Fronleichnam
2012 B
logo
Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Was ist die hl. Messe? Was ist die Eucharistie? Was ist das Stücklein Brot, das wir heute hinaustragen? Ist es ein Stücklein Brot? Wäre es nur ein Stücklein Brot, dann wäre der ganze Aufwand, den wir heute betreiben, ziemlich trostlos.

Wir tragen nicht ein Stücklein Brot hinaus, sondern den Leib Christi, Gottes Sohn, der hier wahrhaftig gegenwärtig ist!

Die Fronleichnamsprozession heute hat einen dreifachen Aspekt.

Der erste Aspekt ist: Wir sind mit Christus auf dem Weg. Wir sind noch nicht am Ziel unseres Lebens. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, dass wir uns nicht hier dauerhaft einrichten. Unsere Heimat ist im Himmel.

Mit diesem Gang machen wir aber keine Demonstration. Es wirkt vielleicht bei jemand so, der nicht weiß, was hier getragen wird. Es gibt nämlich Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge. Allein das Wort Monstranz kommt ja auch von »zeigen«, so wie das Wort Demonstration. Die Demonstranten zeigen etwas. Sie wollen auf etwas hinweisen. Ja, wir wollen auf etwas hinweisen. Auf Christus wollen wir hinweisen! Demonstranten verhüllen sich manchmal. Das ist sehr bedenklich. Das tun wir nicht. Und doch ist Christus verhüllt in der Gestalt des Brotes. Der Priester verhüllt sich hinter dem Messgewand, weil nicht seine Person wichtig ist, sondern weil er auf Christus hinweisen will.

Wenn manchen vielleicht der Aufwand, der heute betrieben wird, stört, dann wollen wir uns erinnern, wie es bei einem Staatsbesuch ist. Wie ist es, wenn ein hoher Staatsgast kommt? Wie groß ist hier oft der Aufwand mit Polizeisperren, Absicherungen und unvorstellbaren Vorbereitungen? Und wenn der höchste Gast, den es überhaupt gibt, kommt? Der, der alles gemacht hat! Der, dem alles gehört, weil er es erschaffen hat, dann darf uns hier nichts zuviel sein, wenn auch wir Vorbereitungen machen. Allen, die hier wieder fleißig und treu ihre Dienste übernommen haben, sei herzlichst gedankt.

Der zweite Aspekt ist: Zeugnis geben. Wir zeigen heute Christus der Welt. Wenn von Jahr zu Jahr weniger mitgehen und vielleicht immer mehr Menschen uns sehen, die sich nicht selber beteiligen, wird dieser Aspekt immer stärker: der missionarische Aspekt. Wir bekennen mit unserem Tun, mit unserem Mitgehen diesen Glauben an die Gegenwart Christi.

Als ein evangelischer Christ einmal so eine Fronleichnamsprozession beobachtete und dann bemerkte, wie sich die Katholiken beim eucharistischen Segen hinknieten, da fing er an nachzudenken und fragte sich: Diese Menschen müssen wirklich glauben, dass hier Gott gegenwärtig ist, sonst würden sie sich nicht vor diesem Stückchen Brot hinknien und so war diese Fronleichnamsprozession der Anlass, dass er katholisch wurde. Das Zeugnis dieser Katholiken half ihm, zum wahren Glauben zu kommen. Die Demut dieser gläubigen Menschen hatte Auswirkungen gehabt. Wie schwer tun wir uns, uns klein zu machen, uns hinzuknien. Da wird man nur belächelt und verspottet. Da steckt doch oft viel Feigheit in unserem Herzen.

Und der dritte Aspekt ist die Anbetung. Wir bieten alles auf, um Gott Ehre im Allerheiligsten Sakrament zu erweisen. Wir verwenden Weihrauch, wir streuen Blumen, wir läuten mit den Glocken, wir beten, wir singen, wir verwenden Fahnen, der Priester geht unter dem Himmel, die Feuerwehr ist da, die Ministranten, die Erstkommunionkinder und und und …

Das ist überhaupt der wichtigste Aspekt: dass wir Gott anbeten. Er ist ja bei jeder heiligen Messe das Entscheidende. Er möchte angebetet werden, wenn er sich klein macht und in der Gestalt des Brotes und des Weines gegenwärtig wird. Gott, der Schöpfer, will vom Geschöpf angebetet werden. Deswegen knien wir bei der Wandlung, beim Segen und machen uns klein.

Fronleichnam heißt also »sich mit Christus auf dem Weg machen«, »ihn der Welt zu zeigen« und »ihn anbeten«, damit alle wissen, wer Gott ist: nämlich der ewige allmächtige Gott, der uns erschaffen hat. Amen.

logo
piwik Datenschutz
© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email