Hochfest der Unbefleckten Empfängnis
2017 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Weihnachten des Jahres 1908 geschah eine schreckliche Tragödie in Messina auf Sizilien. 80.000 Menschen wurden durch ein Erdbeben lebendig begraben und von der gleichzeitig hereinbrechenden Sturzflut, einem Tsunami, ertränkt. Es war die nach Opfern schwerste Naturkatastrophe Europas im 20. Jahrhundert. Messina war ein einziges ungeheures Trümmerfeld. In einem Buch habe ich dazu aber etwas Interessantes gelesen: Dass nämlich mitten unter den Trümmern und Ruinen ein hohes Standbild unversehrt geblieben war, das Bild der Unbefleckten Empfängnis. Könnte man da nicht auf folgendes schließen? Ist diese unversehrte Mariensäule auf dem Trümmerfeld Messinas nicht ein anschauliches Sinnbild der Glaubenswahrheit, das wir heute feiern? Überall ist bei den Menschen die Verwüstung der Sünde zu sehen, ein ungeheures Trümmerfeld. Aber mitten in dieser Sündenwüste ragt eine Frau unversehrt empor: die Unbefleckte Empfängnis.

Ein Atheist sagte einmal: „Wenn ich glauben könnte, würde ich katholisch werden. Und wissen Sie warum? Um des Dogmas der Immaculata willen.“ Und er begründete es folgendermaßen: „Wenn die Kirche mit ihren Dogmen überhaupt Wahrheit verkündet, dann erfahren wir von ihr durch dieses Dogma, dass es also doch in der Menschheit einmal wenigstes eine Seele gegeben hat und noch gibt, die – ohne zugleich Gott zu sein wie Christus – als reiner Mensch von der Sünde niemals berührt worden ist. Ich kann ihnen sagen: Ich habe ein großes Stück Welt gesehen, ich habe die Schmutzflut der Sünde in der Menschheit kennengelernt. Was wir brauchen, ist gerade diese Seele, diese eine Seele wenigstens, die auch nicht vom leisesten Tropfen dieser Flut je bespritzt und befleckt wurde, die Seele der Unbefleckten, der ganz Makellosen, zu der wir aufschauen können als zu dem Ideal der Menschenseele in ihrer unberührten Reinheit und Heiligkeit.“

Maria ist wirklich diese Frau, die sich Gott auserwählt hat, sodass sein Sohn aus einem ganz reinen Geschöpf geboren werden konnte. Der Engel grüßte sie deshalb mit den Worten: „voll der Gnade“, d.h. ganz rein, total heilig und unversehrt, sofort von der Erbsünde verschont im Augenblick ihrer Empfängnis. Das ist deswegen geschehen, um uns zu zeigen, wie Gott den Menschen ursprünglich gedacht hat. Nicht der Mensch mit der Sünde war Gottes Plan. Nicht der sündenbefleckte Mensch ist der normale Mensch, sondern der, der den Willen Gottes tut. Und Gott sagt damit: Es ist möglich, sich auf diesen Weg zu machen und immer besser den Weg der Heiligkeit zu gehen. Wenn wir auf Maria blicken, sehen wir ganz klar so einen Menschen vor uns, der immer auf den Ruf Gottes richtig geantwortet hat, der dem Teufel und seinen Versuchungen zu jeder Zeit widerstanden hat.

Das wird schon ganz am Anfang in der Heiligen Schrift ausgedrückt mit den Worten: Feindschaft stifte ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs. Weil Satan nie über diese Frau geherrscht hat, deswegen ist diese große Feindschaft da. Und diese Feindschaft wird sein bis zum Ende der Zeiten, und diese Feindschaft müssen auch wir haben. Wir dürfen uns nie mit der Sünde anfreunden. Wir wollen immer wieder den Kampf auf uns nehmen und versuchen, uns aus der Schuld herauszuarbeiten: die Sünden bereuen, den Vorsatz machen, die Versuchung zu meiden; in der Beichte die Beleidigungen Gottes zu bekennen und das reine Herz immer wieder zu suchen.

Maria, die Makellose, kann uns dabei helfen, wenn wir sie darum bitten mit den Worten: Wir wollen auch so werden wie du bist. Schau auf uns! Du bist unsere Mutter! Du bist die große Fürsprecherin im Himmel. Dein Sohn hat zu Johannes gesagt: „Siehe deine Mutter.“ Damit hast du den Auftrag bekommen, auch unsere Mutter zu sein. Wir alle wollen wieder ganz Kind werden, dein Kind sein und dich anrufen, denn du bist als Immaculata eine mächtige Frau, die den Satan besiegt hat, indem du das Ja-Wort zur Menschwerdung Gottes sagtest. Auch bei uns klopft der Engel immer wieder an. Er bittet uns, den Plan Gottes zuzustimmen, der natürlich bei jedem anders ausschaut. Aber im Gewissen wollen wir auch immer wieder unser „Ja“ dazu sagen. Wir wollen zustimmen zum Willen Gottes. Ja ich bin bereit, deinen Willen zu tun. Wer sich hier bemüht, der geht den Weg der Muttergottes und der wird auch das große Ziel in der Ewigkeit erreichen. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email