4. Adventssonntag
2011 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Tage bis zum Fest der Geburt des Herrn sind gezählt. Der vierte Sonntag des Advents ist meistens marianisch geprägt. Wir hörten heute noch einmal die Frohe Botschaft von der Verkündigung des Herrn. Es gibt ein altes Gebet, das die Kirche sehr empfiehlt und schätzen gelernt hat und das uns in Kurzform dieses heilige Geschehen der Menschwerdung des Gottessohnes immer wieder ins Gedächtnis rufen will. Es ist der Engel des Herrn, den die Glocken der Kirche dreimal am Tag einläuten. In der Früh, zu Mittag und abends erinnern sie uns an dieses schöne Gebet. Es besteht aus drei Teilen.

1. »Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.« Gott spricht oft durch seine Boten. Auch dem Josef wird im Traum durch einen Engel über dieses Geheimnis berichtet und Anweisungen gegeben. Hören wir selber auf Gottes Botschaft, die bei uns durch die Stimme des Gewissens zu uns spricht? Der Engel Gabriel war von Gott gesandt als Bote mit der großen, befreienden Botschaft, auf die alle Menschen guten Willens voll Sehnsucht gewartet haben. Er wirbt um das Ja-Wort Mariens. Gott ist bei Maria noch einmal an den Anfang seiner Schöpfung zurückgekehrt und hat in Maria einen Menschen »voll der Gnade« geschaffen. Sie ist daher ganz frei und nicht abhängig von den Stricken des Teufels. In dieser Freiheit kann sie zustimmen oder ablehnen. Falls sie sich auf die Botschaft Gottes einläßt, wird Gott in die Welt »eingreifen«. Die Empfängnis wird nicht auf natürlichem Weg geschehen. Der Hl. Geist wird über sie kommen, denn das Kind ist der Sohn Gottes, der Heiland und Erlöser. Für Maria ist das natürlich unbegreiflich und doch glaubt sie den Worten des Engels. Für Gott ist nichts unmöglich.

Wir beten daher weiter:

2. »Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.« Ganz deutlich hören wir daraus die Demut Mariens. Dienerin, Magd will sie sein. Wer will heute gerne Magd sein? Das ist ganz unmodern. Ganz tief erniedrigt sich Maria. Sie macht sich ganz klein vor Gott. Sein Wille soll geschehen. Sie öffnet damit die Tür ihres Herzens und läßt Gott hinein. Sie versperrt sich nicht für die Gnade, die ihr Gott schenken will.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Maria auf Grund der Engelserscheinung und seines Grußes »Voll der Gnade« nicht nur ein ungutes Gefühl hatte, sondern dass sie auch Angst bekam. »Fürchte dich nicht, Maria!« spricht daher der Engel zu ihr, und sie faßt im Vertrauen auf Gott Mut. Sie hat Gnade gefunden und daher wird Gott auch mit ihr sein.

Das Gebet endet mit dem dritten Teil.

3. »Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.« Es ist dies die Weihnachtsbotschaft des Evangelisten Johannes. Johannes der Täufer war die Stimme eines Rufers in der Wüste. Jesus ist das Wort selber. Das Wort war am Anfang bei Gott. Und Gott war das Wort. Das größte Geheimnis der Menschheitsgeschichte. Gott wird Mensch. Gott hat unter uns gewohnt. Vor über 2000 Jahren war dies ein wirkliches Ereignis. Der Gott des Lebens ist bei uns eingekehrt und ist einer von uns geworden. Er hat sich ganz klein gemacht und wurde ein schwaches, hilfloses Baby. Und wir haben ihn nicht aufgenommen. Die Herbergen sind überfüllt. Lassen wir Jesus in unser Herz hinein, sodass er hier wohnen kann.

Dreimal am Tag also läuten die Glocken und künden gerade diese Frohe Botschaft von Jesu Menschwerdung. Besonders in diesen letzten Tagen des Advents soll uns das bewußt sein. Wenn die Glocken erklingen, laden sie ein zur Stille, zum Gebet, wo immer wir sind, was immer wir tun. Der Engel des Herrn ist besonders auch ein adventliches Gebet. Wie Maria wollen wir die Botschaft Gottes nicht nur hören, sondern ihr zustimmen und uns auf das Fest vorbereiten, damit wir mit großer Freude in der Heiligen Nacht singen dürfen: Christus der Retter ist da! Amen.

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