25. Sonntag im Jahreskreis
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wer will nicht der Erste sein? Beim Spiel will jeder gewinnen! Beim Sport strebt jeder nach der Goldmedaille! Im Beruf will man Karriere machen, möglichst schnell nach oben gelangen und viel Geld verdienen. Manche sagen boshaft: „nach unten treten, nach oben buckeln, wie beim Fahrradfahren“. Beim Chef will ich gut da stehen, um befördert zu werden, damit ich eine Gehaltserhöhung bekomme. Das wäre doch schön, wenn man überall der Beste ist! Es ist dies ein menschliches Streben, das bei dem einem mehr, beim anderen weniger ausgeprägt ist. Auch unter den Aposteln ist nun dies festzustellen. Sie möchten wissen, wer von ihnen der Größte ist! Wer steht über dem anderen? Wer ist der erste? Wer gilt mehr?

Obwohl Jesus ihnen gerade noch versucht hat zu erklären, was mit ihm geschehen wird: nämlich, dass er leiden muss, dass sie ihn töten werden, und obwohl sie ihn nicht verstanden, fragen sie nicht nach dem Sinn seiner Worte, sondern ihnen ist in diesem Augenblick etwas anderes wichtig. Sie diskutieren über die Rangfolge. Unermüdlich bemüht sich Jesus seinen Aposteln die falsche Messiasvorstellung zu nehmen und sie trauen sich nicht, ihn zu bitten, er möge es ihnen nochmals erklären. Dafür streiten sie über die Macht und die Reihenfolge der Plätze im Reich Jesu. In welchem Reich? Im Reich, wo Jesus als Messias herrscht! Ein Messias, der aber nicht leiden darf. Gerade das haben sie falsch verstanden.

Sie reden über die Rangfolge der Apostel und denken sich ein irdisches Reich: eine jüdische Befreiungsorganisation vielleicht. Gerade diese Gedanken will Jesus ihnen wegnehmen.

Er setzt sich und ruft die Zwölf. Sie sollen sich wahrscheinlich in einem gemütlichen Kreis um ihn herumsetzen. Gespannt warten sie, was nun kommen wird. Ihr schlechtes Gewissen bedrückt sie, denn sie ahnen, dass Jesus ihre Gedanken weiß. Jetzt kommt der entscheidende Satz: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ Jesus verurteilt nicht ihr Streben, der Erste, der Größte zu sein, aber er stellt klar die Weichen. Er sagt ihnen, was sie tun müssen, um der Erste zu sein.

In diesem Satz wird sich besonders Petrus angesprochen gefühlt haben. Ist doch er auserwählt worden, der Erste zu sein. „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Immer wieder wird er sich später daran erinnern. Gerade in den Situationen, wo er versagt! Dreimal wird er Jesus verleugnen. Wenn Jesus dreimal dann fragen wird „Liebst du mich?“, wird es ihn ins Herz treffen. Ich soll der Erste sein? Und ich bin doch ein Versager. Aber wenn ich klein und demütig bin, dann bin ich der Erste.

Die Szene im heutigen Evangelium spielt wahrscheinlich im Haus des Petrus in Kafarnaum: nicht zufällig! Petrus ist tatsächlich bestimmt der Erste zu sein. Aber es gilt für ihn, dies richtig zu verstehen: nicht um zu herrschen, um Gewalt auszuüben, um sich bedienen zu lassen, sondern, er ist der Erste, um zu dienen.

Was heißt „Diener sein“? „Diener sein“ heißt offene Augen haben für die Not der Mitmenschen, freiwillig helfen. „Diener sein“ heißt seine Pflicht erfüllen, heißt besonders auch Christus nachfolgen und dies mit allen Konsequenzen des Leidens. D.h. auch den Kreuzweg mitgehen.

„Diener sein“ lernt man aber nicht in der Theorie, sondern nur in der Praxis. Jeder Mensch spürt das Kreuz, das ihm auferlegt ist. Wenn wir es im Geiste Jesu annehmen, sind wir Diener und zugleich der Größte.

Wir dürfen danach streben der Erste zu sein. Wir sollen es sogar. Jesus hat dieses Streben nicht verurteilt. Erster ist aber nur, wer Diener aller ist. Amen.

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