32. Sonntag im Jahreskreis
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Bei dieser Witwe, die nur zwei kleine Münzen in den Opferstock wirft, erinnert Jesus an den Wert der Liebe. Es ist nicht die Menge entscheidend, sondern es spielen bei Gott ein bisschen mehr Punkte eine Rolle. Wer reich ist, kann leicht von seinem Überfluss geben. Wer arm ist, dem tun schon ein paar Euro weh.

Solche Opferkästen gab es nicht nur damals, sondern wir finden sie heute in jeder Kirche, und auch bei der hl. Messe wird nach den Fürbitten abgesammelt. Früher hat es Opferung geheißen, dann hat man mehr den Namen Gabenbereitung dafür verwendet, weil die Opferung im strengen Sinn erst bei der hl. Wandlung stattfindet und hier erst die Gaben auf den Altar gebracht werden. Beide Bezeichnungen sind aber einseitig. Wir bringen die Gaben, die geopfert werden. Mir würde eventuell eine Mischform besser gefallen: wie Gabendarbringung oder noch besser Opferbereitung. Weil das Opfer vorbereitet wird, so sollen auch wir eine kleine Gabe bringen. Das kann mein Scherflein, meine kleine Gabe, beim Absammeln sein. Das sollte aber letztlich auch unser Herz sein. Jesus beobachtete damals jeden genau, was er opferte. Er sah ihnen nicht bloß auf die Hände, sondern ins Herz. Er beobachtet auch uns, jeden von uns, dich und mich. Wie opfern wir? Was opfern wir? Wird nur ein Stück Brot geopfert? Ein paar Tropfen Wein? Vielleicht ein paar Cent dazu? Oder legen wir geistigerweise doch mehr als diese sichtbaren Gaben auf die Patene.

Ich habe, leider nicht in meiner Jugend, sondern erst später, das Gebet gelernt zur Opferbereitung. „Wir opfern dir Herr Brot und Wein, bald wird es unser Heiland sein. Wir opfern dir Herr unser Herz, nimm es an und zieh es himmelwärts.“ Mit diesen Worten drückt der Betende seine Gesinnung aus. So könnten auch unsere Gedanken lauten. Was können wir da alles opfern? Wenn wir unser Herz opfern sollen, dann dürfen wir auch alles opfern, was uns bedrückt. Auf der Patene liegt die Hostie, die der Priester hochhebt und dem himmlischen Vater zeigt. Es ist die Opfergabe der Kirche bei jeder hl. Messe; es ist Jesus selbst. Unser Heiland opfert sich. Aber wir dürfen unsere Gaben auf die Patene legen. Wir dürfen unsere Sorgen auf die Patene legen. Wir dürfen unsere Probleme Gott darbringen. Wir dürfen unsere Nöte hintragen zu Gott und das hat alles Platz auf diesem goldenen kleinen Teller, auf dem die Hostie liegt, die bei den Konsekrationsworten in den Leib Christi verwandelt wird.

Ich darf heute erinnern, dass wir bei der Gabenbereitung nicht nur das Gabenlied singen, sondern dass wir unsere Herzen bereiten wollen für das große Ereignis, das beim Hochgebet geschieht. Wenn Gott selbst herabsteigt auf den Altar, wenn das Opfer Jesu Christi erneut gegenwärtig wird, dann strömt der Segen auf uns herab. Die Früchte des Kreuzesopfers, die vom Altar her ausströmen, wollen wir mit unserem offenen Herzen auffangen. Und damit dies möglich ist, müssen wir es bei der Gabenbereitung öffnen. „Wir opfern dir Herr unser Herz, nimm es an und zieh es himmelwärts.“ Wir müssen es nicht nur öffnen, sondern Gott hinhalten, und er soll es nehmen. „Himmelwärts ziehen“ heißt „zu sich ziehen“, an seine Wunden, damit sein Blut in unser Herz fließt und es belebt.

Das soll uns heute in Erinnerung gerufen werden, wenn wir das Opfer der armen Witwe betrachten, die mehr geopfert hat, als alle anderen, weil sie alles gegeben hat, was sie besaß: ihren ganzen Lebensunterhalt. So könnten wir auch bei der Opferbereitung alles, was wir haben, geistigerweise opfern, Gott schenken, denn er hat auch alles gegeben. Er selbst hat sein Leben gegeben für uns Sünder. Er hat sich am Kreuz geopfert für unsere Sünden. Es ist ein kleines Zeichen des Dankes, wenn auch wir bei der Messe Gott das geben, was ihm eigentlich zusteht. Die Opferbereitung ist also der Ort, wo wir unser Herz Gott hinhalten und es ihm anbieten. „Wir opfern dir Herr unser Herz, nimm es an und zieh es himmelwärts.“ Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email