Palmsonntag
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am Palmsonntag und am Karfreitag hören wir immer die Leidensgeschichte Jesu. Die sogenannte Passion wird vorgelesen. Am Palmsonntag wechseln Markus-, Matthäus- und Lukaspassion. Am Karfreitag ist es immer die Passion nach dem Evangelisten Johannes.

Diese zwei Tage, der Palmsonntag und der Karfreitag, stehen in einem gewissen Gegensatz. Heute begegnet uns der Friedensfürst auf dem Esel. Am Freitag sehen wir den Leidensknecht am Kreuz. Die zwei Tage stehen aber auch in einem gewissen Zusammenhang. Das merken wir, wenn wir das Kreuz mit Palmzweigen schmücken. An beiden Tagen spielt Jesus als der König der Juden eine Rolle. Heute wird im zugejubelt. Ein paar Tage später muss er deshalb sterben. Er ist ein König, aber nicht von dieser Welt.

Für mich stellt sich hier immer wieder folgendes Problem:

Wie ist es möglich, dass sich in kürzester Zeit die Stimmung des Volkes so radikal ändern kann?

Am Palmsonntag rufen sie ihm noch zu: »Hosanna, dem Sohne Davids.« Am Karfreitag scheint alles vergessen zu sein, und sie schreien das Gegenteil: »Ans Kreuz mit ihm.«

Wie ist es möglich, dass man einen Menschen, den man zum König haben wollte, einige Tage später töten will?

Wie ist es möglich, dass sie diesen Jesus, der so viele Kranke geheilt hat, der so viele Wunder gewirkt hat, der so viel gutes getan hat, anscheinend hassen bis aufs Blut?

Für mich ist dies ein Punkt, den ich nur schwer verstehe und mir stellen sich viele Fragen.

Ist der Mensch wirklich immer wieder so stark in Gefahr, sich vom Bösen verführen zu lassen?

Ist der Mensch ein Windfähnchen, der sich auf diese Seite hindreht, wo es gerade herbläst?

Was wäre, wenn ich dabeigewesen wäre? Wäre ich auch umgefallen und hätte ich wie Petrus Jesus verleugnet? Hätte ich auch wie Judas Jesus verraten? Hätte ich auch mitgeschrien »ans Kreuz mit ihm«? Wäre ich auch wie all seine Jünger geflohen? Hätte ich auch gespottet? Oder hätte ich mich um Jesus gekümmert? Hätte ich wie Simon von Cyrene geholfen? Hätte ich wie Veronika gehandelt? Wäre ich ihm treu geblieben wie Maria und Johannes?

All das kommt mir in den Sinn und es kann uns animieren, Jesus fest zu versprechen, dass wir versuchen, ihm treu zu sein. Aber nicht so wie Petrus, der übermütig für ihn sein Leben hingeben will. Er hat einen Fehler gemacht. Er hätte sagen müssen: »Herr, wenn du mir die Gnade schenkst, werde ich treu bleiben. Herr, bitte lass mich treu sein.«

Diese demütige Gesinnung sollen wir haben, dann werden wir treu sein auch in Gefahr, auch in Versuchung, auch wenn alle anderen schreien: »Ans Kreuz mit ihm.« Letztendlich sind es immer nur wenige: Wenige, die mit ihm auf dem Ölberg beten und nicht schlafen. Wenige, die mit ihm leiden und ihr Kreuz annehmen. Wenige, die bis unters Kreuz mitgehen. Aber diese dürfen um so freudiger mit ihm die Auferstehung feiern. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email