4. Adventssonntag
2014 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es gibt das bekannte Adventlied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.“ Es fordert uns auf, das Tor für Gott zu öffnen und die Türen weit aufzumachen. Wir können Türen zumachen, ja wir sperren unsere Haustür zu, um das Haus zu sichern, wenn wir wegfahren. Wir verriegeln die Tür, wenn wir schlafen gehen, um uns vor Dieben und Einbrechern zu schützen. Ich gehe, wenn ich alleine sein will, in mein Zimmer, mach hinter mir die Tür zu und lass niemand herein. Wir öffnen unsere Tür, wenn Besuch kommt, wenn wir einen Gast hereinlassen. Jetzt im Advent sollen wir die Türen auch aufmachen. Wir sollen sie öffnen für einen Besuch. Ein besonderer Gast will kommen. Gott selbst will in unser Herz kommen.

Damals wollte Gott auch in einer ganz besonderen Weise zu jemand kommen. Er hat seinen Engel zu Maria, einer Jungfrau in Nazareth geschickt. Sie hat sein Klopfen gehört und nicht nur die Haustür für ihn geöffnet, sondern auch das Herz für die Botschaft Gottes. Sie hat „Ja“ zum Willen Gottes gesagt, so dass Gott Mensch werden kann. Es war dies wirklich eine Sternstunde für die Menschheit.

Sternstunden der Menschen waren immer herausragende Ereignisse. Bei Stefan Zweig gibt es 14 Sternstunden der Menschheit. Z.B. Der Kampf um den Südpol 1912, der vor 2 Jahren den 100. Jahrestag hat. Oder die Entstehung des Messias von Händel, dieses wunderbare Musikstück! Oder das erste Wort über den Ozean, ein Unterwasserkabel durch den Ozean 1858! Stefan Zweig hat sie Sternstunden genannt, „weil sie leuchtend und unwandelbar wie Sterne die Nacht der Vergänglichkeit überglänzen.“

Die wichtigste Sternstunde der Menschheit aber war keine dieser 14 Ereignisse, sondern es war die Stunde, in der Maria ihr „Fiat“, ihr „Ja-Wort“ gesprochen hat, denn dadurch konnte der hellste Stern aufgehen. Vielleicht ist in diesem Augenblick wirklich schon der Stern von Bethlehem aufgegangen, denn die Weisen aus dem Morgenland waren lange unterwegs. Sie hatten sicherlich auch eine gewisse Zeit gebraucht, um ihn zu analysieren, und sind dann auf seine Bedeutung gekommen: ein Königstern. Das ist nur von mir eine gewagte Vermutung, dass der Stern 9 Monate vorher schon aufging.

Den christlichen Künstlern wurde aber bald bewusst, dass es sich bei der Verkündigung um einen ganz entscheidenden Dialog handelt. Deshalb wurde diese Szene auch so oft bildlich festgehalten. Wie oft haben sie diese Begegnung wohl in der Kirchengeschichte gemalt?

Die wichtigste Sternstunde war also der Besuch des Erzengels Gabriel bei Maria. Die Stunde, in der das erste „Ave Maria“ erklang. Dem Gruß Mariens folgt die ehrfurchtsvolle Anrede „du bist voll der Gnade“. Heute am 4. Adventsonntag wollen wir uns dies bewusst machen, dass die Rettung der Menschheit in der Zustimmung einer Frau lag. Was wäre nur geschehen, wenn Maria „Nein“ gesagt hätte. Wir wissen es nicht. Sie aber hat „Ja“ gesagt und daher dürfen wir uns freuen, denn dadurch ist unsere Erlösung möglich geworden. Dadurch konnte Gott Mensch werden. Dadurch konnte er uns durch seinen unschuldigen Tod am Kreuz den Himmel wieder öffnen. Das ist unsere Freude, die wir, wenn wir das Herz öffnen, in uns aufnehmen dürfen. Diese Freude feiern wir bald. Diese Freude erfüllt uns, wenn wir an Weihnachten die Krippe betrachten. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email