8. Sonntag im Jahreskreis
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir hörten im Evangelium etwas vom Fasten! Vielleicht sagt ihr jetzt: Themenverfehlung. Wir befinden uns im Fasching. Sprechen sie doch über die Freude! Wenn ich das Wort „fasten“ höre, werde ich bloß traurig. Fasten ist für mich ein Opfer und daher tue ich es nicht gern. Das nimmt mir doch die Freude. Außerdem kommt die Fastenzeit früh genug und dauert 40 Tage. Das ist eine lange Zeit. Da habt ihr vielleicht auch ein wenig recht.

Und doch erwähne ich nochmals kurz den Inhalt des Evangeliums über das Fasten, denn die Jünger Jesus haben ja gerade nicht gefastet. Jesus wird dies von einigen Leuten zum Vorwurf gemacht. Ist Jesus gegen das Fasten?

Nein, sicher nicht. Zu diesem Zeitpunkt aber brauchen die Jünger nicht fasten. Was hat er geantwortet? Er sagt: „Können die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“

Was bedeutet das? Die Zeit vor 2000 Jahren, als Jesus auf dieser Erde weilte, beschreibt er als eine Hochzeit, ein Fest, wo man sich freut, dass der Bräutigam unter ihnen ist. „Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein: an jenem Tag werden sie fasten.“ Will Jesus damit sagen, dass wir jetzt immer, seit seinem Tod jeden Tag fasten müssen? Das wohl auch nicht!

Jesus will aber damit andeuten, dass es eben auch Zeiten des Fastens geben wird, wenn er gestorben ist. Es gibt eine Zeit der Freude. Es gibt eine Zeit des Fastens. Man kann nicht immer Feste feiern, das wissen wir. Es braucht auch die Zeiten der Vorbereitung auf das Fest. Und es gibt den grauen Alltag.

Heute aber sind wir aber noch nicht am Aschermittwoch angelangt. Die Fastenzeit als Vorbereitung auf das große Osterfest hat noch nicht begonnen. Heute ist noch die Zeit des Faschings. Ja, es ist eine Zeit der weltlichen Freude. Das sage ich ganz bewusst. Die Kirche lehnt die Freude nicht ab. Ich möchte aber hinweisen auf die christliche Freude.

Es gibt verschiedene Arten von Freude. Ein herzhaftes Lachen, über einen Witz zum Beispiel. Der Clown im Zirkus versucht die Zuseher durch seine Komik zum Lachen zu bringen. Diese Freude ist sehr kurz, aber – wie man sagt – sehr gesund. Dann gibt es die Schadenfreude. Sie stimmen mir sicherlich zu, wenn ich sage, dass diese nicht zu den tugendhaftesten Freuden gehört. Dann gibt es die sogenannte Vorfreude. Von der sagt man, es sei die schönste Freude. Dann gibt es den Spaß, die Gaudi. Der Spaß ist meistens von kurzer Dauer. Wenn einer sagt, „das macht mir Spaß!“ oder: „Der schaut spaßig aus“, dann ist das ein großer Unterschied zur christlichen Freude.

Die christliche Freude hat mit einer wahren Fröhlichkeit zu tun und ist zu unterscheiden mit einer lärmenden Ausgelassenheit, die zum Beispiel durch übermäßigen Alkoholkonsum bewirkt wird. Der gedrückte und von Kopfschmerzen geplagte Mensch bereut am nächstesn Tag schon sein Tun und die Freude ist wie weggeflogen. Die Kirche ist sicher traurig über die Ausgelassenheit und über die Sünden, die in diesen Tagen des Faschings vermehrt geschehen. Wir wollen uns nichts vormachen lassen von den Freuden der Welt. Sie sind keine echten Freuden, denn wie oft folgt darauf bittere Ernüchterung und Enttäuschung.

Die christliche Freude ist von Dauer. Worüber freut sich der Christ? Der Christ freut sich an der Natur, an der schönen Kunst, am Mitmenschen, an Gott. Wir Christen leben aus der Freude des Auferstandenen.

Die christliche Freude hat ihren Ursprung vom Auferstehungsglauben. Jesus hat den Tod besiegt und steht uns auch in Zukunft bei und ist bei uns.

Einerseits ist er uns genommen seit seiner Himmelfahrt, andererseits aber leben wir in ständiger Verbindung mit ihm.

In dieser Stunde wollen wir ganz bewusst die Zeit feiern, wo der Bräutigam unter uns ist. „Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, sagt Jesus einmal. Ganz besonders wird Jesus unter uns gegenwärtig, wenn der Priester die Wandlungsworte spricht. Dann wird er mit Fleisch undBlut hier auf dem Altar gegenwärtig. Wenn wir in der heiligen Kommunion den Leib Christi empfangen, wird Jesus auch in unserem Herzen gegenwärtig.

Wir leben also in einem ständigen Wechsel. Bald fasten wir trauernd, weil er von uns genommen ist, dann wieder dürfen wir uns auch bewusst machen: Er ist bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt. Da hat er uns versprochen. Amen

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