Taufe des Herrn
2012 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Mit dem Fest der Taufe des Herrn endet der Weihnachtsfestkreis. Die Taufe Jesu schließt das Weihnachtsgeheimnis ab. Aber mit der Taufe Jesus beginnt es eigentlich erst. Er beginnt sein Wirken in der Öffentlichkeit. Und so soll auch für uns mit dem heutigen Tag etwas beginnen. Es beginnt die Sendung Jesu und es beginnt für uns Christen der Auftrag, mit Jesus diesen Weg zu gehen.

Der Weg Jesu nach der Taufe ist der Weg der Kirche. Der Weg, den Jesus nach der Taufe am Jordan geht, hat drei Stationen. Er führt zuerst in die Wüste, dann 2. zu den Menschen und 3. nach Jerusalem. Damit sind die entscheidenden Stationen genannt, die auch heute für die Kirche und für jeden einzelnen von uns gelten.

Zuerst geht Jesus in die Wüste. Es heißt, Johannes predigt in der Wüste. Jesus kommt zu ihm und lässt sich taufen. Dann zieht sich Jesus 40 Tage in der Wüste zurück und beginnt zu fasten. So bereitet er sich auf das öffentliche Wirken vor.

Bevor die Kirche hingeht zu den Menschen, ihnen den Glauben verkündet und die Sakramente spendet, ihnen in ihren Nöten hilft, mit ihnen die hl. Messe feiert, muss sie buchstäblich vorher auch »in die Wüste« gehen und Einkehr halten. Jeder Priester hat seine Vorbereitungszeit und sein Studium, um wirksam und fruchtbar handeln zu können. Jeder Verantwortliche in der Kirche, jeder Religionslehrer braucht diese Vorbereitung, braucht die Stille, das Gebet usw. und auch sonst muss jeder immer wieder diese Zeiten der Stille suchen, sonst kann der Geist Gottes nicht wirken.

Und die Kirche muss auch von Zeit zu Zeit erfahren, dass sie durch die »Wüste« geht. Wüste ist oft in unseren eigenen Pfarrgemeinden, wenn in den Familien nicht mehr gebetet wird, wenn der Fernseher an die Stelle von hl. Messe getreten ist, wenn kein Glaube mehr da ist und die Gebote Gottes nicht gehalten werden und dadurch Familien zerstört werden, Kinder auseinander gerissen sind und unter diesen Verhältnissen leiden. Die Kirche ist trotzdem da und verkündet ihre befreiende Botschaft. Sie leidet mit unter diesen »Wüstenzuständen«.

Sie geht dann mit Jesus zweitens zu den Menschen und predigt vom Reich Gottes, das gekommen ist. So wie Jesus von Ort zu Ort gewandert ist und die Leute aufgerüttelt hat, Kranke geheilt hat, Trost gespendet hat, Mut gegeben hat, so ist das auch der Auftrag der Kirche, Trost zu spenden, Mut zu geben und auf Jesus hinweisen.

Und schließlich wird die Kirche genauso wie Jesus in Jerusalem sterben, um das neue Volk Gottes zu sammeln, um die Sünde zu vernichten und uns aus den Stricken des Teufels zu holen. Die Kirche bleibt ihrer Sendung nicht treu, wenn sie nur Anerkennung und Beifall sucht. Die Kirche bleibt ihrer Sendung treu, wenn sie den Weg Jesu nach seiner Taufe mitgeht. Wenn sie mit Jesus in die Wüste geht, dann zu den Menschen und dann bei Jesus bleibt, der für uns gestorben ist und auferstanden ist. So wird die Kirche auch immer auf diesem Weg bleiben. Hier auf Erden wird sie nicht unbedingt triumphieren. Sie wird erst am Ende der Zeiten, wenn Christus wiederkommt, triumphieren. Dann wird sie abgeholt werden und in das himmlische Jerusalem einziehen. Erst dann in der Ewigkeit ist sie die triumphierende Kirche. Hier auf Erden sind wir das pilgernde Gottesvolk, das durch manches Dunkel hindurch muss, das aber immer von Gott begleitet ist. Er hat alles in der Hand und er lenkt manchmal bewusst den Weg der Niederlage, weil auch Jesus selbst durch die Niederlage am Kreuz gesiegt hat und da die Kirche der mystische Leib Christi ist, geht auch sie diesen Weg. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email