4. Sonntag im Jahreskreis 2026 A
Messtexte | Word-Dokument
Im heutigen Evangelium haben wir die sogenannten Seligpreisungen gehört. An ihnen möchte ich drei Gedanken hervorheben.
Erstens: Gewöhnlich sprechen wir von acht Seligpreisungen, die Jesus hier formuliert. Doch damit ist das Thema keineswegs erschöpft. In der Heiligen Schrift begegnet uns das Wort „selig“ immer wieder. So preist Elisabeth Maria bei der Begegnung der beiden Frauen selig mit den Worten: „Selig bist du, weil du geglaubt hast.“ Auch Jesus selbst verwendet diesen Ausdruck bei verschiedenen Gelegenheiten. Er sagt etwa zu den Jüngern des Johannes: „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.“ Oder als ihm eine Frau aus der Menge zuruft: „Selig der Leib, der dich getragen hat“, antwortet Jesus: „Selig sind vielmehr jene, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ Und schließlich hören wir nach der Begegnung mit dem zweifelnden Thomas die bekannten Worte: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“
All diese Stellen machen deutlich: „selig“ bedeutet mehr als ein momentanes Glück oder ein angenehmes Lebensgefühl. Es weist über das Irdische hinaus und hat eine eschatologische Dimension. Selig ist, wer auf Gott vertraut und dessen Leben auf ihn ausrichtet – denn diesem Menschen ist die Gemeinschaft mit Gott in Ewigkeit verheißen.
Zweitens: Ein Blick in das Lukasevangelium schärft unseren Blick für die Radikalität dieser Worte. Lukas überliefert nur vier Seligpreisungen, stellt ihnen aber unmittelbar vier Wehrufe gegenüber: Weh euch, die ihr reich seid; weh euch, die ihr jetzt satt seid; weh euch, die ihr lacht; weh euch, wenn euch alle Menschen loben. Dadurch bekommt die Botschaft eine ungewohnte Schärfe. Wir hören gerne, dass Jesus die Armen, die Leidenden und die Trauernden seligpreist. Doch es trifft uns, wenn er zugleich die Reichen, die Satten und die Selbstzufriedenen warnt. Auch das gehört zur Botschaft Jesu: Sie tröstet nicht nur, sie fordert heraus und konfrontiert uns mit unserem eigenen Lebensstil.
Drittens: Um die Seligpreisungen richtig zu verstehen, müssen wir ihren Zusammenhang beachten. Jesus stellt sie an den Anfang der Bergpredigt, die im Zentrum seiner Verkündigung steht. Diese Bergpredigt ist keine Abschaffung der Zehn Gebote, sondern ihre Vertiefung. Jesus sagt ausdrücklich: „Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ Immer wieder hören wir: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist … ich aber sage euch.“ Er geht über den bloßen Wortlaut des Gesetzes hinaus und richtet sich an das Herz des Menschen. Nicht nur die Tat zählt, sondern auch die innere Haltung. So fordert er Feindesliebe statt Vergeltung und Großzügigkeit statt Berechnung.
Diese Lehre ist anspruchsvoll – ja, sie wirkt manchmal überfordernd. Schon die Jünger haben das gespürt. Als Jesus von der Unauflöslichkeit der Ehe spricht, reagieren sie erschrocken. Und als er sagt, dass ein Reicher nur schwer in das Himmelreich gelangt, fragen sie bestürzt: „Wer kann dann noch gerettet werden?“ Oder anders gesagt: Wer kann überhaupt selig werden?
Jesu Antwort ist entscheidend: „Bei Gott ist nichts unmöglich.“ Unsere Unvollkommenheit ist kein Grund zur Resignation. Sie erinnert uns vielmehr an unsere Bedürftigkeit und führt uns zur Demut. Wer seine eigene Armseligkeit erkennt, kann sich Gott anvertrauen und um seine Gnade bitten. Und diese Gnade wird uns geschenkt – nicht als Belohnung für Perfektion, sondern als Hilfe auf unserem Weg.
So dürfen uns die Seligpreisungen nicht entmutigen, sondern ermutigen: Sie zeigen uns das Ziel und lassen uns zugleich auf Gottes barmherzige Begleitung hoffen. Amen.
