16. Sonntag im Jahreskreis
2000 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Ein mir bekannter Priester, der die Angewohnheit hat, recht lange zu predigen, und dessen Predigten nicht immer die interessantesten sind, bezog sich auf diese Bibelstelle, als ich ihn auf diesen Schwachpunkt aufmerksam machte. Ich hatte es ihm nur gut gemeint und riet ihm, kürzer zu predigen, da sagte er: „Auch Jesus lehrte sie lange.“

Man kann sich in vielen Punkten Jesus zum Vorbild nehmen, man soll es sogar, aber in manchen Verhaltensweisen ist man nicht dazu verpflichtet.

Jesus lehrte sie lange, obwohl es nicht geplant war. Er wollte doch ausrasten, ausruhen, sich erholen. Ich wundere mich, dass Jesus sich dann doch diese Zeit nimmt und zu den Leuten spricht! Hatte er nicht gerade das Ziel, mit seinen Jüngern allein zu sein, sich zurückzuziehen, in Ruhe zu essen? Dauernd wurde er bedrängt und jetzt liefen sie ihm auch noch in diese einsame Gegend nach, wo sie auftanken wollten. Warum wird Jesus nicht ungeduldig? Warum erklärt er es ihnen nicht: Jetzt geht es nicht! Warum schickt er sie nicht weg?

Verschiedene Gründe veranlassen Jesus zu diesem Verhalten:

Erstens steht im Evangelium: Er hatte Mitleid. Er sah, wie sie nach Wahrheit hungerten. Zu Fuß liefen sie ihm nach, denn sie ahnten und wussten: Hier spricht mehr als nur ein Mensch. Das, was er verkündet, hat dieser sich nicht einfach ausgedacht. Sie sagten: Er spricht nicht so wie die Schriftgelehrten. Er lehrt uns wie einer mit Macht, mit Vollmacht.

Zweitens sah Jesus: Sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. Er selber sagte: Ich bin der gute Hirte. Einem verlorenen Schaf geht er nach, bis er es gefunden hat. Er übergab Petrus das Hirtenamt: Weide meine Schafe. Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe.

Was sind Schafe ohne Hirten? Was tut so eine Herde? Diese Herde wird sich zerstreuen. Diese Herde wird es nicht mehr lange geben! Sie wird nicht überleben können, da keiner da ist, der sie verteidigt, der sie beschützt.

Darum müssen wir um gute Hirten beten. Die Kirche braucht notwendigerweise Priester. Der Priestermangel ist die große Herausforderung in der heutigen Zeit. Ohne Priester zerfällt die Kirche. Ohne Priester gibt es die Kirche Jesu Christi nicht mehr. Ohne Priester gibt es keine hl. Messe, keineLossprechung von den Sünden, keine Krankensalbung. Die Sakramente können nicht mehr gespendet werden. Damit stockt der Gnadenstrom.

Gott will durch die Sakramente wirken. Alle Versuche, den Priester auf irgendeine Art ersetzen zu wollen, schlagen fehl. Der Priester kann nur durch einen Priester ersetzt werden.

Und drittens: Warum lehrte Jesus, obwohl er müde war? Dazu steht nichts im Text, aber es ist ganz klar. Er hat den Auftrag vom Vater: Ich bin gekommen, um den Willen meines Vaters zu erfüllen. Jesus ist in die Welt gekommen, um zu verkündigen: Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.

Dieser Auftrag bleibt, auch wenn Jesus müde ist. So bleibt ein Priester ein Priester, auch wenn er seinen Urlaub verbringt. Der Priester hat im strengen Sinn kein Privatleben. Darum schickte auch Jesus die Leute nicht weg und nahm sich Zeit. Auch Jesus konnte sich nicht einfach von seinem Auftrag Urlaub nehmen. Priester auf ewig, heißt es. Der Priester kann nicht sagen: Heute habe ich keine Lust, das Hl. Messopfer darzubringen, keine Lust zum Beten, zum Hören der Beichte usw. Wenn er gebraucht wird, muss der Priester seinen Dienst erfüllen. Das wollte uns Jesus durch sein Verhalten zeigen. Auch wenn er müde war, erfüllte er trotzdem den Wunsch der Leute, als sie kamen. Sie waren hungrig nach dem Wort Gottes. Und er lehrte sie lange.

Es gibt also 3 Gründe für das Verhalten Jesu: Erstens hatte Jesus Mitleid. Zweitens sah er die Menschen als Schafe ohne Hirten. Drittens ist er vom Vater gesandt, die Frohbotschaft zu verkünden, zu jeder Zeit, wenn nötig. Diese Botschaft ist nicht nur die Wahrheit, sondern war für die Leute so interessant, dass es ihnen nichts ausmachte, lange zuzuhören. Auch heute hat die Wahrheit etwas Interessantes an sich. Auch wenn sie nicht immer angenehm ist, uns manchmal als unbequem erscheint. Trotzdem wollen wir auf sie hören und die Wahrheit, die wir in den Geboten Gottes sehen und erkennen, erfüllen. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email