28. Sonntag im Jahreskreis
2015 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Frage, die der heutige Mann im Evangelium Jesus stellt, ist die zweite Frage des alten Katechismus. „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ „Was muss ich tun, um in den Himmel zu kommen?“ Wen interessiert das nicht! Voraussetzung ist natürlich, dass ich an den Himmel glaube, dass ich an ein Leben nach dem Tod glaube. Immer weniger können an ein Weiterleben nach dem Tod glauben, aber es ist die wichtigste Glaubensgrundentscheidung. Wenn es nachher nichts gibt, dann können wir jetzt wieder heimgehen. Paulus sagt, wenn Christus nicht auferstanden wäre, dann wäre alles sinnlos.

Einen Zweifler könnte man vielleicht folgendes sagen als kleine Hilfe. Lebe einmal so, als ob es Gott gäbe, so als ob es ein Leben nach dem Tod gäbe. Wenn er sich darauf einlässt, wird ihm Gott auch die Gnade des Glaubens schenken.

Nochmals zurück aber jetzt auf die 2. Katechismusfrage und auf die Frage im Evangelium, bzw. auf die Antwort. Jesus weist hin auf die Gebote. Halte die Gebote! Im Katechismus wird die Antwort erweitert. Nicht nur die Gebote halten, sondern auch an Gott glauben und seine Gnadenmittel gebrauchen, die Sakramente: Hl. Messe und hl. Beichte oft empfangen.

Als nun der Mann erwidert, dass er all die Gebote von Jugend an befolgt hat, wird die Latte von Jesus nun sehr hoch gelegt: Alles verkaufen! Alles hergeben! Die totale Armut leben und Jesus nachfolgen! Das ist schon etwas unvorstellbares, was Jesus da verlangt. Es schaut aus, als wenn nur diese paar wenigen Auserwählten gerettet werden. Aber wenn wir genau hinschauen, ist das ein Angebot Jesu. Es heißt, weil er ihn liebte, deswegen bietet er ihm diese Ganznachfolge an, die er bestimmten Menschen heute auch insofern in einem Ordensleben anbietet.

Auch wenn dann das erschreckende Wort vom Kamel und dem Nadelöhr zu hören ist, gefällt mir folgende Auslegung am besten. Wenn Jesus vom Nadelöhr spricht, dann spricht er mit aller Wahrscheinlichkeit von einem Stadttor in Jerusalem. Zurzeit Jesu waren alle Städte mit Mauern umgeben, die mit einigen Toren versehen waren. Diese wurden allerdings aus Sicherheitsgründen nachts verriegelt, damit keine feindlichen Truppen eindringen konnten. Wer also bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht rechtzeitig die Stadt erreicht hatte, musste draußen übernachten.

In Jerusalem aber gab es eine kleine Tür, die immer geöffnet war. Tag und Nacht. Sie war allerdings so eng und niedrig, dass dort keine Angreifer mit Rüstung und Waffen eindringen konnten, sondern nur einzelne Personen und das auch noch gebückt. Und dieser Eingang hieß im Volksmund damals "Nadelöhr".

Mit diesem Wissen im Hintergrund lässt sich besser verstehen, was der Herr meint, wenn er sagt: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.

Wenn z.B. ein reicher Kaufmann mit seiner Karawane die Stadt Jerusalem nicht rechtzeitig vor Torschluss erreicht hatte, um sich und seine Waren hinter den Mauern vor den Räubern in Sicherheit zu bringen, musste er sich entscheiden:

Bleibe ich jetzt, diese Nacht draußen bei meinen voll beladenen Kamelen? Oder bringe ich mein Leben lieber in Sicherheit, indem ich durch das Nadelöhr in die Stadt hineingehe?

Eins war klar: Seinen ganzen Besitz konnte er nicht mitnehmen. Der war zu sperrig für das kleine Tor. Der Reiche musste sich wohl oder übel davon trennen, es loslassen. Der Herr will uns sensibilisieren mit diesem Wort vom Nadelöhr, sensibilisieren für unsere Anhänglichkeiten:

Angenommen, Sie stehen vor diesem Nadelöhr, vor dieser kleinen Pforte. Was haben Sie, woran hängen Sie?

Wer in die Ewigkeit zu Gott will, der muss auf all das verzichten, der kann von dem Reichtum nichts mitnehmen. Und wenn er davon nicht loslässt, dann wird er draußen bleiben müssen.

Leben wir so, dass am Ende der Reichtum uns nicht hindert durch die Pforte des Himmels zu gelangen. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email