Allerheiligen
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.“ Das war der letzte Satz der Lesung.

Heute, an Allerheiligen, möchte ich über die Kirche predigen. Warum über die Kirche, wenn wir heute an die denken, die bei Gott sind? Die Antwort lautet: weil die Heiligen auch zur Kirche gehören. Wer gehört denn alles zur Kirche Jesu Christi? Die Kirche, die Jesus gegründet hat, ist eine dreifache Kirche. Es gibt die streitende Kirche, die leidende Kirche und die triumphierende Kirche.

Die streitende Kirche (ecclesia militans) sind wir hier auf Erden. Wir streiten manchmal, aber deswegen heißt es nicht streitende Kirche, sondern das „Streiten“ bezieht sich auf das Kämpfen. Die streitende Kirche ist auf Lateinisch die „Ecclesia militans“. Unser Wort Militär kommt von „militans“. Das Militär kämpft. Das Militär muss gegen den Angreifer kämpfen. Und der Angreifer hier auf Erden ist der Teufel, der böse Feind, der uns immer versucht. Er möchte, dass wir sündigen, und uns dadurch von Gott abwenden. Der Satan ist andauernd unterwegs „wie ein brüllender Löwe, der umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann“. Wir müssen gegen diesen Aggressor streiten, d.h. kämpfen. Und dieses Streiten ist keine Sünde, sondern dieses Streiten ist uns von Gott her aufgetragen, und wir sollen als Sieger daraus hervorgehen.

Die leidende Kirche ist die Kirche des Fegefeuers. Alle armen Seelen, die noch nicht in die ewige Glückseligkeit eingehen dürfen, weil noch Sünden an ihnen haften, gehören zur Kirche Jesu Christi. Es ist die „Ecclesia poenitens“. Die leidende Kirche wird sie genannt. Es sind dies alle, die große Sehnsucht nach Gott haben: nach dem nie endenden Himmel. Wir gedenken all dieser verstorbenen Menschen, wenn wir an diesen auf den Friedhof gehen und für sie beten, denn sie können nicht mehr kämpfen, nicht mehr streiten. Sie können nichts mehr für sich tun, sondern sind auf unsere Gebete angewiesen, die ihre Leiden mildern und abkürzen können. Sie vergehen vor Heimweh; vor Heimweh nach Gott, nach dem ewigen Daheim im Himmel. Dieses Heimweh brennt im Herzen, in ihrer Seele. Und sie sind unendlich dankbar für jedes Gebet, für jeden Ablass, den wir in diesen Tagen für sie gewinnen. Sie werden dafür bei Gott einmal Fürsprache einlegen für all ihre Wohltäter. Jeder, der hier auf Erden für sie gebetet hat, auf den Friedhof gegangen ist und einen Ablass gewonnen hat, wird eine dankbare Seele im Himmel haben, denn die armen Seelen haben das ewige Ziel erreicht. Sie haben es geschafft. Sie sind gerettet, und sie werden hundertprozentig sicher einmal die Freuden der Ewigkeit genießen. Sie werden einmal im Himmel sein.

Und das ist die triumphierende Kirche (ecclesia triumphans). Dort sind die, die ihre Gewänder gewaschen haben und im Blut des Lammes weiß gemacht haben. Warum schreibt der Apostel Johannes so: Gewänder gewaschen, Blut des Lammes? Was bedeutet das? Was möchte er damit sagen? Er beschreibt damit das Leben der Heiligen. Er drückt damit aus, wie sie auf Erden gelebt haben. Heilige waren nicht von Anfang an sündenlos. Heilige waren nicht von Anfang an schon ohne Flecken und haben ein reines Herz gehabt. Nein, auch sie mussten sich bemühen und mussten, wenn sie gefallen sind, wieder aufstehen. Oder wie sich Johannes ausdrückt: Sie mussten sich reinwaschen lassen durch das Blut des Lammes, nämlich durch die Beichte. Denn wo fließt außer bei der hl. Messe noch das Blut Christi? Das ist das Bußsakrament. Hier werden unsere Gewänder gewaschen. Jesus Christus hat sein Blut vergossen zur Vergebung der Sünden. Und bei jeder Lossprechung im Beichtstuhl wird die Seele des Pönitenten, des Beichtenden gereinigt im Blut des Lammes. Christus ist das unschuldige Lamm, das Opferlamm, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt.

Lassen wir uns hier auf Erden oft reinwaschen im Blut des Lammes! Empfangen wir regelmäßig das Bußsakrament! Damit sind wir die erfolgreiche streitende Kirche, denn die Beichte ist jedes Mal die Totalniederlage des Teufels. Eine gute gültige Beichte ist immer die plötzliche Kapitulation des bösen Feindes und unser Sieg im Kampf gegen die Sünde. Jeder, der hier erfolgreich streitet, spart sich die tragische Phase der leidenden Kirche und darf sich daher früher an der triumphierenden Kirche erfreuen.

Bitten wir heute die vielen Heiligen, die vielen unbekannten Heiligen, die darauf warten auch um ihre Fürsprache angerufen zu werden, um ihren Beistand. Sie möchten uns helfen! Sie können uns helfen, und sie werden uns helfen, wenn wir uns an sie wenden mit unseren Gebeten, besonders auch heute, wenn wir ihr zu Ehren dieses heilige Messopfer feiern. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email