32. Sonntag im Jahreskreis
2015 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Man muss bei diesem Evangelium folgendes wissen: Die Leute warfen nicht selbst ihr Opfergeld in den Kasten, sondern übergaben ihr Münzen dem Priester. Dieser überprüfte das Geld, ob es richtiges Tempelgeld war und nicht etwa unreine, heidnische Münzen, die da geopfert wurden und die da nicht rein gehörten.

Mir scheint, Jesus will mit diesem Hinweis auf die Witwe, die alles hergegeben hat, nicht sagen, dass wir unsere Existenz planlos auf´s Spiel setzen sollen, dass wir alles hergeben sollen und dann nicht wissen, was wir am nächsten Tag essen sollen, wie wir unseren Lebensunterhalt bestreiten sollen und mit was wir dann das Notwendigste kaufen sollen. Wobei ein hl. Franziskus es uns vorgelebt hat, dass das auch geht. Aber das ist eine Ausnahme. Normalerweise hat man eine Familie, Verantwortung und muss sehr wohl überlegt handeln und sinnvoll mit dem Geld umgehen.

Jesus will nicht sagen: Schenk alles der Kirche! Gib deinen ganzen Besitz. Nicht einmal der hl. Martin, den wir bald feiern, hat den ganzen Mantel gegeben, sondern auch nur die Hälfte.

Was aber will uns Jesus sagen?

Bei meinen Überlegungen sind mir 2 Gefahren eingefallen, gegen die wir immer wieder kämpfen müssen.

Das erste ist der Hochmut. Wir brauchen uns nichts einbilden und hochmütig werden, wenn wir von unserem Reichtum etwas geben! Es ist gut, wenn wir ein Herz für die Flüchtlinge z.B. haben. Diesen armen Leuten finanziell helfen. Jesus hat nichts dagegen, dass Reiche etwas geben. Die Betonung legt auf etwas und nicht alles. Doch Jesus hat etwas gegen den Stolz. Sobald der eine in Versuchung kommt und meint, wie gut ich bin, dann soll er besser nicht spenden. Immer wieder steckt in uns diese Gefahr, dass wir plötzlich von oben auf andere herabschauen, die eventuell weniger geben und daher nicht so gut und nicht so brav sind wie wir. Vielleicht ist das auch eine Gefahr, dass wir etwas spenden, nur um unser schlechtes Gewissen zu beruhigen. Jetzt habe ich halt wieder meine Pflicht getan und damit hat es sich.

Die zweite Gefahr ist das Beurteilen und das Verurteilen. Gott beurteilt einmal alles ganz gerecht. Er ist allwissend und daher kennt er den Menschen durch und durch. Er weiß, warum er gibt. Er weiß, ob es ihm schwer fällt, ob es wirklich ein Opfer war, ob er nur seine Pflicht getan hat, ob er nur gut dastehen will. Er weiß, wie viel Prozent er von seinem ganzen Besitz gibt, ob er alles gibt oder ob er nur vom Überfluss gibt.

Vielleicht hat Jesus auch das Gesicht des Priesters beobachtet, als er die kleinen Münzen dieser armen Witwe übernommen und geprüft hat. Reich wurde er mit diesem Tempelgeld nicht und hat daher wahrscheinlich sehr abfällig geschaut und mit einer gewissen Unzufriedenheit die 2 Cent hineingeworfen.

Macht euch kein falsches Bild. Seid vorsichtig mit dem Urteil, mit dem Beurteilen und dem Verurteilen. Ihr wisst nicht die ganzen Umstände. Wir wissen immer nur einen Teil und sind daher immer in Gefahr ein nicht ganz gerechtes Urteil abzugeben. Überlassen wir das Urteil dem lieben Gott.

Es könnte auch sein, dass Jesus auf die Witwe hinweisen wollte und den Jüngern sagen wollte. Das ist eine arme Witwe. Seht doch ihre Not! Helft ihr und kümmert euch um sie. Sie hat jetzt nichts mehr und ist auf eure Hilfe angewiesen.

Mögen wir auch immer diese Sorge um den Nächsten im Herzen tragen. Schaut hin auf die Not des Nächsten und hilf so gut du kannst. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email