Christi Himmelfahrt
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Eine Anekdote erzählt, dass in den 70er Jahren ein Präsident der damaligen Sowjetunion einen Staatsbesuch in Deutschland plante. Plötzlich merkte man, dass während des Aufenthaltes in Deutschland ein Feiertag ist, nämlich der Himmelfahrtstag. Der Präsident fragte einen Berater, was an diesem Tag in Deutschland sei. Der erkundigte sich und sagte dann: „Das ist der Tag, an dem der deutschen Raumfahrt gedacht wird.“

Egal ob es stimmt. Es erinnerte mich an die Aussage in der damaligen DDR, als ein Schüler fragte, wer da am Kreuz hängt, ob das Spartakus ist.

Die Entwicklung hat sich nun geändert. Seit dem Fall des kommunistischen Ostblockes hat sich dort vieles zum Guten geändert. Im Jahr 1989 hatte das Moskauer Patriarchat ein wenig über 3000 Gemeinden, jetzt sind es über 30.000 Gemeinden. Überall werden Kirchen restauriert oder wieder aufgebaut. Aus den 15 Klöstern im Jahre 1989 sind mittlerweile fast 800 Klöster geworden. An über 200 Lehrstühlen wird Theologie gelehrt. 1990 waren es 5 Lehrstühle. Die Zahl der Gläubigen stieg von unter 50 Millionen 1990 auf über 113 Millionen. Bei einer Umfrage im Jahr 2000 bezeichneten sich 82 Prozent der Russen als orthodoxe Christen. Die orthodoxe Kirche hat im neuen Russland eine unüberhörbare Stimme.

Das Problem der Kirche ist im 21. Jahrhundert schon lange nicht mehr das kommunistische oder atheistische Russland, sondern der Westen, der den Glauben verliert. Bei uns wird das religiöse Wissen immer dürftiger und vielleicht passiert in Zukunft eine so ähnliche Glaubensunwissenheit bei uns. Immer wieder ist man wirklich erstaunt, dass viele Menschen nicht mehr die selbstverständlichsten Glaubenswahrheiten wissen.

Was feiern wir an Christi Himmelfahrt? 40 Tage nach Ostern feiern wir den triumphalen Einzug Christi in den Himmel. In diesen 40 Tagen hat er durch seine Erscheinungen immer wieder seinen Jüngern bewiesen, dass er lebt, dass er auferstanden ist. So kann es aber nicht dauernd weitergehen. Das muss ein Ende haben und daher Christi Himmelfahrt. Jesus kehrt zum Vater heim und er nimmt Platz zur Rechten des Vaters.

„Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ So bekennen wir im Glaubensbekenntnis. Jesus regiert von dort. Er herrscht über die Erde. Er hält die Zügel der Weltregierung in der Hand. Er hat sich nicht zurückgezogen von der Welt, auch wenn es manchmal den Anschein hat, als ob der Mensch regiert oder gar der Teufel die Oberhand hat. Nichts bringt Jesus aus der Fassung, kein Krieg, kein Erdbeben, keine Hungersnot, keine Epidemie. Nicht, dass ihm das gleichgültig wäre, ganz und gar nicht. Aber er wird einmal wieder volle Gerechtigkeit schaffen und eine neue Erde und einen neuen Himmel schaffen, in dem es das alles nicht mehr gibt.

Uns ist aufgetragen zu glauben. „Wer glaubt, wird gerettet werden.“ Wer glaubt, wird auch schon auf dieser Erde, dem Bösen widerstehen können. Im Evangelium steht: Er wird große Dinge tun können. Es scheint, dass der Glaube oft sehr dünn geworden ist, weil wir diese großen Dinge immer seltener erleben. Oder sind wir nur blind geworden für große Dinge? Manchmal sind kleine Dinge große Dinge. Manchmal ist etwas Unscheinbares, etwas Gewaltiges. Der Blick dazu ist uns nur verloren gegangen.

Christi Himmelfahrt erinnert uns daran, dass Jesus zwar zum Vater heimgekehrt ist, aber dass er trotzdem sich um uns sorgt und uns beistehen will. Immer wieder spüren wir doch, dass es jemanden gibt, der über allem steht. Immer wieder werden wir auch in unserem Leben spüren, Jesus ist uns nahe. Er ist zwar beim Vater im Himmel, aber sorgt dennoch für mich und hilft mir in meiner Not. Er steht mir bei, wenn ich ihn brauche.

So macht uns dieses Fest nicht traurig, weil Jesus zum Vater heimgekehrt ist. Auch die Jünger waren über diesen Abschied nicht traurig. Das Lukasevangelium endet mit dem Satz: „Die Jünger kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück.“ Warum hatten sie Freude im Herzen, obwohl Jesus in den Himmel gefahren ist? Weil sie wussten, dass er auch weiterhin bei ihnen. Er sendet ihnen den Heiligen Geist. Das war damals so und ist heute genauso. Jesus ist nicht weit weg. Er ist bei uns und kümmert sich um uns, um die Menschen bis ans Ende der Welt, bis er wiederkommt in Herrlichkeit. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email