2. Sonntag im Jahreskreis
2012 B
logo
Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

»Seht das Lamm Gottes!«, sagte Johannes der Täufer und als die beiden Jünger hörten, was er sagte, folgten sie Jesus. Sie waren Schüler des Johannes und spitzten natürlich bei seinen Worten ihre Ohren. Sie hörten auf ihn. Er war ihr Lehrer. Letztlich war es die Stimme Gottes, die durch Johannes zu ihnen sprach. Sie sollen jetzt Jesus folgen. Er ist nur der Vorläufer, der hinweist auf den Messias, auf das Lamm Gottes.

Wie ist das bei uns? Hören wir die Stimme Gottes? Achten wir auf sie? Sie spricht auch manchmal durch andere Menschen zu uns.

Der Alltag ist bei uns oft so laut, dass wir uns schwer tun mit dem Hören. Manchmal wollen wir vielleicht auch ganz bewusst uns durch laute Musik zerstreuen. Bei den Kindern in der Schule ist es auch nicht immer leicht, dass sie hören, dass sie still werden und zuhören können.

In der Lesung hörten wir vom Samuel, der nachts im Schlaf (da ist es natürlich ruhig und leise) seinen Namen rufen hört. Er hört die Stimme Gottes, weiß aber nicht, wer zu ihm spricht. Er meint, dass ihn Eli gerufen hat. Der Priester gibt ihm dann den Tipp, als er merkt, dass Gott zu Samuel sprechen möchte, er soll antworten: Rede, Herr, dein Diener hört.

Ist es nicht oft so, dass Gott zu uns sprechen möchte und wir nicht merken, dass Gott es ist. Wir können die Stimme nicht zuordnen. Wir beten zu wenig die Worte: »Rede, Herr, dein Diener hört.« Gott klopft manchmal an und möchte zu uns etwas sagen und wir öffnen ihm nicht die Tür. Deswegen muss er draußen bleiben und wir verstehen seine Worte nicht. Wir hören nicht, was er uns sagen möchte. Das »Tür-öffnen« wäre unser Gebet: Rede, Herr, dein Diener hört. Er würde gerne eintreten und sich uns mitteilen, doch wir sind zu beschäftigt und lassen ihn vor der Türe stehen.

Die Jünger des Johannes haben insofern Jesus die Tür geöffnet, indem sie zu ihm gegangen sind und ihm nachgefolgt sind. Wären sie ihm nicht nachgegangen und hätten sie nicht auf Johannes gehört, dann hätte Jesus sie nicht angesprochen mit den Worten: »Was wollt ihr?« Sie haben sich auf ein Gespräch mit Jesus eingelassen. Sie haben sich Zeit genommen. Für Gott muss man sich auch Zeit nehmen. Wenn wir nicht wollen, wenn wir uns nicht zu einem Gast hinsetzen und das Gespräch suchen, sondern immer vielleicht nur in der Küche sind, dort arbeiten, das Essen vorbereiten und den Gast allein im Wohnzimmer sitzen lassen, wird er alleine dort still schweigen und es wird zu keinem Gespräch kommen. Wir müssen also schon bei ihm bleiben und uns für ihn interessieren. D. h. wir müssen uns auch für Gott interessieren und uns Zeit nehmen zum Gebet. Auch bei der hl. Messe spricht Gott zu uns, im Wort Gottes, im Evangelium …

Wenn wir uns wieder der Heiligen Schrift zuwenden, dann können wir sagen, dass Johannes der Täufer und Eli die gleiche Aufgabe hatten. So wie Eli Samuel auf Gott hinwies, der ihn dann ruft, so weist Johannes auf Jesus hin mit den Worten »Seht, das Lamm Gottes«.

Und so sollte jeder Priester immer auf Gott hinweisen. Hört auf die Stimme Gottes im Alltag. Er möchte öfter zu euch sprechen und wir sollen unser Ohren dafür öffnen. Wir sollen achtsam sein und versuchen durch vermehrtes Gebet den Willen Gottes zu erkennen, dass wir ihn dann auch in unserem Leben tun. Denn entscheidend ist wirklich der Wille Gottes: nicht unser Wille, unser Ego, das eigene Ich. Es steht so oft im Vordergrund und drängt sich immer wieder in den Vordergrund. Da müssen wir aufpassen, dass wir es nicht mit dem Willen Gottes verwechseln.

Wir beten ja immer im Vater unser: »nicht mein Wille geschehen, sondern der deine.« Dies sollen ja nicht bloße Worte sein, sondern wir wollen sie ernst nehmen und eben auch in unserem Leben umsetzen. Es wäre also gut, sich öfter die Frage zu stellen, was will Gott von mir. Was soll ich tun?

Jeder Priester muss aber auch zuerst selber seine Ohren spitzen und in der Stille versuchen die Stimme Gottes zu hören. Er selbst muss sich hier einüben und Gott möchte ja auch besonders durch die Priester zu uns kommen. Er möchte in der hl. Messe und in der hl. Beichte zu uns sprechen. Und daher soll das Werkzeug Gottes selber mit gutem Beispiel vorausgehen und immer wieder auf die Stimme Gottes hören und sagen: Rede, Herr, dein Diener hört. Amen.

logo
piwik Datenschutz
© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email