2. Sonntag im Jahreskreis
2015 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Ein junger Mann kam zu einem Gelehrten und sagte: „Ich gebe Ihnen 100 Euro, wenn Sie mir sagen, wo Gott wohnt!“ Der Gelehrte antwortete: „Und ich gebe Ihnen 200 Euro, wenn Sie mir sagen, wo er nicht wohnt.“ Die Antwort ist weise und richtig, aber doch auch gefährlich. Gott ist überall, das stimmt. Und Jesus sagt einerseits auch selbst vor seiner Himmelfahrt und tröstet uns damit: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Und trotzdem ist die Intensität der Anwesenheit Gottes nicht immer gleich. Auch persönlich ist dies bei uns oft verschieden spürbar. Manchmal spüren wir die Anwesenheit Gottes viel stärker und dann ist er wieder weit weg und wir meinen, Gott kümmert sich nicht um uns. Er lässt uns allein.

Die Jünger des Johannes wollten auch wissen, wo Jesus wohnt. Als er hier auf Erden war, hatte Jesus ein Zuhause. Er zeigte ihnen, wo er wohnte. „Komm und sieh.“ Sie sahen es und lernten ihn näher kennen. Man muss sich also manchmal auf den Weg machen, um Gott näher kennenzulernen. Sicherlich wohnt Gott überall. Er wohnt auch in unserem Herzen. Aber Gott wohnt heute in erster Linie in der Kirche. Er ist in der hl. Messe in besonderer Weise anwesend. Auch heute sagt er zu uns: Komm und sieh! Da müssen wir uns auf den Weg machen. Jeden Sonntag sollen wir uns auf den Weg machen und schauen, wo er wohnt. Er ist in der heiligen Hostie gegenwärtig. „Gott ist überall“ kann also auch gefährlich sein.

Stellen wir Gott öfter diese Frage: Wo wohnst du? In dieser Frage steckt eine große Sehnsucht dahinter: Eine Sehnsucht nach der Wahrheit. Eine Sehnsucht nach Gott. Eine Sehnsucht, Jesus näher kennen zu lernen. Und diese Sehnsucht ist gut. Jesus sagt nur: Komm und sieh! Er lädt uns ein. Das sagt er immer zu uns. Diese Einladung gilt jedem Menschen. Die beiden Jünger haben die Einladung angenommen und waren dann an diesem Tag bei Jesus. Für Johannes, der wahrscheinlich der zweite Jünger war, neben Andreas, blieb es unvergesslich. (Diese Begebenheit steht im Johannesevangelium. Er bleibt bewusst bescheiden im Hintergrund ohne Namen.) Er weiß sogar noch die genaue Zeit. Es war um die 10. Stunde. Nach so langen Jahren hat er diese Begebenheit nicht vergessen. Es ist eine wichtige Stunde für ihn. Er war sicher sehr beeindruckt von Jesus. Sowohl wie er lebt, als auch wie redete. Seine Worte begeisterten ihn. Für Andreas war die Begeisterung ebenfalls so groß, dass er gleich zu seinem Bruder Petrus sagte. „Wir haben den Messias gefunden.“ Er ist der, auf den wir so lange gewartet haben. Und er führte ihn zu Jesus. Wenn Bekehrung immer so einfach wäre! Und doch machen wir Bekehrung in der heutigen Zeit oft so kompliziert. Wir brauchen nicht viel tun dabei. Wir brauchen nur von unserer Begeisterung erzählen. Wir brauchen nur dem anderen mitteilen von unserer Sehnsucht, und dass diese Sehnsucht bei Jesus gestillt wird, dass wir bei Jesus waren. Erzählen sie, dass sie heute eine Stunde bei Jesus waren. Du warst heute dort wo er wohnt und du bist überzeugt, dass es der Messias ist, der Sohn des lebendigen Gottes, der auf die Erde kam, um uns zu erlösen, und dass dich dies glücklich macht. Alles andere macht Gott und wird „von selbst“ gehen, wenn der andere dann offen ist für die Gnade Gottes. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email