7. Sonntag im Jahreskreis
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir haben soeben die Heilung eines Gelähmten gehört. Wir erinnern uns, dass Jesus ihm zuerst die Sünden vergeben hat und ihn dann erst von seiner Krankheit heilte.

Ich möchte auf etwas hinweisen, das ihnen vielleicht im ersten Moment gar nicht auffiel und doch von großer Bedeutung ist. Es ist eigentlich nur ein kleines Wörtchen, das man überhören könnte. »Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!« Jesus sagte nicht »seinen Glauben«, den Glauben des Gelähmten, sondern ihren Glauben! Es ist anscheinend der Glaube der 4 Männer entscheidend.

Als sie den Kranken wegen der großen Volksmenge nicht bis zu Jesus hinbringen konnten, gaben sie es nicht gleich auf. Sie sagten nicht: Da kann man nichts machen, versuchen wir es halt ein anderes Mal. Nein! Liebe macht erfinderisch. Die Träger schleppten den Kranken über die Außentreppe aufs flache Dach hinauf. Das war natürlich nicht so solide gebaut wie bei uns. Äste, Holzprügel und gestampfter getrockneter Lehm waren das Baumaterial. Es war wahrscheinlich nicht schwer abzudecken und auch nicht schwer, nachher zu reparieren! Petrus, der sicher bei Jesus im Zimmer saß, wird sehr überrascht, vielleicht sogar empört gewesen sein, als die Leute das Dach seines Hauses über ihm abdeckten. Aber Jesus lehrte unbeirrt weiter, so konnte ihn Petrus auch nicht unterbrechen.

Vielleicht wundert uns, dass Jesus zuerst die Sünden verzeiht und dann erst heilt. Er zeigt wieder einmal, wofür er eigentlich gekommen ist. Die Heilung soll nur ein Hinweis sein, dass er die Vollmacht hat, Sünden zu vergeben. Letztendlich ist diese Vergebung viel wichtiger für den Kranken, denn es schenkt ihm ein reines und gutes Gewissen vor Gott.

Jesus schenkt nun diese Vergebung wegen ihres Glaubens und nicht wegen seines Glaubens. Wenn wir in die hl. Schrift schauen, finden wir tatsächlich auch andere Heilungsgeschichten, in denen ähnliches berichtet wird. Der Knecht des Hauptmannes wird geheilt, weil dieser Jesus entgegengeht, ihn bittet und an seine unbeschränkte Macht glaubt (Mt 8,5-10). Oder Eltern bitten für ihre kranken Kinder: so der Tempelvorsteher Jairus (Mk 5,22-43). Jesus heilt auf seine Bitte hin seine Tochter und weckt sie von den Toten auf. Oder die Frau aus Syrophönizien (Mk 7,24-30): Auf ihren Wunsch hin befreite er ihre Tochter vom unreinen Geist. Oder der Vater eines Knaben, der von einem stummen Geist besessen war (Mk 9,14-29). Weil der Vater geglaubt hat, wurde sein Sohn geheilt. Immer kommt es auf ihren Glauben an. Ihr festes Vertrauen bewegt Jesus zur Wundertat. Es scheint als könnte ein Mensch mit seinem Glauben für andere eintreten. Der Glaube der Eltern, des Dienstherrn, der Freunde zählt, wo der Kranke unfähig ist, ihn zu äußern. Der Glaube der helfenden Freunde ist also nicht nebensächlich. Er hilft mit zur Vergebung und zur Heilung.

Auch der reuige Sünder steht nicht allein vor Gott. Die gläubige Gemeinschaft hilft ihm, Verzeihung zu finden. Das nennen wir Stellvertretung! Die Stellvertretung ist ein urkatholisches Prinzip! Der Sühnetod Jesu am Kreuz ist stellvertretend geschehen. Er ist stellvertretend für unsere Sünden, die er auf sich genommen hat, in den Tod gegangen, um uns zu erlösen, um uns aus der Finsternis zu holen. Er, der nie gesündigt hat, nimmt stellvertretend unsere Sünden auf sich, um uns zu retten.

Ein evangelischer Bischof hat ein Buch herausgegeben mit dem Titel: »Keiner kann sich vertreten lassen.« Dieser Bischof meint, dass der einzelne seine persönliche Verantwortung wahrzunehmen habe und dass er sich dabei von niemandem vertreten lassen könne. Stellvertretung könne also nicht bedeuten, dass der Mensch seine eigene Verantwortung auf einen anderen übertragen könne oder sie sich von einem anderen abnehmen lasse. Auch in seiner Liebe zum Nächsten und vor allem in seiner Liebe zu Gott könne man sich nicht vertreten lassen. Am Schluss des Buches jedoch gibt er zu, dass es doch Stellvertretung gebe, indem er auf Jesus Christus hinweist, der stellvertretend für uns gelitten hat und gestorben ist. Warum aber soll dies nur für das Leben Christi gelten und nicht auch für das Leben aller Christen? Gott sei Dank gilt es auch für uns alle. Wir können für andere bei Gott eintreten und Fürsprache einlegen. Das ist Lehre der Kirche. Wir sind eine große Gemeinschaft. Wir wollen nicht nur auf uns schauen, sondern auch auf unseren Nächsten und wenn wir ihn in Not sehen, wollen wir Gott anrufen und Gott wird sehr wohl auch diese Gebete hören. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email