Pfingstsonntag A 2026
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Pfingstsonntag 2026 A

Messtexte | Word-Dokument

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Jenes göttlichen Geistes, den Christus seinen Aposteln verheißen hat; jenes Geistes, der wie Feuerzungen auf sie herabkam und aus ängstlichen Menschen mutige Zeugen machte. Seit Pfingsten lebt die Kirche aus der Kraft des Heiligen Geistes.

Auch wir sind mit diesem Geist beschenkt worden. In der Firmung hat der Heilige Geist Besitz von uns ergriffen. Er hat uns gestärkt, gefestigt und besiegelt. Darum sagt die Kirche mit Recht: Die Firmung kann man nur ein einziges Mal im Leben empfangen.

Es gibt drei Sakramente, die unauslöschlich sind und deshalb nur einmal gespendet werden können: die Taufe, die Firmung und die Priesterweihe. Die Ehe gehört nicht dazu; denn, wenn ein Ehepartner stirbt, kann der andere noch einmal heiraten. Aber Taufe, Firmung und Weihe prägen die Seele für immer.

Die Kirche spricht von einem „unauslöschlichen Merkmal“, von einem Prägemal, das Gott selbst der Seele einprägt. Es ist unsichtbar und doch wirklich. Vielleicht können wir es mit einem Wasserzeichen vergleichen: Man sieht es oft nicht auf den ersten Blick, und doch ist es da und macht das Papier oder die Briefmarke unverwechselbar.

Oder denken wir an ein Siegel. Früher wurden Briefe mit heißem Wachs verschlossen und mit einem Siegel geprägt. Wenn das Siegel gebrochen war, wusste man, dass der Brief geöffnet wurde. Dieses Zeichen zeigte von wem der Brief ist und dass der Brief beglaubigt und geschützt ist. So hat Gott uns in Taufe und Firmung besiegelt. Wir gehören ihm.

Man könnte auch an ein Brandzeichen oder eine Ohrmarke bei Tieren denken: ein Zeichen, das Zugehörigkeit ausdrückt. Oder an eine Tätowierung, die in die Haut eingeritzt wird. Viele Menschen lassen sich heute tätowieren. Und wenn sie das Zeichen später entfernen wollen, merken sie oft, wie schwierig das ist: Operationen, Laserbehandlungen – ganz weg bekommt man es manchmal nie mehr.

All das sind nur schwache Bilder für das, was Gott in den Sakramenten wirkt. Denn Gottes Zeichen geht viel tiefer. Man kann sich nicht „enttaufen“ oder „entfirmen“. Selbst wenn ein Mensch sich von Gott entfernt, bleibt das göttliche Prägemal bestehen. Und auch der Priester bleibt Priester auf ewig. Darum sagt die Kirche: Sacerdos in aeternum – Priester in Ewigkeit.

Das bedeutet aber nicht nur Würde, sondern auch Auftrag. Wer gefirmt ist, soll als Christ leben. Der Tag der Firmung ist nicht nur eine Erinnerung an einen schönen Festtag mit Paten und Familienfeier. Bei der Firmung empfängt der Firmling den Heiligen Geist, der eine lebendige Kraft ist, der uns beisteht. Der Heilige Geist will uns führen, trösten, stärken und heiligen.

Vielleicht spüren wir diese Kraft nicht immer. Vielleicht ist der Glaube manchmal schwach geworden. Aber das Siegel Gottes in der Firmung bleibt. Der Heilige Geist hat uns nicht verlassen. Er ruft uns immer neu zurück.

Im Himmel werden wir einmal erkennen, was wir auf Erden nicht sehen konnten. Dann wird offenbar werden: Dieser Mensch war getauft. Jener war gefirmt. Ein anderer war zum Priester geweiht. Das göttliche Prägemal wird sichtbar sein in der Herrlichkeit Gottes.

Darum wollen wir an diesem Pfingstfest den Heiligen Geist neu bitten:

Komm, Heiliger Geist! Entzünde in uns das Feuer deiner Liebe. Stärke uns im Glauben. Lass uns treue Christen sein, die aus der Kraft der Taufe und der Firmung leben, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2026