Kind auf seine Schultern, griff nach seinem Stab und stieg in den Fluss.
Doch je weiter er ging, desto höher stieg das Wasser, und das Kind wurde immer schwerer. Bald schien es ihm, als laste das Gewicht der ganzen Welt auf seinen Schultern. Mit letzter Kraft erreichte er schließlich das andere Ufer.
Erschöpft setzte er das Kind ab und sagte: „Du hast mich in große Gefahr gebracht. Du warst so schwer, als hätte ich die ganze Welt getragen.“
Da antwortete das Kind: „Wundere dich nicht. Du hast nicht nur die Welt getragen, sondern den, der die Welt erschaffen hat. Denn ich bin Christus, dein Herr.“
Und es fügte hinzu: „Damit du meinen Worten glaubst, nimm deinen Stab und stecke ihn neben deiner Hütte in die Erde. Er wird blühen und Früchte tragen.“
Christophorus tat, wie ihm geheißen worden war. Als er am nächsten Morgen zurückkehrte, hatte der tote Stab Blätter getrieben und Früchte hervorgebracht.
Liebe Schwestern und Brüder, Christophorus ist uns Vorbild, weil er sich nicht mit dem Zweitbesten zufriedengibt. Er sucht den wirklich Mächtigen, den Herrn über Leben und Tod. Er lässt sich nicht täuschen, weder vom Glanz eines Königs noch von der scheinbaren Macht des Bösen. Er sucht weiter, bis er Christus findet.
Und als er Christus gefunden hat, wird er selbst zum Christusträger.
Auch wir sind dazu berufen, Christusträger zu sein. Wir tragen Christus in unserem Herzen und sollen ihn durch unser Leben zu den Menschen bringen.
Dabei dürfen wir eines nie vergessen: Wer Christus trägt, wird zugleich von Christus getragen. Wir tragen den, der uns selbst trägt.
Je mehr wir uns von Christus tragen lassen, desto mehr werden wir zu echten Christusträgern für die Menschen unserer Zeit. Amen.
