16. Sonntag im Jahreskreis
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

»Jesus hatte Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.« Darum hat Jesus das Priestertum eingesetzt, damit der Priester wie ein Hirt die Schafe weidet, sich um sie sorgt, den Weg vorausgeht und sie beschützt.

Wir wollen uns über den Priester, über den Hirten Gedanken machen. Was ist der Priester? Wie soll ein Priester sein? Was ist sein Wesen, seine Identität? Der Hl. Vater schrieb vor drei Jahren in seinem Brief anlässlich des Priesterjahres an die Priester. »Der Priester ist ein vom Geist aus bekehrter und erneuerter Mensch, der aus der persönlichen Beziehung zu Christus lebt.«

Bekehrt und erneuert! Auch der Priester braucht immer wieder Bekehrung und Erneuerung. Kein Mensch ist schon auf dieser Erde vollkommen. Jeder braucht immer wieder diese neue Hinwendung zu Gott. Dazu ist es notwendig, die eigene Situation einmal zu sehen wie sie ist; und zwar ohne Schönfärberei! Das ist immer wieder die Gefahr, dass wir uns entweder besser machen wie wir sind, oder dass wir uns zufrieden geben, mit dem wie wir bisher sind. Das drückt sich aus, wenn ich meine, ich habe keine Sünden, ich bin schon so gut. Ich bin so toll. Das ist nur der Anton von Tirol (wie es im bekannten Lied heißt). Wir alle werden in uns Unvollkommenheiten entdecken, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind.

Das muss ich als erstes einmal sehen und so annehmen. Dann aber darf ich mich nicht zufrieden geben mit dieser Situation. Was soll ich machen? Wie kann ich mich von diesen Untugenden lösen? Diese Fragen muss sich auch der Priester stellen und dann anpacken. Er muss auch hier den Schafen vorausgehen. Er muss hier den Schafen zeigen, wie es geht. Das heißt konkret, dass auch der Priester die hl. Beichte empfängt, und dass auch der Priester sich bemüht um die Heiligung der eigenen Seele.

»Ein bekehrter und erneuerter Mensch, der aus der persönlichen Beziehung zu Christus lebt.« Der Priester wird von der Beziehung zu Christus her definiert. Die Menschen sollen Christus in ihm sehen. »Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir«, sagt Paulus. Beim Pfarrer von Ars war genau das identisch. »Was er ist und was er in der Mission ist, d.h., was er tut.«

Der Bischof hat zum Pfarrer von Ars gesagt, als er ihn in dieses verrufene Dorf schickte. »Er soll die Liebe dort einführen.« Er hat nicht gesagt, er soll predigen, er soll Messe lesen, er soll Beichte hören, sondern er soll die Liebe dort einführen. Und das ist in Wahrheit das Wichtigste, denn wenn die Leute das kapiert haben, dann werden sie auch kapieren, dass die Messe, die Beichte und alle anderen Sakramente, das fordern und zur Liebe hinführen. Sie werden merken, dass jede hl. Kommunion uns stärkt im Kampf gegen das Böse, und dass jede Beichte uns reinigt und uns Kraft gibt die nächste Versuchung tapfer abzuwehren.

Der hl. Pfarrer von Ars hat das geschafft, dass die Menschen mit ihm eine Erfahrung der barmherzigen Liebe Gottes machen konnten, und zwar durch sein Zeugnis und durch sein Leben. Sie haben eine Erfahrung gemacht, dass Gott barmherzig ist, und dass er Mitleid hat mit uns Menschen (vgl. Evangelium: er hatte Mitleid mit den Menschen, weil sie ohne Hirten sind). Gott ist ein Gott der Liebe. Sie haben dies erfahren, dass er sich herabneigt, um uns zu helfen.

Beten wir, dass jeder Priester so aus der Beziehung zu Christus lebt, sodass viele Menschen diese positive Erfahrung Gottes machen dürfen. Amen.

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