26. Sonntag im Jahreskreis
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Dreimal kommt im heutigen Evangelium das Wort Hölle vor. Jesus warnt intensiv vor der ewigen Verdammnis. Jesus tut dies nicht nur an dieser Stelle, sondern immer wieder hören wir in den Evangelien, wie er uns vor dem ewigen Untergang bewahren will. Daher möchte ich heute über die Hölle etwas sagen.

Ich bin jetzt schon einige Jahre hier und habe noch nie eine Predigt über die Hölle gehalten. Sie dürfen mich also keinen Höllenprediger nennen, wenn ich heute darüber spreche. Die Hölle ist ein Glaubensdogma, eine Glaubenswahrheit und die darf man in der Verkündigung nicht auslassen, auch nicht aus Angst. Ich muss gestehen, ich habe als Kaplan aus Angst nicht über die Hölle gepredigt. Nicht weil ich Angst vor der Hölle hatte, sondern weil ich Angst vor den Menschen hatte. Man könnte sonst Schwierigkeiten bekommen.

In der Schule bin ich ebenfalls schon aufmerksam gemacht worden, ich darf den Kindern keine Angst machen, als ich von der Sünde gesprochen habe. Ich habe drei Herzchen an die Tafel gemalt. Das eine Herz ganz schwarz; es entspricht das Herz mit der schweren Sünde, das in die Hölle kommt. Das zweite Herz mit Pünktchen, das ins Fegefeuer kommt, und das ohne Pünktchen, das in den Himmel kommt. Anscheinend hat ein Kind von den Pünktchen geträumt, deswegen schlecht geschlafen und habe daraufhin Schwierigkeiten bekommen.

Es gibt die Hölle. Jesus spricht oft von der Hölle, von der Gefahr der Verdammung, dass man das ewige Heil verlieren kann. Er droht nicht, sondern er warnt davor. Kleinen Kindern muss man auch sagen, dass es gefährlich ist, ohne zu Schauen auf die Straße zu laufen, sonst kannst du überfahren werden, sonst kannst du sterben und so ist es bei Jesus auch. Er warnt uns davor. Er sorgt sich um uns. Er sorgt sich um unser Seelenheil.

Der hl. Ignatius hat in seinen Exerzitien immer auch dem Thema Hölle einen Platz gegeben. Man soll auch darüber nachdenken und der Sinn ist, dass man dadurch zum Guten motiviert werden soll. Es ist besser, du tust aus Angst die Sünde nicht, als dass du sündigst. Es ist besser, ich schaue bevor ich über die Straße renne aus Angst nach links und nach rechts, weil ich sonst von meinen Eltern Schläge bekomme, wenn sie mich erwischen, als dass ich nicht schaue und es passiert etwas.

Noch besser ist, ich sehe ein, dass es sehr sinnvoll ist, zu Schauen und ich tue es deswegen.

Die Hölle ist das ewige Fernsein von Gott, mit ewigen Qualen. Es ist das Furchtbarste, was uns passieren kann. Aber da Gott uns mit dem kostbaren Gut der Freiheit ausgestattet hat, können wir uns gegen Gott entscheiden und tragischerweise Gott ablehnen. Lieben kann ich nur in Freiheit.

Der sicherste Weg in die Hölle ist, nicht an die Hölle zu glauben. Denn dann brauche ich die Gebote nicht ernst zu nehmen. Wir brauchen nur unsere Gesellschaft anzuschauen. Viele würden anders handeln und anders leben, wenn sie an die Hölle glaubt. Sie würde anders leben, wenn sie an den Himmel glauben, der uns erwartet.

Jede Betrachtung über die Hölle muss mit dem Blick zum Himmel enden. Der christliche Glaube kennt einen barmherzigen Gott, der immer wieder den Menschen, der falsche Wege geht, mit seiner Gnade erreichen will und wenn es in der Todesstunde ist, wenn es nur hier ein Gedanke der Liebesreue ist, dann sind die Tore nicht verschlossen und das ist das Schöne an unserem Glauben.

Jesus sagt im heutigen Evangelium auch: „Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.“ Jesus verspricht ihm einen Lohn, er meint den Himmel, und dieser Lohn wartet auf jeden, der Christus liebt. Amen.

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