22. Sonntag im Jahreskreis
2015 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Sie ehren mich mit den Lippen, das Herz aber ist weit weg von mir.“ Jesus spricht wieder einmal sehr harte Worte gegen die Schriftgelehrten, gegen die Pharisäer und gegen ihre Anhängerschaft bei den Juden. Leider hatte er mit denen immer wieder Auseinandersetzungen. Immer wieder kritisierte Jesus ihre falschen Ansichten und Gesetzesauslegungen, und so kam es zu diesen Spannungen. Man könnte fragen: Warum passiert das gerade mit dieser Gruppe? Diese Gruppe war doch die Elite bei den Juden. Sie galten als die Frommen und als die großen Beter. Die Pharisäer sind die, die am meisten gebetet und getan haben. Sie haben viel Almosen gespendet. Es waren die, die alles sehr korrekt nahmen.

Aber damals wie heute ist man in der Gefahr, nur an den äußeren Formen festzuhalten. Damals wie heute ist man in der Gefahr, durch diese Pflichterfüllung sich ein ruhiges Gewissen zu verschaffen. Ich habe meine Pflicht treu erfüllt, mein Soll getan, damit ist es genug. Mit welcher Gesinnung und wie ich das tue, danach wird nicht gefragt. Hauptsache die Leute sehen mich beten, sehen mich fasten, sehen mich Almosen geben!

Liebe Brüder und Schwestern. Wie verhalten wir uns? Sind wir besser als die Schriftgelehrten? Was sind unsere Vorschriften in der heutigen Zeit des Christentums?

Einmal im Jahr muss ich beichten gehen: eine lästige Pflicht! Ich mache es, weil es Vorschrift ist, damit das Gewissen wieder beruhigt ist. Von Reue und Umkehr ist manchmal keine Spur zu sehen. Jeden Sonntag muss ich in die Kirche gehen. Wieder so eine Vorschrift: Wo ist aber oft das Herz? Wo ist die innere Teilnahme bei der heiligen Messe? Feiere ich wirklich mit meinem Herzen mit? Oder lasse ich es nur über mich ergehen? Sitze ich nur die 45 Minuten ab? „Sie ehren mich mit Lippen, das Herz aber ist weit weg von mir.“ Gott aber will das Herz.

Wenn wir ihm das Herz nicht schenken, bleibt alles andere, was wir tun nur Äußerlichkeit, Fassade und Schein. Es ist wie ein Gerippe ohne Fleisch. Es ist wie ein Apfel, der außen schön rot ist und innen drin ist der Wurm, sodass alles verfault.

Das meint Jesus, wenn er sagt: „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein, die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl ...“ Der Mensch aber soll rein sein.

Die Reinheit! Ist die Reinheit heute überhaupt noch gefragt? Die Werbung arbeitet auf alle Fälle noch damit. Ob das ein Waschmittel ist, das porentief rein wäscht. Oder ob das die Kosmetik ist, die einen schönen reinen Menschen aus einem macht. Überall wird auf Schönheit und Reinheit wert gelegt.

Aber ist das nicht das, was Jesus heute auch anspricht und kritisiert. Viele legen nur da sehr viel Wert darauf, verwenden nur dafür viel Zeit, um sich äußerlich schön zu machen. Sollen wir aber nicht auch wieder die innere Reinheit suchen? Die innere Reinheit sieht man nicht so deutlich wie die äußere. Manchmal spürt man sie. Manche haben eine gewisse Ausstrahlung. Mutter Theresa war nicht schön. Sie war alt und runzelig, hatte aber eine Ausstrahlung, war innerlich schön. Manchmal sieht man die innere Schönheit, wenn man in die Augen eines Menschen schaut. Aber vergessen sie nicht, Gott sieht diese innere Schönheit sehr deutlich. Und er schaut nur auf die innere Reinheit.

Die Kosmetik schafft es den Menschen äußerlich schön und ansehnlich zu machen. Das ist das Wasser im heutigen Evangelium, mit denen sich die Jünger die Hände hätten waschen sollen. Das ist das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln. Das sind alles Äußerlichkeiten. Aber das ist nicht alles! Viel wichtiger ist die innere Reinheit.

Wer spricht heute zum Beispiel noch von "rein" in die Ehe gehen? Da lacht man einen nur noch aus, wenn jemand solche Werte noch besitzt. Die wahre Reinheit! Sie betrifft aber nicht nur das sechste Gebot. Es betrifft das ganze Leben mit Gott. Alle Gebote. Jesus zählt es auf: nicht nur Unzucht und Ehebruch., auch Diebstahl, Mord, Habgier,... Ist das Herz rein? Sind wir im Inneren rein? Es beginnt mit den bösen Gedanken, wie Jesus sagt. Wenn wir im Inneren rein sind, dann ehren wir ihn nicht nur mit den Lippen, sondern auch mit unserem Herz. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email