4. Fastensonntag
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Nachdem ich letzte Woche bereits hingewiesen habe auf die heilige Beichte und mit den ersten drei Geboten begonnen habe, möchte ich nun heute auf das 4. Gebot näher eingehen.

Die ersten drei Gebote haben mein Verhältnis zu Gott betroffen und nun ist das 4. Gebot das erste, das die nächsten 7 Gebote anführt, die mein Verhältnis zum Mitmenschen regeln. Es steht an der Spitze dieser Gebote. Die Eltern haben also eine Vorrangstellung.

Das 4. Gebot lautet: Du sollst Vater und Mutter ehren. Im Alten Testament ist es das einzige Gebot, das einen Zusatz hat: eine Verheißung, nämlich: »damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.« Gott will dieses Gebot dadurch auch hervorheben. Wer die Eltern ehrt, im Alter für sie sorgt, ihnen Gutes tut, ihnen gehorsam ist, sich bemüht, dem verspricht Gott ein langes Leben. Damit weist er schon hin auf die Ewigkeit, auf das Land im jenseitigen Leben, wo er eine Wohnung für uns bereitet hat.

Es gibt noch einen zweiten Punkt, in dem sich dieses Gebot von den anderen 6 unterscheidet. Es ist das einzige Gebot, in dem es positiv heißt: »du sollst«. Bei den folgenden Geboten heißt es immer: »Du sollst nicht« (nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen, …)

Dieses 4. Gebot hat uns Jesus selbst vorgelebt. Im Lukasevangelium heißt es dazu: »Und er war ihnen untertan.« Dieser kleine Satz drückt etwas Großes aus. Dreißig Jahre lang bis zu seinem Auftreten in der Öffentlichkeit hat der Sohn Gottes das Elterngebot erfüllt. Er war ihnen gehorsam und hat seine Eltern geliebt, wie ein Sohn eben Vater und Mutter lieben und achten soll. Er hat ihnen gefolgt, sich von den Eltern etwas sagen lassen, sich führen lassen und war gut zu ihnen.

Übrigens, wessen Eltern nicht mehr leben, den betrifft das Gebot genauso. Zumindest kann und muss er für seine Eltern weiterhin beten. Wenn jemand eine hl. Messe bestellt für die Eltern, ist das z. B. auch so ein äußeres Zeichen der Verbundenheit und des Ernstnehmens des 4. Gebotes. Das Gebet für die Eltern gilt das ganze Leben lang.

Und wer eben eine Familie gegründet hat und Kinder hat, der kann das 4. Gebot ruhig auch ausdehnen auf die elterlichen Pflichten und sich die Fragen stellen: Habe ich für die Erziehung meiner Kinder gesorgt? Auch für die religiöse Erziehung? War ich gerecht oder habe ich ein Kind bevorzugt? Habe ich mir genügend Zeit für meine Familie genommen? War ich ein gutes Vorbild? Habe ich mich meiner Kinder geschämt, an ihnen nur die schlechten Seiten gesehen? Hatte ich Geduld mit ihnen? Usw.

Die ursprüngliche Bedeutung und Auslegung des 4. Gebotes können wir auch im Alten Testament finden. Dieses Gebot bedeutet, dass wir erstens die Eltern in Ehren halten und sie nicht verachten sollen. Zweitens, dass wir ihnen Freude machen und keinen Kummer bereiten sollen. Und dass wir sie drittens, wenn sie alt und schwach werden, nach Kräften annehmen und sie nicht im Stich lassen sollen.

Abschließend zwei Beispiele vom hl. Papst Pius X., der besonders seine Mutter ehrte. Einmal, nachdem er Bischof wurde, hat er seine Mutter zu Hause besucht und ihr voll Stolz den Bischofsring gezeigt. Daraufhin zeigte ihm die Mutter ihren Ehering und sagte: »Wenn dieser Ring nicht gewesen wäre, dann hättest du Deinen Ring gar nicht.« Und ein bisschen beschämt gab er ihr Recht.

Und eine zweite Geschichte ist überliefert. Als er schon Papst war, da kam einmal ein reicher Amerikaner zu ihm. Bei dieser Audienz sah der Millionär plötzlich die armselige Uhr des Heiligen Vaters und er machte ihm folgendes Angebot: Er wollte ihm die Uhr ganz teuer abkaufen und ihm dafür seine reiche goldene Uhr schenken. Auf das hin sagte der Heilige Vater, dass er die Uhr nicht verkauft, denn sie ist das Erinnerungsstück an seine armen Eltern, die ihm diese Uhr zur Erstkommunion geschenkt haben und das Geld dafür mühsam zusammengespart haben. Für ihn ist diese Uhr unverkäuflich.

Die Eltern sollen wir ehren. Das ist uns aufgetragen. Auch wenn die Eltern sich verfehlen, sündigen und vielleicht auch nicht immer den richtigen Weg gegangen sind. Nie dürfen wir den Respekt verlieren: auch im Alter nicht. Und wir sollen uns immer daran erinnern, was sie Gutes für uns getan haben. Das will der liebe Gott, wenn er uns im 4. Gebot daran erinnert, dass ein Kind Vater und Mutter nicht vergessen darf. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email