1. Fastensonntag
2015 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das dreimalige „Nein“ Jesu, so könnte man das heutige Evangelium titulieren. Der Teufel will Jesus versuchen, nachdem Jesus 40 Tage gefastet hat. Jetzt ist Jesus schwach! Jetzt hat er Hunger! Daher soll er aus Steinen Brot machen. Das kann er doch, wenn er der Sohn Gottes ist. Nein, das macht er nicht. Der Mensch lebt nicht nur von Brot allein. Es folgt der Hinweis auf das Wort Gottes! Dann soll er sich vom Tempel hinabstürzen und die Engel sollen ihn beschützen. Wiederum weist er den Teufel zurecht mit den Worten. Nein, das wäre „Gott auf die Probe stellen“. Schließlich will er ihm alles geben, die ganzen Reichtümer der Welt, wenn er ihn nur anbetet. „Weg mit dir Satan.“ Ein erneutes Nein, denn man soll nur Gott allein anbeten.

So wie Jesus versucht wurde, so werden auch wir in unserem Leben immer wieder vom Teufel versucht. Eine Versuchung ist eine Lockung, ein Anreiz zur Sünde. Die Versuchung an sich ist noch keine Sünde. Sie wird erst dann Sünde, wenn der Mensch der Versuchung erliegt, ihr nachgibt und einwilligt. Dann versagt der Mensch. Und hat sich nicht bewährt.

Die Versuchung an sich kommt nicht von Gott, sondern vom Gegenspieler. Wenn wir z.B. im „Vater unser“ beten, dass uns Gott nicht in Versuchung führen soll, dann ist damit gemeint, dass Gott Versuchungen zulässt, um den Menschen zu prüfen, auf die Probe zu stellen, damit er sich Verdienste für die Ewigkeit erwerben kann. Hier bitten wir, dass uns Gott in der Versuchung helfen möge. Versuchen heißt hier also: auf die Probe stellen, jemand auf seinen wahren Wert hin prüfen. Gott lässt es aber niemals zu, dass wir Menschen über unsere Kraft hinaus versucht werden. Er schenkt immer die Gnade, dass wir die Versuchung ertragen können. Wenn wir also sündigen, sind wir selber schuld. Wir sind ganz frei, wie wir auf die Versuchung antworten. Manchmal sind wir zu schwach! Manchmal haben wir zu wenig gebetet. Und unsere Freiheit macht uns schon auch verantwortlich für unser Tun.

Versuchungen sind also, so könnte man sagen, die Prüfungsfragen Gottes! Gott prüft den Glauben und den Gehorsam der Menschen, verleitet aber niemand und niemals zur Sünde.  Jeder Lehrer wird seinen Schüler prüfen, wird Fragen stellen, ob er die Klasse bestanden hat und aufrücken kann. So prüft uns Gott auch, ob wir reif sind, um in den Himmel zu kommen. So war das am Anfang schon so. Es kam die Versuchung für Adam und Eva vom Baum in der Mitte zu essen, auch wenn es Gott verboten hat: Und Gott fragt: Was ist dir mehr wert? Dieser Genuss, den ich dir verboten habe, oder ist dir mein Wille heilig?“ Jede Versuchung, jede Prüfungsfrage entscheidet, ob es im Christenleben vor Gott aufwärts oder abwärts geht.

Es gibt in jedem Menschenleben viele kleine Prüfungsfragen und dann gibt es auch so manche große Prüfungsfragen, die weitreichend sind.

Wir sollen nun wachsam sein, damit wir der Versuchung standhalten. Wir sollen beten.

Je öfter wir einer Versuchung widerstehen, desto standhafter werden wir. Je öfter wir die Prüfungsfrage richtig beantworten, desto mehr werden wir in den Tugenden gefestigt.

Die Fastenzeit ist so eine Übungszeit. Wenn wir in diesen 40 Tagen uns auch freiwillig Opfer auferlegen, mehr beten, öfter fasten und Abstriche machen, Almosen geben und Gutes tun, umso mehr werden wir Fortschritte im geistlichen Leben machen und der Teufel muss weichen, so wie er bei Jesus keine Chance gehabt hat. Sagen auch wir unser „Nein“ zum bösen Feind und zu allen Versuchungen, damit wir in der Heiligkeit voranschreiten. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email