12. Sonntag im Jahreskreis
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

»Was wird wohl aus diesem Kind werden?« Diese Frage, die wir im heutigen Evangelium gehört haben, hören wir auch manchmal in unserer modernen Zeit. Besonders wenn z.B. Lehrer untereinander über die Schüler reden, fällt dieser Satz öfter: »Was wird wohl aus diesem Kind werden?« Der Unterschied zum Evangelium liegt aber darin, dass es oft nicht positive Erlebnisse sind, die uns so fragen lassen, sondern dass wir heute über so manche Kinder in der Schule wegen deren Verhalten, wegen deren frechen Antworten und schlechtem Benehmen so überrascht sind, ja so schockiert sind, dass wir uns deshalb fragen: »Was wird wohl einmal aus diesem Kind werden?« Es sind gewisse Ängste vorhanden, die mit den Worten ausgedrückt werden: Hoffentlich gerät das Kind nicht auf die schiefe Bahn. Hoffentlich findet es doch noch den rechten Weg. Immer öfter gibt es Kinder - man nennt sie verhaltensauffällig oder verhaltensoriginell -, die den Lehrern größte Schwierigkeiten bereiten, die Disziplin aufrechtzuerhalten. Es gibt immer öfter Kinder, die den Unterricht regelmäßig stören und für die das Wort Gehorsam fast ein Fremdwort geworden ist.

Bei unserem Heiligen stellte man sich auch die Frage: »Was wird wohl aus diesem Kind einmal werden?«; aber aus einem anderen Grund.

Schon bei seiner Geburt geschehen wunderbare Dinge, sodass sich die Frage aufdrängte: »Was wird wohl aus diesem Kind werden?« Ist es nicht sonderbar, dass sein Vater Zacharias stumm wird und erst wieder reden kann, wenn er den Namen Johannes auf das Täfelchen schreibt? Bereits die erste Überraschung war, dass Elisabeth, die doch unfruchtbar war, noch ein Kind in ihrem Alter empfangen hat. Es hat sicher ganz viele in großes Erstaunen versetzt und so manche werden sich diese Frage gestellt haben. »Was wird wohl aus diesem Kind werden?« Die Frage nach dem Messias, der Ruf nach dem Retter der Menschheit wurde immer drängender, wurde immer lauter und bei vielen stieg die Sehnsucht nach dem Erlöser. So überrascht es nicht, dass, als Johannes taufte und mit gewaltigen Worten den Juden durch seine Predigt zur Umkehr ins Gewissen redete, gefragt wurde: »Bist du der Messias?« Er hat dies aber immer zurückgewiesen. »Das bin ich nicht.« Aus dem Kind wird der Vorläufer, nicht der Messias selbst!

Wir wissen, dass Johannes daher an der Schwelle vom Alten zum Neuen Bund steht. Als letzter der Propheten hat er sozusagen noch einen Fuß im Alten Testament. Aber, da sein Tun und Wirken uns ihm NT überliefert ist und er zur Zeit des Messias lebte, steht er doch auch mit dem anderen Fuß mit Recht als Vorläufer Jesu im Neuen Bund.

Johannes der Täufer begegnet uns vor allem im Advent als Rufer in der Wüste. Er ist der Vorläufer des Herrn, der uns in der Vorbereitungszeit auf Weihnachten an Buße und Umkehr erinnert. Seine Größe zeigt uns die Kirche dadurch, dass gerade heute er den Sonntag verdrängt. Außer bei der Gottesmutter Maria ist Johannes der einzige Heilige, dessen Geburt wir feiern. Sonst wird immer am Todestag des Heiligen gefeiert, weil dies der Geburtstag für den Himmel ist. Es ist der Eintritt in das ewige Leben bei Gott. Die doppelte Feier an zwei Tagen, das zweifache Gedenken des Heiligen, seiner Geburt und seines Todes durch Enthauptung zeigt seine hohe Stellung unter allen Heiligen. Die Kirche betont damit seine Wichtigkeit und Bedeutung im Heilsplan Gottes.

»Was wird wohl aus diesem Kind einmal werden?«, fragte man sich. Die Geschehnisse bei seiner Geburt zeigten deutlich, dass die Hand des Herrn mit ihm war. Zacharias sprach zu seinem Kind: »Du wirst Prophet des Höchsten heißen, denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.« Der Engel des Herrn teilte ihm diese prophetischen Worte mit. Das also wird aus diesem Kind werden: ein Wegbereiter des Herrn!

Wir, die wir heute das Geburtsfest des Johannes feiern dürfen, wissen, was aus diesem Kind geworden ist. Wir wissen, wie sich die Worte des Zacharias erfüllt haben. Er wurde wirklich der Wegbereiter des Herrn. Jesus nennt ihn den Größten unter allen Menschen, weil er zugleich der Demütigste war. Er hat demütig seine Jünger zu Jesus geschickt mit den Worten: »Seht das Lamm Gottes.« Neidlos überlässt er die Menschen, die er bisher geformt hat, dem anderen. Er hat sie nicht für sich, sondern für den Kommenden gewinnen wollen. Dieser Kommende ist der Mittelpunkt seines Lebens. Auf ihn allein kommt es an. Jesu erste Apostel kommen also aus dem Jüngerkreis des Johannes.

Werden wir offen für die Botschaft des Johannes, die heute noch genauso aktuell ist wie damals. Er zeigt auf Jesus. »Seht, das ist das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt.« Daher muss Christus wachsen, Johannes aber abnehmen.

Letztendlich sollen auch wir durch unser Leben immer auf Christus hinweisen. Für uns kann nur das Gleiche gelten wie bei Johannes: dass Christus im Mittelpunkt steht, nicht wir selber. Wenn uns dies gelingt, dann kann die Frage »Was wird aus diesem Kind werden?« bei uns einmal beantwortet werden mit dem Satz: Es wurde daraus einer, der auf Christus hinweist. Das wollen wir immer bekennen. Christus ist das Lamm Gottes, das uns von den Sünden erlöst hat. Amen.

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