2. Sonntag im Jahreskreis 2026 A
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Wie schon am vergangenen Sonntag führt uns das Evangelium wieder an den Jordan, zu Johannes dem Täufer. Dort begegnet er Jesus und gibt Zeugnis von ihm. Johannes ist eine ungewöhnliche Gestalt. Schon seine äußere Erscheinung fällt auf: ein Gewand aus Kamelhaaren, als Nahrung Heuschrecken. Das wurde nicht zufällig überliefert – es sollte zeigen, dass Johannes ein Prophet ist, einer, der bewusst gegen den Strom lebt und ganz auf Gott ausgerichtet ist.
Heute aber ist noch etwas anderes auffällig: Johannes bedient sich von Bildern aus der Tierwelt. Er spricht vom Lamm und von der Taube. Diese beiden Bilder führen uns mitten hinein in das Geheimnis Gottes: zum Sohn und zum Heiligen Geist. Schauen wir sie uns näher an.
1. Das Lamm Gottes
Als Johannes Jesus kommen sieht, sagt er: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Damit spricht er aus, was er innerlich erkannt hat: Dieser Jesus ist der Messias.
Das Bild vom Lamm ruft zunächst eine Stelle aus dem Propheten Jesaja in Erinnerung, das Lied vom leidenden Gottesknecht: „Wie ein Lamm, das man zur Schlachtbank führt, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt, so tat auch er seinen Mund nicht auf.“ Dieser Gottesknecht ist ein Mann voller Schmerzen, der unsere Krankheit getragen hat, der wegen unserer Verbrechen durchbohrt und wegen unserer Sünden zermalmt wurde. Diese Worte hören wir jedes Jahr am Karfreitag – und die Urkirche hat sofort verstanden: Sie erfüllen sich in Jesus Christus. Er ist der leidende Gottesknecht, der durch sein Leiden Erlösung bringt.
Noch deutlicher wird das Bild beim Paschalamm. Beim Auszug aus Ägypten sollte ein fehlerloses, einjähriges Lamm geschlachtet werden. Sein Blut wurde an die Türpfosten gestrichen – und dieses Blut rettete die Israeliten vor dem Tod. Der Würgeengel ging an ihren Häusern vorüber, und so begann der Weg in die Freiheit.
Dieses Paschalamm weist auf Christus hin. Auch ihm wurde am Kreuz kein Gebein zerbrochen. Sein unschuldiges Blut wurde vergossen – zur Erlösung der ganzen Menschheit. In der Offenbarung des Johannes heißt es: „Sie haben ihre Gewänder gewaschen und weiß gemacht im Blut des Lammes.“ Dieses Blut fließt in jeder heiligen Messe sakramental gegenwärtig und reinigt uns von der Sünde.
2. Die Taube – der Heilige Geist
Johannes bezeugt weiter: „Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam, wie eine Taube und auf ihm blieb.“ Seitdem ist die Taube das Bild für den Heiligen Geist.
Hier begegnen uns Wasser und Geist. Johannes tauft mit Wasser – als Zeichen der Umkehr, als Vorbereitung auf den kommenden Messias. Doch er sagt klar: „Ich taufe mit Wasser; er aber wird mit dem Heiligen Geist taufen.“ Die Taufe Jesu ist mehr als ein äußeres Zeichen. Sie schenkt neues Leben aus Gott.
Auch wir sind in der Taufe mit dem Heiligen Geist erfüllt worden. Gott hat Besitz von uns ergriffen, wir sind seine Kinder geworden. In der Firmung wurde dieses Geschenk durch das Feuer des Heiligen Geistes gestärkt und vollendet.
Darum sind wir gerufen, das weiße Taufkleid rein zu bewahren. Wo es befleckt wurde, dürfen wir es immer wieder reinigen lassen – durch das kostbare Blut Christi, das uns nicht nur in der Eucharistie, sondern auch im Sakrament der Beichte von Schuld befreit.
So weist das Lamm auf das Sakrament der Eucharistie hin, die Taube auf das Sakrament der Taufe. Alle Sakramente hat Christus eingesetzt, damit wir aus seiner Gnade leben und auf unserem Weg zu Gott gestärkt werden. Sie sind Hilfen auf unserem Weg nach oben – hin zur Gemeinschaft mit der Heiligsten Dreifaltigkeit.
Bitten wir den heiligen Johannes den Täufer, der den Sohn Gottes als Lamm erkannt und den Heiligen Geist wie eine Taube gesehen hat, dass auch wir immer tiefer in dieses Geheimnis hineingenommen werden – hier auf Erden und einst in der Ewigkeit. Amen.
