33. Sonntag im Jahreskreis
2000 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Immer wieder werden wir von schrecklichen Unglücksfällen erschüttert. Solche Unfälle, wie sie täglich geschehen – vom Erdbeben bis zum Gondelabsturz – werfen zahlreiche Fragen in uns Menschen auf. Keiner rechnet damit. Und doch heißt es in der Hl. Schrift: „Seht euch also vor und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.“

Was wäre, wenn ich einer von diesen gewesen wäre? Wann ist mein Ende? Aber auch andere Fragen werden wieder wach: Wie wird es ganz am Ende sein? Wann kommt der Weltuntergang? Ist es verbunden mit einer Katastrophe? Sind nicht Katastrophen von Jesus prophezeit worden? Werden wir die Wiederkunft Christi noch erleben? Immer wieder hört man von Prophezeiungen, Sterndeutern und Wahrsagern. Was ist davon zu halten? Soll man versuchen die falschen von den wahren Propheten zu unterscheiden. Oder soll man alles in Bausch und Bogen verwerfen? Ist alles Humbug, Schwindel, Unsinn?

Der Mensch ist von Grund auf sehr neugierig und viele interessieren sich für mysteriöse, nicht greifbare Dinge. Es ist eher selten, dass ein Mensch ganz unempfänglich ist, dass ihn das alles kalt lässt. Es kommt nicht von ungefähr, dass nicht nur die Zeugen Jehovas versucht haben, den Zeitpunkt des Weltuntergangs auszurechnen und vorherzusagen. Inzwischen unterlassen sie diese Berechnungen, weil sie unglaubwürdig wurden, denn der Weltuntergang ist nie eingetreten.

Um dieses Thema mit christlichen Augen zu betrachten, müssen wir in die hl. Schrift schauen und sie mit einem nüchternen Verstand interpretieren. Was sagt Jesus vom Weltende?

Das heutige Evangelium spricht davon. Was will uns dieser Text sagen?

1. Jesus möchte, dass wir wachsam sind. Denn die genaue Stunde seiner Wiederkunft kennt niemand, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

Sie kennen vielleicht die Geschichte vom Lieblingsdiener des Sultans, der ins Gemach seines Herrn stürzte, sich ihm zu Füßen warf und um das schnellste Ross bat: Er müsse nach Basra fliehen. Im Park unten stünde der Tod und strecke seine Hände nach ihm aus. Der Sultan gab ihm das Pferd. Der junge Mann sprengte davon. Der Herrscher begab sich in den Garten und sah den Tod: „Was fällt dir ein, meinen Diener zu bedrohen?“, fuhr er ihn an. „Ich habe ihn nicht bedroht“, antwortete der Tod. „Ich hob nur meine Arme, erstaunt, ihn noch hier zu sehen; denn ich bin in fünf Stunden mit ihm verabredet. Auf dem Markt in Basra.“

Keiner von uns weiß, wann und wo er diese Verabredung hat, aber sicher ist, dass sie kommen wird. So sicher, wie auch diese Welt endlich und vergänglich ist und ein Ende haben wird.

Und darum sollen wir die Frage „Was wäre, wenn …?“ nicht einfach verdrängen, sie von uns zu schieben, so als ob noch einige Jahre Zeit ist. Dazu ist die Frage viel zu ernst.

Eltern, die ihre Kindern lieben, werden immer wieder einmal nachfragen, ob sie etwas Wichtiges auch getan haben. Genau so erinnert uns die Kirche jedes Jahr um diese Zeit an die Endlichkeit und Vergänglichkeit unseres Lebens, nicht um uns Angst zu machen, sondern um uns zu helfen, dass wir nicht ganz unvorbereitet diese Stunde erleben.

Erstens also: Wachsam sein.

Was will uns aber dieser Text noch sagen?

2. Das Evangelium sagt, es werden vorher Katastrophen kommen. Das haben wir besonders auch in unserem Jahrhundert gemerkt. Opfervolle Kriege, grausame Diktatoren, verheerende Naturkatastrophen.

Jesus sagt in diesem Zusammenhang: Wenn ihr aber von Kriegen hört, dann lasst euch nicht schrecken, denn es muss so kommen. Aber noch ist es nicht das Ende. Das ist erst der Anfang.

Zwar können die Bilder vom Ende der Welt aus dem heutigen Evangelium uns beängstigen. Sie können aber auch genauso trösten und Zuversicht und Hoffnung schenken.

Es hängt von unserem Standpunkt ab. Der echte Christ lebt in Erwartung. Die ersten Christen sehnten sich nach der Wiederkunft Christi. Der letzte Satz der hl. Schrift bestätigt dies: Maranatha – Komm, Herr Jesus! Die ersten Christen wussten, wenn der Tag X kommt, erscheint der Menschensohn, erscheint Christus mit Macht und Herrlichkeit. Es ist der Tag des Triumphes, des Sieges und der vollendeten Erlösung. Es wird eine große Freude sein.

In diesem Sinn wird auch uns dieser Text keine Angst einflößen, sondern das Verlangen steigern, die Wiederkunft Christi mit großer Sehnsucht zu erwarten. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email