12. Sonntag im Jahreskreis
2015 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das Bild, das uns das heutige Evangelium zeigt, ist sehr seltsam. Wie kann es sein, dass Jesus von diesem Sturm nichts merkt? Er muss schon sehr müde gewesen sein. Die Jünger haben bereits Angst, dass sie kentern und Jesus schläft auf einem Kissen und wacht nicht auf.

Die Kirche wird oft mit einem Boot verglichen. Es heißt, dass dieses Kirchenschiff nicht untergeht, weil Gott es gebaut und gegründet hat. Gottes Geist lenkt es sicher durch die Stürme der Zeit und durch die Irrtümer der Geschichte. Jesus hat uns versprochen, immer bei uns zu sein: „Seht, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Er verlässt seine Kirche nicht.

Allerdings passiert es auch oft, dass wir meinen, Jesus schläft. Wir haben Angst, dass das Schiff sinkt, und wir rufen voller Verzweiflung: „Herr, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen!“

Heute sagen wir: Herr, kümmert es dich nicht, dass immer weniger an dich glauben. Herr, kümmert es dich nicht, dass so viele aus der Kirche austreten. Herr, kümmert es dich nicht, dass immer weniger am Sonntag in die Kirche gehen. Herr, kümmert es dich nicht, dass die Anzahl der Priester immer mehr schrumpft und zurückgeht.

Aber auch heute könnte Jesus mit dem Wort „Schweig, sei still!“ alles ändern. Er hat doch die Macht über die Herzen.

Er wird auch heute zu uns sagen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr keinen Glauben? Von uns möchte er das Vertrauen zu ihm. Schenk ihm dein ganzes Vertrauen. Er hat alles in der Hand, auch wenn du meinst, dass er schläft und sich nicht kümmert. Er verlangt jetzt von uns den Glauben und die eigene Hinwendung zu Gott. Wir selber sollen als erstes uns von dem Bösen abwenden und uns von unseren Sünden losreißen.

Und die gefährlichste Sünde ist der Kleinmut.

Nach einer alten Legende stellte der Teufel einmal alle seine Waffen zum Verkauf, die er benutzte, um die Menschen zu Fall zu bringen. Hass, Neid, Zorn, Rache, Betrug, Tratsch und die übrigen Waffen der Finsternis. Jedes Stück trug einen Vermerk mit dem Preis. Abseits von den übrigen lag eine scheinbar harmlose Waffe. Man konnte sehen, dass sie viel gebraucht war, und ihr Preis war höher angesetzt als bei den anderen. Verwundert fragte man den Teufel, was das zu bedeuten habe. Er erwiderte: „Dieser Waffe heißt Kleinmut und Verzweiflung. Ihr Preis ist so hoch, weil diese Waffe mir mehr genützt hat als irgendeine von den anderen. Mit dieser vermag ich mir den Weg zu den Herzen zu bahnen, denen ich auf andere Weise nicht beikommen kann, um sie zu Fall zu bringen. Du siehst, wie viel gebraucht und abgenutzt diese Waffe ist. Nur die wenigsten Menschen wissen, dass der Kleinmut von mir kommt.“

Immer wieder nennt Jesus seine Jünger Kleingläubige. Letztlich war die Verzweiflung auch die letzte Waffe Satans bei Judas. Er konnte nicht mehr an Vergebung glauben. Er hatte kein Vertrauen mehr zu Gott und es endete ganz tragisch.

Die Folge von Kleinmut ist Angst. Wie oft hatten die Jünger Angst. Sie fürchteten sich bei der Gefangennahme Jesu. Sie flüchteten alle. Kleinmut und Angst war immer wieder vorhanden bis der Hl. Geist ihnen diese wegnahm. Es ist der Geist der Stärke und des Mutes.

Die Geschichte vom Seesturm endet merkwürdigerweise wiederum mit der Furcht der Jünger. Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen? Es ist dies aber eine andere Furcht als vorher. Hier spüren wir bereits, wie sich Furcht zu Ehrfurcht verwandelt. Ihnen wird bewusst, dass er mehr ist als nur ein Mensch. Es wird noch ein langer Entwicklungsprozess sein, bis ihnen ganz aufgeht, dass Jesus Gott und Mensch zugleich ist, dass ihnen Gottes Sohn auf Erden gegenübersteht. Es ist ein Lernprozess. Dies geht nicht von heute auf morgen.

Jesus will seinen Freunden und damit uns allen klar machen, dass wir in schwierigen Situationen im Leben, wenn auch die „Wellen hoch gehen“ und wir schreckliche Angst bekommen, auf ihn vertrauen sollen besonders dann, wenn die eigenen Kräfte zu gering sind.

Dietrich Bonhoeffer, der im 2. Weltkrieg gegen das Morden gekämpft hat, hat in seiner Gefängniszelle - den Tod vor Augen - die wunderschönen Worte geschrieben: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Bonhoeffers Vertrauen in Gott war größer als seine Angst vor dem Tod. Wunderbar geborgen dürfen auch wir uns fühlen. Getrost erwarten dürfen wir, was kommen mag. Gott ist mit den Jüngern im Boot gewesen und ganz gewiss auch mit uns am Abend und am Morgen und an jedem neuen Tag. Amen.

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