26. Sonntag im Jahreskreis
2015 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es gibt sicherlich viele Priester, die ungern über dieses Evangelium predigen. Für uns alle sind die Worte Jesu unangenehm und hart zu schlucken. Auch wenn wir sagen, dass das mit der abgehackten Hand und dem Fuß, dazu das herausgerissene Auge – lieber als die Hölle, alles Bilder und Symbole sind. Wir müssen es natürlich im übertragenen Sinn verstehen. Sich selbst verstümmeln, verstößt gegen das 5. Gebot. Es bleibt aber bei dieser Rede Jesu der üble Nachgeschmack. Anscheinend will uns Jesus etwas ganz wichtiges dramatisch darstellen. Um was geht es Jesus, wenn er solche Sätze verwendet? Warum wird er mit seinen Formulierungen so extrem?

Es geht ihm um nichts anderes als um den Ernst der Sünde, der auch in der heutigen Zeit herabgespielt wird.

Das Wort Sünde wird in unserer Gesellschaft, im Sprachgebrauch manchmal sehr verharmlost. Wir kennen die Redewendung. Dann sündige ich halt wieder mit einem Tortenstück.

Manchmal kann es vorkommen, dass ein Kind es als die größte Sünde ansieht, wenn es einen Käfer zertreten hat.

Sicherlich kann ich beichten. Ich konnte mich beim Essen nicht beherrschen. Ich habe Tiere gequält.

Aber wenn das Leben eines Tieres für jemand wichtiger wird als das ungeborene Leben im Mutterschoß, dann sind die Prioritäten falsch gesetzt.

Und dann müssen wir uns eben auch bewusst machen, dass es oft mit kleinen Dingen beginnt.

Das Töten beginnt nicht erst mit dem Umbringen oder Schlagen des Nächsten, sondern mit dem Hass.

Die Sünde im 6. Gebot ist nicht nur Ehebruch. Der beginnt schon viel früher mit der Unkeuschheit, mit den Gedanken, mit den Blicken und mit dem Reden, bzw. Zuhören.

Das Stehlen beginnt nicht erst mit dem Wegnehmen eines fremden Gegenstandes, sondern mit dem Neid.

Und auch das Lügen beginnt oft schon in Gedanken.

Die echte Sünde ist und bleibt eine Beleidigung Gottes. Wir müssen sie ernst nehmen.

Und wer sich keiner Sünde bewusst ist, da ist es wichtig, an Unterlassungssünden zu denken. Im Schuldbekenntnis beten wir, dass ich Gutes unterlassen habe und das kommt als Erstes. Noch bevor ich bete, „Böses getan habe“.

„Gutes unterlassen“ bedeutet auch absichtlich nichts „Gutes tun“. Ich sehe jemanden in Not und gehe achtlos vorüber. Ich könnte etwas für die Flüchtlinge tun. Ich könnte zu einem alten Menschen (ein Bekannter, ein Verwandter) einmal wieder gehen, der sich über diesen Besuch freut, tue es aber aus Faulheit nicht.

Im Normalfall ist dies natürlich eine leichtere Sünde, nicht so schwer wie Böses tun. Beides aber wollen wir so gut es geht meiden. Für Jesus ist die Sünde auf alle Fälle keine Lappalie. Mit seinen drastischen Schilderungen will er uns doch sehr eindringlich einschärfen: Fliehe jede Art von Versuchung! Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach! Darum diese abschreckenden Formulierungen vom Abhacken der Glieder und vom Ausreißen des Auges.

Die Sprache ist deshalb so extrem aus Sorge um uns Menschen, die oftmals so gedankenlos dahinleben und mit der Versuchung spielen. Manchmal müssen die Leute aufgerüttelt, ja wachgerüttelt und wachgeschüttelt werden. Manche muss man so aufwecken. Viele sind bereits wach, denen wird es nur eine Erinnerung sein, weiter ihren Weg treu zu gehen. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email