5. Fastensonntag
2012 B
logo
Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Sie können sich vielleicht erinnern, wir haben die letzten beiden Sonntage über die Gebote gesprochen (1.-3. und 4. Gebot). Über das 5. und 6. Gebot habe ich vor 3 Jahren eine Predigt gehalten. Aber konkret über das 7. Gebot noch nicht.

Wir wollen also einmal das Gebot: »Du sollst nicht stehlen!« näher anschauen.

Eine wahre Begebenheit zum Einstieg: Der evangelische Moritz Freiherr von Hohberg trat 1817 zur katholischen Kirche über. Der Grund war folgender: Eines Tages herrschte große Aufregung, weil ein kostbarer Goldschmuck gestohlen wurde. Nach einiger Zeit kam ein Kapuzinerpater zum Schloss und wollte den Schlossherrn sprechen. Dieser nun meinte, er möchte betteln und beschimpfte ihn und die Kirche mit argen Worten. Der Mönch ließ ihn ausreden und sagte dann, er wolle nichts haben, sondern was bringen. Dann legte er den Goldschmuck auf den Tisch und erklärte, dass einer bei ihm reuevoll seine Sünden gebeichtet hat und ihm den Schmuck gebracht hat, er solle das gestohlene Gut im Schloss abgeben. Das machte auf diesen einen solchen Eindruck, dass er sich Bücher über die hl. Beichte besorgte und schließlich katholisch wurde.

Das 7. Gebot hat ganz allgemein den Sinn, das Eigentum des Nächsten zu schützen. Darum verbietet es jeden Eingriff und Übergriff gegen fremdes Eigentum. Wenn wir uns Gedanken über das Stehlen machen, dann wollen wir bedenken, dass es nicht nur bedeutet, dem anderen nichts wegnehmen, was ihm gehört, sondern es sagt z. B. auch, dass wir mit unserem Geld verantwortlich umgehen sollen, dass wir nicht jemanden betrügen sollen, und dass wir niemanden schädigen sollen. Das 7. Gebot sagt jedem, der fremdes Gut findet: Du sollst es nicht selber behalten, sondern schauen, dass es wieder zu seinem Besitzer zurückfindet. Weiters sollen wir Geliehenes zurückgeben und mit fremdem Eigentum sorgsam umgehen. Wenn ich etwas absichtlich oder leichtfertig beschädigt habe, muss ich den angerichteten Schaden so gut es geht wieder gutmachen.

Nehmen wir das 7. Gebot auch in den kleinen Dingen ernst und sagen wir nicht vorschnell: hier habe ich mir nichts vorzuwerfen.

Eine uralte Volksweisheit sagt: »Unrecht Gut gedeiht nicht!« Früher oder später zeigt sich, dass kein Segen auf gestohlenem Gut liegt. Und auch wenn die Strafe nicht hier auf Erden kommt, so wäre es schlimm, wenn jemand mit so einer Last, ohne den Diebstahl bereut und wieder gut gemacht zu haben, in die Ewigkeit hinübergeht.

Es steckt in jedem Menschenherzen drin, dass ich das, was einem anderen gehört, nicht wegnehmen darf. Dies ist sehr leicht jemanden einsichtig zu machen. Jedem das Seine geben und jedem das Seine lassen. Wenn wir diese goldene Regel im Leben umsetzen, dann wäre vieles im Leben der Menschen leichter. »Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg’ auch keinem andern zu.« Dieser Spruch kann auch auf das 7. Gebot angewandt werden. Ich will nicht, dass man mir etwas wegnimmt und daher darf ich einen anderen auch nicht bestehlen.

Es ist ebenfalls nicht gut, wenn ich jemandem die Gelegenheit zum Stehlen gebe. Ich soll nicht einfach etwas herumliegen lassen. Normalerweise sperrt man eben sein Haus und das Auto ab, schließt sein Fahrrad ab und schützt sich so vor Diebstahl. Wir dürfen es dem anderen nicht allzu leicht machen. Gelegenheit macht Diebe.

Ein Beispiel für Wiedergutmachung von gestohlenem Gut zum Abschluss findet man in der Bibel, als Jesus zum Zöllner Zachäus kommt. Er sagt zu ihm: Die Hälfte gebe ich den Armen und wenn ich jemand betrogen habe, gebe ich es ihm vierfach zurück. Du kannst dich darauf verlassen. Zachäus bereute alles, als ihn Jesus anschaute. Lassen auch wir uns von Jesus anschauen, ins Herz schauen und wir werden auch zur Erkenntnis kommen, dass wir nicht nur wiedergutmachen müssen, wenn wir im 7. Gebot uns verfehlt haben, sondern es verlangt Wiedergutmachung in jedem Gebot. Wenn der Blick Jesu in unsere Seele dringt, dann drängt es uns durch Buße dies Beleidigungen Gottes, die durch unsere Sünden geschehen sind, zu sühnen.

Oft schläft unser Gewissen und da ist es nötig es aufzuwecken. Dies geschieht, wenn wir im Gebet nachdenken und Gewissenserforschung betreiben. Dazu möge die Fastenzeit da sein und schieben wir dann den Schritt zur Versöhnung nicht auf die lange Bank, sondern wagen wir es, die Sünden auch loszuwerden, wenn wir sie im Beichtstuhl reumütig bekennen. Amen.

logo
piwik Datenschutz
© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email