Gründonnerstag
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Jesus reichte dem Judas beim letzten Abendmahl den Bissen Brot. Judas nahm den Bissen und ging sogleich hinaus. Dann heißt es mit einem kurzen Satz: Es war aber Nacht! Bei den folgenden Abschiedsreden, die Jesus noch an diesem Abend den Jüngern gehalten hatte, kommt ein Wort öfter vor: das Wort „bleiben“. Jesus bezeichnet sich als den wahren Weinstock: Wie aber die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Dann häufen sich diese Worte: Bleibt in mir und bleiben meine Worte in euch, dann bittet, um was ihr wollt, es wird euch zuteilwerden. Bleibt in meiner Liebe.

Für Johannes ist das „Bleiben“ nicht nur in seinem Evangelium wichtig, sondern auch in seinen Briefen. So schreibt er im 1. Johannesbrief 2,17: Wer den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. Am Ende des 1. Jahrhunderts muss Johannes die traurige Feststellung machen, dass viele weggegangen sind. Sie sind nicht bei uns geblieben und deshalb die Mahnung: Was ihr von Anfang an gehört habt, soll in euch bleiben, wenn das was ihr von Anfang an gehört habt, in euch bleibt, dann bleibt ihr im Sohn und im Vater. Bleibt in Gott, damit ihr bei seinem Kommen nicht von Gott gerichtet werdet.

Für Johannes ist das Wort „bleiben“ also ein ganz wichtiges Wort. Vielleicht denkt er oft an seine Berufungsgeschichte zurück. Als Johannes der Täufer ihn und Andreas auf Jesus, das Lamm Gottes, aufmerksam macht, da gingen sie mit ihm und sahen, wo er wohnte und blieben den Tag bei ihm. Auf das also kommt es an, auf das Bleiben bei Jesus. Der Verräter ist nicht geblieben, sondern weggegangen. Im Johannesbrief sind es viele, die Johannes Antichrist nennt, die nicht geblieben sind, sondern auch weggegangen sind. Sicher würde Johannes diese Feststellung auch heute machen. Und es war Nacht in der Seele der Weggegangenen.

Das Bleiben ist wichtig, wenn wir den Bissen gegessen haben, wenn wir das heiligste Sakrament empfangen haben, den Leib Christi, dann nicht gleich weg eilen wie Judas, sondern bei ihm bleiben. Und dies wollen wir nicht nur körperlich verstehen, sondern die Gedanken sollen auch bei Jesus bleiben. Er will in mir bleiben.

Konntet ihr nicht einmal eine Stunde bei mir bleiben und beten am Ölberg. Das war Jesu Anliegen. Vielleicht können heute auch ganz viele bei der Ölbergandacht bleiben. Jesus bittet die Jünger mit ihm zu beten, doch sie schlafen. Sie schaffen nicht einmal eine Stunde. In dieser entscheidenden Stunde ist Jesus mit seinem Vater im Himmel allein. Er wird diese wichtigen Worte sprechen. Lass den Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein Wille, sondern der deine geschehe. Sein Vater wird ihm einen Engel schicken. Er wird ihn stärken. Das Gebet Jesu am Ölberg muss uns alle ergreifen. Auch wir wollen in der Not immer zu Jesus schreien und ihn bitten: Bleibe bei mir. Stärke auch du mich, wie der Engel dich gestärkt hat. Auch unser Gebet soll dann letztlich so eine Hingabe sein und einmünden in den Satz: Nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe. Der Wille Gottes möge immer auf dieser Erde geschehen. Der Wille Gottes ist, dass wir in Christus bleiben. Möge immer diese Verbindung zu Christus da sein, dass der Rebzweig am Weinstock ist, dass wir Frucht bringen, die bleibt. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email