11. Sonntag im Jahreskreis
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Dieses Gleichnis von der selbstwachsenden Saat kann man auf zwei verschiedene Weisen auslegen.

  1. Ich sehe darin die Kirche im Allgemeinen.
  2. Ich beziehe es auf die Einzelperson.

Und in jeder Auslegungsweise gibt es drei Phasen. 1. Die Aussaat, 2. Das Wachsen der Saat und 3. Die Ernte. Wenn ich das Gleichnis auf die Kirche im Allgemeinen beziehe, dann ist der Sämann Christus, der vor 2000 Jahren den Samen u.a. durch seine Predigt ausgestreut hat. Vor 2000 Jahren, als er selbst über die Erde schritt, hat der göttliche Sämann die Saat durch seine Lehre und durch sein Leben ausgestreut. Er verkündete damals den Menschen das Evangelium. Das ist der Same. Und dann ging er zu seinem Vater im Himmel zurück und überlässt scheinbar die Saat sich selbst.

Das Wachstum der Saat ist die Geschichte der Kirche bis jetzt, vom Urchristentum bis heute. Es ist damit einerseits die Entwicklung der Kirche im Innern gemeint, d.h. die Entwicklung in der Lehre, das tiefer Eindringen in die Glaubenswahrheiten; andererseits das Wachsen nach außen, die Ausbreitung auf der ganzen Welt. Hier sehen wir ein großes Wachstum. Die Christen sind die größte Weltreligion geworden. Der größte Baum! Die Saat wächst seit 2000 Jahren, oft langsam und still, sodass man es nicht immer gleich bemerkt. Wir Menschen sind oft zu ungeduldig und begehren auf, wenn nichts weitergeht, wenn wir merken, dass manches sogar abstirbt, oder, wenn wir sehen, wie viel Unkraut mitwächst. Manchmal macht uns dies mutlos. Aber es braucht alles seine Zeit und daher sollen wir die Entwicklung mit den Augen der Geduld anblicken. Gott ist ein geduldiger Gott und er hat alles in der Hand. Er ist der Lenker der Welt und der Kirche. Die Saat ist zwar scheinbar sich selbst überlassen, man meint das Wachstum der Kirche ist völlig der Willkür anheimgestellt, aber das Gegenteil ist der Fall. Alles läuft ab nach seinem Plan, nach dem Plan Gottes. Im Himmel ist jemand, der Wind und Wetter für das Gedeihen und Wachsen der Saat schickt, der der Herr ist über alles und im letzten alles lenkt. Die Kirche ist in den Händen Gottes fest verankert und sicher geborgen.

Die Ernte ist am Jüngsten Tag, wenn Christus in Herrlichkeit wiederkommt auf den Wolken des Himmels. Alle, die Frucht gebracht haben, werden in die Scheune Gottes gebracht werden, und sie werden in den ewigen Wohnungen sein dürfen.

Die zweite Möglichkeit ist, dass ich das Gleichnis gleich auf die Einzelperson anwende, auf den einzelnen Menschen.

Dann ist das Ausstreuen des Samens bereits bei unserer Taufe grundgelegt worden. Bei jeder Predigt oder Katechese wird erneut der Same durch die Verkündiger des Glaubens ausgestreut. Er wächst in den Herzen des Einzelnen ganz verborgen. Niemand weiß, wie der einzelne die Botschaft Christi aufnimmt, ob die Predigt Frucht bringt, ob sie bis ins Herz des Einzelnen vordringt oder nicht. Jede Ähre muss ja selbst auch das Wachstum besorgen. Sie muss das Wasser und die Nährstoffe vom Erdreich aufnehmen. Gott gibt uns Hilfen, aber er zwingt uns nicht Frucht zu bringen. Es gibt den freien Willen. Wir müssen den Willen zum Wachstum haben. Und bei jedem Einzelnen kommt es auch zur Ernte. Am Ende des Lebens kommt erneut der Sämann: Christus. Und er schaut, ob die Saat reif ist zur Ernte.

Für die Jünger und die Apostel war dies ein Trostgleichnis. Sie waren am Anfang eine ganz kleine Schar, und sie sollen in die Welt hinausgehen und die Botschaft Christi verkünden. Sind sie damit nicht überfordert? Nein, sagt dieses Gleichnis. Sie sollen den Samen auf den Acker streuen. Der Same wächst von selbst. Der Apostel Paulus greift das auf, wenn er sagt: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat es wachsen lassen. So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern nur der, der es wachsen lässt. Gott.“ Das gibt uns Hoffnung und Zuversicht. Wir sollen das tun, was in unseren Händen liegt, was in unseren Kräften liegt. Den Samen ausstreuen. Das betrifft nicht nur den Priester, sondern das betrifft genauso die Eltern, die den Auftrag haben, den Kindern den Glauben weiterzugeben. Sie sollen den Samen ausstreuen und das genügt. Er wächst im Verborgenen. Und dann wollen wir den Samen, der uns ins Herz gestreut wurde, pflegen und hegen, dass aus unserem Pflänzchen ein guter Baum wird, der am Ende Frucht bringt. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email