29. Sonntag im Jahreskreis
2015 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der heutige Missionssonntag lenkt unseren Blick auf die Länder, in denen der Glaube noch verkündet werden soll, bzw. in die Länder, in denen der Glaube fast erloschen ist und dazu gehören wir selber. Wenn wir Mission hören, dann denken wir normalerweise an die armen Länder in der Dritten Welt, aber das ist zu wenig. In der heutigen Zeit müssen wir den Blick erweitern nicht nur auf die Länder, die finanziell arm sind, sondern die, die arm im Glauben sind. Immer mehr ausländische Priester kommen zu uns, um uns zu helfen, dass wir im eigenen Land den Glauben wieder neu verkünden können. Nicht nur Priester aus Polen, sondern auch afrikanische und indische Priester haben wir in unserer Diözese, die oft gute Arbeit machen.

Wenn es bei uns mit dem Glaubensabfallei so weitergeht, dann gilt für uns die Frage Jesu am Ende des Evangeliums: Wird der Menschensohn, wenn er kommt, in Österreich noch Glauben vorfinden? Manchmal höre ich den Satz: Herr Pfarrer, ich kann auch glauben, ohne dass ich in die Kirche gehe. Ich würde am liebsten darauf antworten: Nein, das kannst du nicht. Und du merkst gar nicht, wie schwach dein Glaube schon geworden ist. Du merkst gar nicht, dass dein katholischer Glaube schon fast gar nicht mehr in deinem Herzen ruht, denn du weißt eigentlich nichts mehr von diesem Glauben, wenn ich dich prüfen würde. Und ich würde in deinem Leben Dinge feststellen, die nichts oder sehr wenig mit dem katholischen Glauben zu tun haben, ja ich würde in deinem Herzen einen Glauben vorfinden, der sich mit dem katholischen Glauben fundamental widerspricht, wie ich bei einigen Leuten feststelle, die an Seelenwanderung oder ähnliches glauben. Denn der katholische Glaube kommt vom Hören, vom Verkünden.

Ein paar Gedanken noch zu dieser dramatischen Frage: Wird der Menschensohn, wenn er kommt, noch Glauben vorfinden?

Wichtig für unser Christsein sind 3 Dinge: Fest an Gott glauben, regelmäßig beten (das Gebet) und die praktische Nächstenliebe. Alle drei Dinge muss ich verwirklichen. Diese drei wichtigen Punkte sind nicht zu vergleichen mit einem Guthaben, das wir auf drei verschiedenen Konten verteilen. Wenn das eine in Gefahr ist, dann wird eben ein anderes Konto bevorzugt. Z.B. Ich bete halt nicht, dafür glaube ich fester an Gott. Oder ich übe keine Nächstenliebe, dafür bete ich mehr. Nein, das göttliche Leben ist mehr mit unserem biologischen Leben zu vergleichen. Wir brauchen zum Leben Wasser, Nahrung und Luft, diese drei Dinge. Geht uns einmal die Luft aus, können wir das nicht ausgleichen, indem wir besonders viel Trinken, und umgekehrt können wir mangelnde Nahrung nicht durch schnelleres Atmen wettmachen.

Unser Christsein ist nur so groß, wie die schwächste der drei Säulen, auf denen es ruht. Wer nicht mehr betet, bei dem wird auch der Glaube schwach sein. Und wer wenig Nächstenliebe übt, der wird auch nicht richtig beten.

Glaube, Gebet und Nächstenliebe. Alle drei wollen wir ernst nehmen. Wenn wir treu sind im Gebet und die Nächstenliebe üben, wird unser Glaube gefestigt und Jesus wird sehr wohl bei uns Glauben vorfinden, falls er zu einem Zeitpunkt kommt, der noch zu unseren Lebzeiten stattfindet. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email