6. Sonntag im Jahreskreis 2026 A
Messtexte | Word-Dokument
Mit dem heutigen Evangelium stoßen wir zum innersten Kern der christlichen Botschaft vor: zum neuen Gesetz Jesu. Doch dieses neue Gesetz bedeutet nicht, dass das Alte aufgehoben wird. Im Gegenteil — Jesus sagt selbst: „Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ Das Alte Testament bleibt Gottes Wort, von Christus bestätigt und vollendet.
Und doch hören wir in der Bergpredigt Worte, die uns herausfordern, ja sogar erschrecken können. Kaum irgendwo sonst wird der Widerstand unserer menschlichen Natur gegen Jesu Lehre so deutlich wie hier. Vielleicht steigt in uns der Gedanke auf: Das ist zu viel. Das schaffen wir nicht. Diese Forderungen sind unmöglich. — Und tatsächlich: Aus eigener Kraft können wir sie nicht erfüllen. Wir brauchen seine Gnade.
Wer von uns war noch nie zornig? Wer hat noch nie ein verletzendes Wort gesprochen? Wer hat noch nie Streit erlebt oder Menschen gemieden, weil Versöhnung zu schwer erschien? Jesu Worte wirken hart: vom Gericht ist die Rede, vom Gefängnis, von radikalen Konsequenzen. Auch seine Mahnung zur Reinheit des Herzens klingt scharf: Schon der begehrliche Blick wird ernst genommen. Was sollen wir davon halten?
Wir dürfen nicht vergessen: Jesus ist der Barmherzige und Liebevolle — aber er ist nicht nur sanft und nachgiebig. Ein Christusbild, das ihn bloß weichzeichnet und jede Forderung verwässert, ist nicht das biblische Bild. Der Herr setzt hohe Maßstäbe. Er zeigt uns den Weg zu einem Leben, das sich ganz an Gott ausrichtet. Seine Worte haben Kraft und Ernst, weil es ihm um unser Heil geht.
„Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Diese Worte können uns zunächst entmutigen. Wer kann das erfüllen? Die ehrliche Antwort lautet: Niemand aus eigener Kraft. Aber mit der Gnade Christi wird das Unmögliche Schritt für Schritt möglich. Gerade deshalb hält uns die Bergpredigt einen Spiegel vor. Sie zeigt, dass Sünde nicht erst bei großen Verbrechen beginnt, sondern oft im Herzen, in Gedanken, Worten und kleinen Entscheidungen.
Vielleicht sagen manche: „Ich habe doch nichts Schlimmes getan — was soll ich beichten?“ Doch die Worte Jesu führen uns tiefer. Sie laden uns ein, nicht bei einem Mindestmaß stehen zu bleiben, sondern nach einem neuen Herzen zu streben. Auch wenn wir immer wieder scheitern und schwach sind, zählt der gute Wille, das ehrliche Bemühen und das Vertrauen auf seine Gnade.
Eine Versuchung besteht darin, die kleinen Dinge geringzuschätzen: „Das ist doch nicht so wichtig.“ Aber gerade hier mahnt uns Jesus zur Wachsamkeit. Große Verfehlungen beginnen oft im Kleinen. Darum ruft er uns zu einem Leben der Achtsamkeit und der Liebe.
Nehmen wir die Bergpredigt also ernst. Leben wir so, dass unser Verhalten Zeugnis gibt — auch dort, wo es in den Augen der Welt unvernünftig erscheint. Wenn wir aus Liebe handeln, auf Versöhnung zugehen, auf Vergeltung verzichten und Gott den Vorrang geben, dann werden andere nachdenklich. Vielleicht erkennen sie gerade darin etwas vom Himmel, den Christus uns verheißen hat. Amen.
