2. Ostersonntag
2015 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am Sonntag nach Ostern, dem sogenannten weißen Sonntag, wird immer das Evangelium vom ungläubigen Thomas vorgelesen. Er will nicht glauben. Erst wenn er die Wunden berührt. Nicht nur das Sehen genügt ihm, sondern auch das Betasten ist ihm wichtig. Wir können Jesus weder sehen, noch berühren und doch sollen wir glauben und können wir glauben.

Jesus erfüllte also damals den Wunsch des Thomas und erscheint eine Woche später wieder den Aposteln und diesmal ist Thomas dabei. „Hier ist meine Seite, hier sind meine Hände.“ Die Wunden der Kreuzigung und die Wunde, die der Soldat ihm mit der Lanze nach seinem Tod noch zugefügt hat, waren also zu sehen, als Beweis dafür, was mit ihm geschehen ist. Diese Wunden darf Thomas anfassen. Ob er es getan hat, wissen wir nicht. Er fällt auf die Knie und legt das Glaubenszeugnis ab: Mein Herr und mein Gott. Jetzt kann er an ihn glauben. Jetzt kann er glauben, dass Jesus auferstanden ist, und er glaubt auch, dass er Gott ist, denn nur Gott kann in seiner Allmacht von den Toten auferstehen.

Früher wurden die Katechumenen, die sich auf die Taufe vorbereiteten, in der Osternacht getauft und durften das weiße Taufkleid eine Woche lang tragen. Daher heißt dieser heutige Tag auch Weißer Sonntag.

Im Jahr 2000 hat Papst Johannes Paul II. Sr. Faustina heiliggesprochen und zugleich den Wunsch erfüllt, dass dieser Sonntag, Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit genannt wird. Sr. Faustina teilt uns mit, dass Blut und Wasser als Quellen der Barmherzigkeit aus dem Herzen und aus der Seite Jesu fließen. Diese Wunde darf Thomas berühren: die Wunde der Barmherzigkeit. Er ist auch mit ihm barmherzig und erfüllt seinen Wunsch. In dieser Wundmale zeigt sich nun die Quelle des unendlichen Erbarmens Gottes. Hier zeigt sich, was Gott alles aus Barmherzigkeit für uns riskiert hat und getan hat. Diese Wunden stehen für sein ganzes, auch inneres Verwundetsein und gerade die Herzwunde weist auf seine Verwundung in der Tiefe des Herzens, in der innersten Mitte der Person hin. Hier liegt die Quelle der Barmherzigkeit.

Es heißt: „Hier flossen Blut und Wasser hervor.“ Dies hat die Kirche auf die Sakramente gedeutet, besonders Taufe und Eucharistie, aber auch Beichte. Hier fließt auch das Blut Christi und wäscht uns rein.

Heute geht es also um die Wunden Jesu. Es geht um die verklärten Wunden, die nicht mehr bluten, sondern nur noch rot glänzen. Sie tun nicht mehr weh, sondern sie sind nur mehr Zeichen, dass es derselbe Leib ist, dass es Jesus ist, der vor ihnen steht und kein Geist. Diese roten verklärten Wunden werden uns vor augengestellt. So könnten wir diesen Sonntag nicht nur „weißen Sonntag“ oder „Barmherzigkeitssonntag“ nennen, sondern auch den „roten Sonntag“ oder „Wundensonntag“, der hinweist auf sein Blutvergießen, auf seine Herzwunde, die aus der Barmherzigkeit hervorgeflossen ist. Wenn wir auf diese offene Herzwunde blicken, sehen wir erneut die Liebe Jesu zu uns Menschen. Er kümmert sich um jeden Einzelnen. Er kümmert sich um die Glaubensschwierigkeiten eines Thomas, und er wird sich ebenfalls um jeden Einzelnen von uns kümmern, wenn wir Schwierigkeiten haben. Er wird uns an sein geöffnetes Herz drücken und uns sagen: Aus Liebe zu jeden Menschen habe ich mich durchbohren lassen, auch aus Liebe zu dir, aber jetzt lebe ich und jetzt kannst du zu mir kommen und mich anbeten mit den Worten. „Mein Herr und mein Gott.“ Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email