5. Sonntag im Jahreskreis
2000 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 „Alle suchen dich!“ Kein Wunder! Nachdem Jesus so viele geheilt hat, kommen sie alle zu ihm. Jeder will Jesus sehen und eventuell von ihm geheilt werden.

Aber auch uns ist dies aufgetragen in der heutigen Zeit: Jesus suchen. Viele scheinen mit der Jesussuche aufgehört haben. Er ist anscheinend nicht mehr so attraktiv wie damals. Er ist natürlich auch als Mensch mit seinem Leib nicht mehr findbar. Aber auch damals hat Jesus sich zurückgezogen und es war anstrengend, ihn zu finden. Viele Menschen sind heutzutage mit ihrer Arbeit so beschäftigt, dass sie gar nicht auf den Gedanken kommen, Jesus zu suchen. Oftmals ist Sonntagsgottesdienst und Gebet ein Fremdwort geworden.

Jesus ist also verschwunden. Jesus betet! Jesus zieht sich zurück in die Einsamkeit. Wer von uns betet, wenn sich die Arbeit auftürmt und einem sogar über den Kopf wächst? Wer von uns nimmt sich die Zeit zum Beten?

Zum Beten braucht man Ruhe. Beten, das kann man nicht mitten im Trubel. Wer von uns unterbricht plötzlich die Arbeit, lässt alles stehen und liegen und geht in die Stille beten? Unser Terminkalender ist voll lauter wichtiger Arbeit und Aktivitäten, alles randvoll besetzt. Und abends ist man oft zu müde und sitzt lieber vor dem Fernseher, um sich berieseln zu lassen, bis man einschläft. Beten ist gar nicht so leicht.

Jesus nimmt sich die Zeit, und zwar in der Früh, wo noch alles ruhig ist, wo alles schläft, wo sein Geist frisch ist.

Ich habe mich während der Vorbereitung auf diese Predigt gefragt: „Habe ich Zeit zum Gebet? Wie sieht es bei uns Priestern aus!“ Viele Priester sind in Gefahr zu meinen, das und das sei wichtig. Die Arbeit sei wichtig. Manchmal bin ich ganz schlau und sage, meine Arbeit ist Gebet. Das ist vielleicht zum Teil richtig.

Aber trotzdem hat Jesus es anders gemacht. Er ist in der Früh an einen einsamen Ort gegangen, um zu beten. Er hat die Stille gesucht. Er brauchte dieses Gespräch mit dem Vater, so wie jeder Priester und jeder Mensch diese Zeiten des Gebetes braucht. Am besten ist die Zeit in der Früh – so habe ich bei mir selber festgestellt. Da hat man den Kopf noch nicht so voll mit all den Sorgen, Problemen und Terminen, die so immer wieder daherkommen.

Vielleicht ist es bei ihnen anders. Vielleicht sind sie ein Morgenmuffel. Manch einer ist in der Früh zu müde, um zu beten und betet lieber abends. Aber jeder sollte sich eine gewisse Zeit für das Gebet nehmen.

Jesus ist sich bewusst, dass er ohne die ständige und innigste Verbindung mit seinem Vater, dass er ohne Gebet nicht leben und wirken kann. Wenn er vor die Menschen hintritt, sie lehren und heilen soll, dann muss er sich bei seinem himmlischen Vater die geistige Kraft und Stärkung holen.

Oftmals finden wir Jesus in seinem Leben im Gebet. Besonders bei seinen wichtigen Entscheidungen:

Bevor er seine Apostel auswählte, verbrachte er die ganze Nacht im Gebet.

Als Jesus einmal an einem Ort betete und er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten! (Lk 11,1) und er lehrte sie das Vaterunser, das wichtigste Gebet.

In seiner Not am Ölberg, wo er bewusst JA zum Willen des Vaters sagte, war er die letzten Stunden vor der Gefangennahme im Gebet mit seinem Vater verbunden. Die Apostel ließen ihn kläglich allein.

Würde vielleicht bei uns Priestern die Aktivität anders ausschauen, wenn wir mehr beten würden? Wie war es bei Jesus? Sein Beten am Morgen hat seinem ganzen Tag eine ganz andere Richtung gegeben. Petrus und die Jünger, die den Meister nach langer Suche finden, und ihn erinnern, was noch alles zu tun ist, bekommen die Antwort: „Nein, das tun wir heute nicht! Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, denn dazu bin ich gekommen.“

Nachdem er sich zurückgezogen und gebetet hatte, nach dieser Stille am Morgen, wusste Jesus plötzlich, dass das, was jetzt anscheinend so unheimlich wichtig war, gar nicht das Richtige war. Könnte das nicht auch im Gebet bei einem Priester oder bei jedem, der betet, der Fall sein? Dass er so manches als unwichtig erkennt und es auf seinem Terminkalender streicht?

Dann wird der Stress vielleicht schon weniger. Jesus wusste: Ich darf mein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Lasst uns aufbrechen und anderswohin gehen. Dazu bin ich gekommen, das ist jetzt wichtig, das muss jetzt getan werden. Jesus entdeckt das im Gebet, zu dem er sich zurückzieht. Eigentlich ganz einfach. Man muss nur Zeit für das Gebet haben oder besser sich nehmen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email